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Tschechien will Wehrpflicht wieder einführen

Tschechische Soldaten beim Duschen (Archivfoto).
EPA
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Die Instabilität in der Ukraine bewirkt ein Umdenken in Prag. Das Land hat vor zehn Jahren die Wehrpflicht abgeschafft.

Die gewaltsame Zerschlagung des "Prager Frühlings" 1968 durch die Rote Armee sitzt den Tschechen noch in den Knochen. Zehn Jahre nach der Aufhebung der Wehrpflicht erwägt Tschechien ihre Wiedereinführung. Das sieht der Entwurf einer Novelle des Wehrgesetzes vor, den das Verteidigungsministerium demnächst vorlegen will, wie die tschechischen Tageszeitung "Mlada fronta Dnes" berichtete. Als Grund nennt das Blatt die immer schlechtere Sicherheitssituation in Europa, insbesondere in der Ukraine.

"Wir dürfen nicht die jetzigen Gefahren unterschätzen, wir müssen vorbereitet sein. Am Beispiel der Ukraine kann man sehen, dass die Konflikte schnell und relativ nahe ausbrechen können", sagte Verteidigungsminister Martin Stropnicky. Außerdem habe das Heer keine Übersicht darüber, wie viele kampffähige Soldaten Tschechien im Falle des Krieges oder einer Bedrohung des Landes hätte.

Einmonatige Militärübung möglich

Ob die der Musterung allgemein folgende Grundausbildung ebenfalls verpflichtend sein soll, war vorerst nicht klar. "Es könnte beispielsweise in der Form einer einmonatigen Übung sein, wobei der Staat diese Zeit den Rekruten kompensieren würde", sagte laut der Zeitung der Sprecher des Verteidigungsministeriums. Dies sei aber die "wenig wahrscheinlichere Variante".

Die Experten sind sich nach Angaben der Zeitung einig, dass Tschechien für einen eventuellen Krieg nicht vorbereitet sei. Manche fürchten, dass der Konflikt in der Ukraine eskalieren könnte, wobei das tschechische Heer eher eine Armee für die Friedenszeit sei.

Berufsarmee von 20.000 Soldaten

Tschechien hatte die Wehrpflicht zum 1. Jänner 2005 - nach rund 140 Jahren - abgeschafft und seine Streitkräfte in eine Berufsarmee umgewandelt. Die Zahl der Soldaten liegt bei über 20.000, der zivilen Mitarbeiter um 9.000. Außerdem gibt es in Tschechien ein System von "aktiven Reservisten". Die Zahl dieser Reservisten liegt bei rund 1.300, wobei es sich um Freiwillige handelt.