E-Books: Das gedruckte Buch darf weiterleben

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Abgesagte Revolution: Viele hatten erwartet, dass die digitale Lektüre Bücher bald ersetzen würde. Es sieht nicht danach aus: In den USA stagniert der Anteil von E-Books bei 30 Prozent, in Deutschland bei nur vier Prozent.

Wien. Vor zwei Jahren noch waren sich Fortschrittsgläubige in aller Welt einig: Das gedruckte Buch habe keine Zukunft mehr. Die digitale Revolution werde die Erfindung Gutenbergs bald auf den Friedhof der überholten Technologien tragen. Die Zahlen ließen die Prophezeiung zu: Seit der US-Konzern Amazon Ende 2007 seinen E-Reader, Kindle, auf den Markt brachte, schien der Siegeszug der E-Books nicht zu stoppen. Erst in Amerika, später in Europa – in Deutschland schoss das Segment 2013 wertmäßig um 60Prozent in die Höhe.

Doch die Revolution ist vorerst abgesagt. Nur noch um 7,6Prozent stiegen die Umsätze von E-Books in Deutschland im Vorjahr, gab der Börsenverein des Deutschen Buchhandels bekannt. Damit stieg der Marktanteil nur noch leicht von 3,9 auf 4,3Prozent. Und das, obwohl die Lesegeräte stark verbreitet sind. In den USA stagnieren die Absätze schon länger: Im dritten Quartal 2014 wurden nicht mehr E-Books verkauft als im zweiten Quartal 2012. Freilich liegt ihr Marktanteil dort auf ganz anderem Niveau – nach aktuellen Zahlen von Nielsen bei knapp 30Prozent. Dabei fehlen zwar die in Eigenregie oder bei Indie-Verlagen publizierten Onlinebücher, aber auch Jugendbücher, bei denen der digitale Anteil unterdurchschnittlich ist. Insgesamt dürfte der Wert der Marktforscher der Wahrheit nahekommen.

Gleicher Preis, weniger Nutzen

Bei den Zahlen der deutschen Händler gehen die Unschärfen nur in eine Richtung: Hochpreisige Fachbücher, die gern in digitaler Version gekauft werden, fehlen ebenso wie englischsprachige E-Books aus dem Ausland und Raubkopien im Netz, deren Umfang schwer einzuschätzen ist. An der grundsätzlichen Aussage – Stagnation der E-Books auf niedrigem Niveau – ist aber schwer zu rütteln. Warum ist der Anteil in den USA um so viel höher? Die Buchpreisbindung in Deutschland (und Österreich) verhindert eine Preisschlacht bei E-Books. In der Regel sind sie nur um zehn Prozent günstiger als ein Hardcover. Dabei lässt sich die erworbene Datei nur eingeschränkt nutzen: Anders als ein Buch darf der Käufer sie weder im Freundeskreis weitergeben noch auf eBay verkaufen. Auch als Geschenk macht sich ein Buch mit Einband und Seiten besser als ein Gutschein für einen Onlineshop.

Dass der Markt offenbar auch in den USA gesättigt ist, deutet zudem auf ein bisher unterschätztes Bedürfnis hin: Viele Menschen wollen nicht auch noch in ihrer Freizeit ständig von technischen Hilfsmitteln abhängig sein. (gau)

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