Mit 19 schmiss Elizabeth Holmes ihr Studium, um ihre Vision zu verwirklichen: Jeder Amerikaner soll in einem Umkreis von acht Kilometer einen schmerzlosen Bluttest machen können.
Wenn Forbes seine Reichenlisten veröffentlicht, wird gerne auch nach Newcomern Ausschau gehalten, die das Salz in der Suppe des Milliardärsranking ausmachen. Wenn es an der Spitze kaum Veränderungen gibt, dann lenken sich die Blicke gerne auf neue Gesichter. Auch wenn Elizabeth Holmes ebenso nicht so viel auf Kleidung gibt wie manche ihrer männliche Kollegen- sie bevorzugt ein schwarzes Ensemble aus Hosenanzug und Rollkragenpullover – so sticht sie mit ihren 31 Jahren doch heraus, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" in einem Porträt der jüngsten Milliardärin im Ranking schreibt. Das Vermögen der neuesten Vorzeigeunternehmerin Amerikas wird auf 4,5 Milliarden Dollar geschätzt.
Das Vermögen hat Holmes mit Theranos, einem von ihr gegründeten und geführten Diagnostikunternehmen aus dem kalifornischen Silicon Valley, aufgebaut. Mit ihrer Firma will sie das Gesundheitssystem auf den Kopf stellen. Mit ihrem Weltveränderungsanspruch, der manche Menschen Parallelen zwischen Holmes und Technologievisionären wie Steve Jobs ziehen lässt, hat sie es auch geschafft, dass Channing Robertson, einst Universitätsprofessor von Holmes, heute ihr Angestellter ist.
Sie ist wieder da: Die Milliardärs-Liste von "Forbes"-Herausgeber Steve Forbes. Die Zahl der Milliardäre ist deutlich gestiegen und so hoch wie noch nie. 1826 Dollar-Milliardäre sind verzeichnet. Das Gesamtvermögen aller Superreichen liegt bei 7,05 Billionen Dollar. (Erwin Wodicka)
Die 92-Jährige ist die reichste Frau Europas und der reichste Mensch Frankreichs. Ihr Vater gründete 1907 das Kosmetikimperium L'Oreal, sie ist heute die Hauptanteilseignerin. Laut "Forbes" besitzen sie und ihre Familie 40,1 Milliarden Dollar. In die Schlagzeilen kam sie zuletzt vor allem wegen eines Strafprozesses wegen Ausnutzung ihrer Altersschwäche (>>> mehr dazu). EPA
Die öffentlichkeitsscheuen Wal-Mart-Erben eröffnen heuer die Top 10 des Rankings. Jim Walton, jüngster Sohn des Gründers Sam Walton, lag im Vorjahr noch auf Rang 14. Nun konnte er sein Vermögen auf laut "Forbes" um fast sieben Milliarden auf 40,6 Milliarden Dollar steigern. Er ist Präsident von Arvest, der größten Bank Arkansas’, aber nicht im Tagesgeschäft aktiv. Imago
Die Witwe von John T. Walton, Sohn des Wal-Mart-Gründers, ist die reichste Frau der Welt. Im Vorjahr war es noch die 91-jährige L'Oreal-Erbin Liliane Bettencourt. Christy Walton nennt Schätzungen zufolge 41,7 Milliarden Dollar ihr Eigen. Foto können wir keines bieten, da sie sich offenbar äußerst ungern fotografieren lässt. REUTERS
Der US-Amerikaner schaffte es zum dritten Mal in die Top 10. Gemeinsam mit seinem Bruder David hat er auch heuer wieder mehr Vermögen angehäuft: "Forbes" schätzt es auf 42,9 Milliarden Dollar. Er ist als Präsident des Konzerns Koch Industries der "primus inter pares" unter den Koch-Brüdern.
