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"Fast & Furious": Autos, Mädels, befreiende Explosionen

(c) Universal
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Vin Diesel kehrt in „Fast & Furious“ auf die Straßen von Kalifornien zurück. Ein grandioser B-Film von Regisseur Justin Lin.

Die Motoren heulen, die Muskeln zucken, die (leicht bekleideten) Frauen räkeln sich auf tiefer gelegten Boliden: Fast & Furious schaut in schwächeren Momenten wie ein Zusammenschnitt von Gangsta-Rap-Musikvideos aus. Aber unter all den schicken Lackierungen und grellen Unterbodenleuchten klopft das Herz eines jeden Autorennfilms: der Triumph der Außenseiter über das Establishment.

Vin Diesel gibt ein weiteres Mal den einsilbigen, freiheitsliebenden Renegaten Dominic Toretto, der schon 2001 in The Fast and the Furious bei illegalen Autorennen quer durch Los Angeles die Traumfabrikstadt zerlegte. Mittlerweile hat er sich in Panama zur Ruhe gesetzt, so dem Zugriff der US-Behörden entzogen, die ihn immer noch jagen.

 

Schuldsuche im Drogenkartell

Ein tragisches Ereignis führt ihn zurück auf die Straßen Kaliforniens: Seine Freundin Letty (Gastauftritt: Michelle Rodriguez) stirbt bei einem Autounfall. Und Dominic weiß, wo er den Schuldigen zu suchen hat: in den Reihen des Drogenkartells von Unterwelt-Boss Braga, der nichts mehr liebt als illegale Autorennen. Und dann heulen die Motoren wieder auf.

Fast & Furious will, muss nach den Regeln des Genres funktionieren und gefällt dann auch aufgrund seiner Ambitionslosigkeit: In einer Produktionslandschaft, in der jedes noch so seichte und offenkundig nur auf das Zusehervergnügen abzielende Sujet mit aktuellen Problemlagen aufgemotzt wird, ist der innerhalb seiner Genregrenzen perfekt funktionierende Unterhaltungsfilm eine Besonderheit. Das Rad muss ja nicht immer neu erfunden werden. Es reicht, wenn es sich schnell dreht.

 

Perfekte Choreografie der Fahrzeuge

Regisseur Justin Lin eröffnet dann auch mit einer spektakulären, konzentriert inszenierten Actionszene: Es geht ihm – wie im Actionkino der 80er-Jahre – vor allem um eine perfekte Choreografie der diversen Fahrzeuge (Tanklastwagen inklusive), um das flotte Andrehen der Spannungsschraube und die abschließende, befreiende Explosion. Sein Film zeigt sich angenehm unberührt von zeitgeistigen Actionkino-Renovierungen: Unnötige Handkamera-Wackelei und hinein inszenierte „Unmittelbarkeit“ findet man ebenso wenig wie einen Helden, der von Hausdächern stürzt. Justin Lin arrangiert Vin Diesel hingegen in aufregend altmodischen Bildkompositionen: Wenn der zornige Muskelmann suchend in die Ferne blickt und im Hintergrund die kalifornischen Ölpumpen arbeiten, dann weht ein Hauch von Klassik durch diesen fallweise obszön wirkenden, weil zu zielgruppengeil inszenierten Actionfilm.

 

Proletarier siegt über Unternehmer

Fast & Furious wird der etablierten Filmreihe keine neuen Fans bringen, aber die alten zufrieden stellen. Weil der einfache Garagenbastler über den stinkreichen Verbrecher, weil der Proletarier über den Unternehmer siegt. Weil das eine der ältesten Geschichten des Kinos ist und Handwerker Justin Lin sie nur für seine Zuschauer, jedenfalls nicht für die Kritik erzählt: mit harten Männern und hübschen Frauen, mit pumpender Musik und schnellen Schnitten, ohne mehrdeutige Geschlechterrollen, ohne aufgesetzten gesellschaftspolitischen Subtext, ohne Prestigezwang. Das Resultat ist ein grundsolider B-Film: selbst, oder gerade wenn er 80 Millionen Dollar gekostet hat.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.04.2009)