Genau wie sein Bruder Charles kommt David Koch auf ein Vermögen von 42,9 Milliarden Dollar. Er ist Teilhaber des Öl- und Chemiekonsortiums Koch Industries, des zweitgrößten Unternehmens-Konglomerates in den USA in Privatbesitz. (c) REUTERS
Der Gründer des Softwarekonzerns Oracle ist der drittreichste US-Amerikaner im Ranking. Sein Vermögen stieg innerhalb eines Jahres um mehr als sechs Milliarden auf 54,4 Milliarden Dollar. (c) REUTERS (ROBERT GALBRAITH)
Seinen Stockerlplatz verloren hat Amancio Ortega. Damit gibt es keinen Europäer unter den Top drei. Der Spanier besitzt mit Inditex ein erfolgreiches Bekleidungs-Imperium, zu dem unter anderem die Modekette Zara gehört. Sein Vermögen schätzt "Forbes" auf 64,5 Milliarden Dollar. Es ist im Vergleich zu Jahr davor kaum gewachsen. (c) AP (Inditex)
Die Zeiten, in der legendäre Investor die Liste der reichsten Menschen der Welt anführte, sind vorbei. Allerdings hat er heuer wieder einen Platz in den Top drei erlangt. In nur einem Jahr steigerte der 84-Jährige sein Vermögen von 58 Milliarden auf 72,7 Milliarden Dollar. Damit verbuchte das "Orakel von Omaha" den höchsten Vermögensanstieg im heurigen Ranking. (c) Reuters (Jason Reed)
Der mexikanische Telekommunikations-Unternehmer ist als Großaktionär der Telekom Austria auch hierzulande fast jedem ein Begriff. Sein Vermögen beläuft sich laut "Forbes" auf 77,1 Milliarden Dollar . Für den ersten Rang hat es damit zum zweiten Mal nicht gereicht. Von 2010 bis 2013 führte er die Liste an. An der Spitze steht auch heuer wieder .... (c) Reuters (Allison Joyce)
In den vergangenen 21 Jahren hat es der Microsoft-Gründer 16 Mal auf die Spitzenposition der Milliardäresliste geschafft. im Vergleich zum Vorjahr hat er sein Vermögen um 3,2 Milliarden auf 79,2 Milliarden Dollar aufgestockt. Übrigens ist der der einzige unter den Top 10, der seinen 60. Geburtstag noch nicht gefeiert hat. (c) Reuters (Alessandro Bianchi)
Nachdem Facebook-Gründer Mark Zuckerberg seinen 30er bereits gefeiert hat, gibt es nur drei Milliardäre unter 30. Evan Spiegel, Mitbegründer der beliebten App "Snapchat", ist mit gerade einmal 24 Jahren der Jüngste. Er ist heuer erstmals im Ranking vertreten und bringt es auf 1,5 Milliarden Dollar. REUTERS
David Rockefeller, der 99-jährige Patriarch der Rockefeller-Familie, ist der Enkel des Ölmagnaten und vermutlich finanziell reichsten Menschen aller Zeiten: John D. Rockefeller. Er vefügt über ein Vermögen von drei Milliarden Dollar.Der Zweitälteste im Ranking ist übrigens der 97-jährige Billa-Gründer Karl Wlaschek. >>> MEHR: Die acht "Österreichsten" (c) AP (Richard Drew
''Forbes''-Liste 2015: Die reichsten Menschen der Welt
Marktvolumen von 70 Milliarden Dollar
Mit Theranos will Holmes den Markt für Labortests aufmischen, der allein in den Vereinigten Staaten ein geschätztes Umsatzvolumen von mehr als 70 Milliarden Dollar hat. Die Idee dazu kam ihr, weil Holmes Angst vor Spritzen hat. Die neuen Bluttests versprechen eine Prozedur ohne schmerzhafte Einstiche. Ein kleiner Stich in den Finger - und wenige Tropfen Blut sollen mit der Methode des Unternehmens reichen, um eine ganze Fülle von Tests vornehmen zu können. Und das Verfahren soll auch deutlich billiger sein als traditionelle Blutentnahmen.
Holmes zitiert gerne eine Statistik, wonach 40 bis 60 Prozent aller von Ärzten angeordneten Bluttests nicht stattfinden - unter anderem, weil die Patienten Angst vor dem Stich haben. Bei Investoren kommt das gut an. Theranos hat in einer Finanzierungsrunde 400 Millionen Dollar eingesammelt und wurde dabei mit neun Milliarden Dollar bewertet.
Studium nach einem Jahr abgebrochen
Holmes hält rund die Hälfte der Anteile, woraus sich ihr von „Forbes“ errechnetes Vermögen ergibt, das sie freilich bislang nur auf dem Papier hat. Prominente Namen sind inzwischen mit dem Unternehmen verbunden. So ist Larry Ellison, der Mitgründer des Softwarekonzerns Oracle und fünftreichster im aktuellen "Forbes"-Ranking, als Geldgeber für Theranos in Erscheinung getreten. Der frühere amerikanische Außenminister Henry Kissinger sitzt im Verwaltungsrat der Firma, die derzeit 700 Mitarbeiter hat. Zu Umsätzen und anderen Finanzdaten macht das Unternehmen keine Angaben.
Theranos hat Holmes bereits im Alter von 19 Jahren gegründet. Die Idee für kam ihr während eines Praktikums in Singapur, das sie nach dem ersten Studienjahr machte. Grund genug für die ambitionierte Holmes, ihr Studium abzubrechen. Von ihren Eltern erhielt sie die für Studiengebühren vorgesehenen Ersparnisse als Startkapital. Dass das Unternehmen der Öffentlichkeit lange verborgen blieb, war der Gründerin nur allzu recht. Sie wollte in Ruhe an der Technologie für die Tests arbeiten, um die sie bis heute ein großes Geheimnis macht. Holmes selbst wagt sich etwas mehr ins Rampenlicht und tritt bei öffentlichen Anlässen wie Konferenzen auf, seit Theranos vor etwa eineinhalb Jahren begonnen hat, seine Tests stärker direkt an Endverbraucher zu vermarkten.
Auch im Jahr 2014 ist die "Forbes"-Liste noch fest in männlicher Hand. Unter den 1645 Superreichen befinden sich heuer gerade einmal 172 Frauen. Self-Made-Milliardärinnen sind dabei in der Unterzahl. Doch es werden mehr. Anlässlich des Frauentags stellt DiePresse.com Frauen vor, die ihr Vermögen selbst aufgebaut haben. von Stefanie Kompatscher www.BilderBox.com
Mit dem Börsengang von Facebook wurde die Harvard-Absolventin Sheryl Sandberg (44) auf einen Schlag bekannt. Die Managerin gilt als rechte Hand von Gründer Mark Zuckerberg. Im Vorjahr veröffentlichte sie den Bestseller "Women, Work, and the Will to Lead". Heuer schaffte sie es zum ersten Mal auf die "Forbes"-Liste. Ihr Vermögen: 1,05 Milliarden Dollar. REUTERS
Meg Whitman (57) ist die erste Frau, die in der US-IT-Branche ein Milliardenvermögen erwirtschaftete. Genauso wie Sandberg absolvierte sie ein Studium an der Harvard University und startete ihre Karriere bei Hasbro. 1998 wurde sie von der Auktionsplattform eBay abgeworben und machte aus der kleinen Firma mit 30 Mitarbeitern ein Imperium. Heute ist sie Chefin von HP. Ihr Vermögen beläuft sich laut "Forbes" auf zwei Milliarden Dollar. EPA
Die Amerikanerin Sara Blakely (43) studierte Kommunikationswissenschaften, jobbte als Teilzeitkraft für Walt Disney und als Vertreterin für Fax-Geräte. Im Alter von 29 Jahren investierte sie ihre gesamten Ersparnisse von 5000 Dollar in die Entwicklung einer modernen Version des Miederhöschens: Es war die Geburtsstunde des mittlerweile weltberühmten Unterwäschelabels Spanx. Heute nennt Blakely eine Milliarde Dollar ihr Eigen. Imago
Eine, die kräftig die Werbetrommel für Blakelys Spanx-Höschen rührte, ist selbst längst Milliardärin: In ärmlichen Verhältnissen geboren, besizt die weltberühmte Talkshowmoderatorin Oprah Winfrey (60) heute ein Vermögen von 2,9 Milliarden Dollar. Winfrey hat sich selbst zur Marke gemacht: Sie schreibt Bestseller, gibt Magazine heraus und besitzt ihren eigenen TV-Sender. REUTERS
Auch sie hat Oprah Winfrey viel zu verdanken: Nachdem sie jahrelang als Pressesprecherin und für mehrere Designer arbeitete, entwickelte Tory Burch (47) ihre eigene Modelinie. Im April 2005 wurde sie in Winfreys Show vorgestellt. Nicht einmal zehn Jahre später verkauft die New Yorkerin ihre Kleidung im sogenannten "Preppy-Bohemian"-Stil weltweit - Tendenz: rasant wachsend. Ihr Vermögen beziffert "Forbes" auf eine Milliarde Dollar. Aus der Hand geben will Burch die Unternehmensführung nicht: "Ich will arbeiten, bis ich 80 bin. Es hält mich gesund", sagte sie vor kurzem in einem Interview. Imago
Besonders viele Self-Made-Milliardärinnen kommen aus Volksrepublik. Zehn Frauen stehen auf der "Forbes"-Liste, fast alle haben ihr Vermögen selbst erwirtschaftet, die meisten in der Immobilienbranche. So auch Zhang Xin (48). Gemeinsam mit ihrem Ehemann gründete sie die Firma Soho China, deren CEO sie heute ist.Im Zentrum von Peking setzte sie einige spektakuläre Immobilienprojekte um, unter anderem mit Stararchitektin Zaha Hadid. Zuvor hat Zhang Xin an der Wall Street in Unternehmen wie Goldman Sachs Erfahrung gesammelt. Reuters
Die Afrikanerin Folorunsho Alakija (63) hat es mit einem Vermögen von 2,5 Milliarden Dollar heuer erstmals auf die "Forbes"-Liste geschafft. Aufgewachsen in einer reichen Familie mit 52 (Halb-)Geschwistern, studierte sie zunächst in London, um dann eine hochpreisige Modemarke in Nigeria zu gründen. Das große Geld machte sie allerdings, als sie 1993 mit Hilfe von guten Kontakten in die Politik ins Öl-Geschäft einstieg. Screenshot
Ihren Eltern waren einfache Fabrikarbeiter, Jelena Baturina (50) studierte in Zeiten des Kommunismus. In den 1980ern traf sie ihren Mann Juri Luzhkov, der später Bürgermeister von Moskau werden sollte. Baturina war noch nicht einmal 30, als sie nach dem Zerfall der Sowjetunion das Bauunternehmen Inteco gründete. Sie baute eine riesiges Imperium auf, das sie verkaufen musste. Als ihr Mann 2010 das Amt des Bürgermeisters verlor, verlagerte sei ihren Lebensmittelpunkt ins Ausland. "Forbes" schätzt ihr Vermögen auf eine Milliarde Dollar. Doch zuletzt lief es gar nicht rund für sie. (>>mehr dazu) REUTERS
Doris Fischer (82, im Bild) bringt es auf 3,3 Milliarden Dollar. Die Amerikanerin eröffnete in den 1960er Jahren gemeinsam mit ihrem Mann Donald einen Jeansladen, der zur Modekette Gap wurde. Ähnlich begann der Aufstieg der Italienerin Giuliana Benetton (76): Sie strickte Pullover, die ihr Bruder mit dem Fahrrad an die Kunden brachte. Daraus entstand ein riesiges Modeimperium, Benettons Privatvermögen beläuft sich heute auf 2,9 Milliarden Dollar.Auch die spanische Näherin Rosalia Mera fing gemeinsam mit ihrem Mann Amancio Ortega ganz unten an. Beide wurden durch die Gründung Zara-Mutter Inditex zu Milliardären, Ortega gar zum reichsten Mann Europas. Mera ist im Vorjahr im Alter von 68 Jahren gestorben. >>> Mehr: Die reichsten Menschen der Welt REUTERS
Von der Teilzeitkraft zur Geschäftsfrau
Kooperation mit Drogeriekette
Eine Partnerschaft mit Amerikas größter Drogeriekette Walgreen brachte den Durchbruch. Derzeit bietet Walgreen zwar nur in rund zwanzig ihrer mehr als 8000 Filialen Bluttests von Theranos an, eine Ausweitung auf das ganze Land aber scheint beschlossene Sache zu sein. Dabei definert Holmes ein ganz klares Ziel: Eines Tages soll jeder Amerikaner im Umkreis von acht Kilometern eine Teststation von Theranos finden kann.
Holmes, eine strikte Veganerin, gönnt sich keine Zeit für das Privatleben. Selbst Henry Kissinger und seiner Frau gelang es nicht, die 31-Jährige zu verkuppeln.
Als "jüngste Selfmade-Milliardärin der Welt" wurde Elizabeth Holmes von einflussreichen Förderern und Medien hochgejubelt, Kritik an Intransparenz beiseite gewischt. Ihr Versprechen einer medizinischen Revolution liegt nun in Trümmern.
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