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NMS: So unterschiedlich reagieren die Bundesländer

(c) Die Presse (Fabry)
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Das Burgenland glaubt, "deutlich bessere Ergebnisse" zu bringen als andere. Wien ist mit seinem Modell zufrieden, Oberösterreich sehr enttäuscht.

Burgenlands Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ) tritt dafür ein, im Rahmen der Evaluierung der NMS auch Länderergebnisse zu veröffentlichen. Er sei überzeugt, dass es im Burgenland "deutlich bessere Ergebnisse" gebe als in anderen Bundesländern und halte es "für nicht angebracht, dass die Pädagogen in einen Topf hinein kommen und diese Leistung nicht honoriert wird", sagte Niessl.

Im Burgenland gebe es mit Mattersburg, Markt Allhau und Oberwart Schulen mit "österreichweitem Vorbildcharakter", die anderen 38 Neuen Mittelschulen (im Burgenland, Anm.) hätten dieses System übernommen. Zur Verbesserung der Situation schlägt Niessl vor, die Schulautonomie zu erhöhen sowie die Aus- und Fortbildung der Pädagogen zu verbessern. Außerdem müsse es eine zentrale Stelle zur Überprüfung der Qualität und der Einhaltung der Bildungsziele geben.

Wien ist mit seinem Modell zufrieden

Auch die Wiener Bildungspolitik ist sich sicher, dass "ihr" NMS-Modell zu den besseren zählt: "Wir haben in Wien mit der Wiener Mittelschule ein Modell entwickelt, das in der Evaluierung zu jenen Schulen zählt, die gut abschneiden", so der Wiener Bildungsstadtrat Christian Oxonitsch (SPÖ). Erfreulich sei auch, dass dieses auch von der ÖVP unterstützt werde. Insgesamt zeige sich in Wien genauso wie in allen anderen Bundesländern, dass "die Mittelschule dann funktioniert, wenn sie wie ursprünglich geplant umgesetzt wird: Also mit individuellen Förder- und Unterstützungsangeboten und mehr Ressourcen. Jetzt gilt es von den Besten zu lernen!"

Oberösterreich: "Mehr als enttäuschend"

"Mehr als enttäuschend" ist für die oberösterreichische Bildungs-Landesrätin Doris Hummer (ÖVP) dagegen das Ergebnis der NMS-Evaluierung. "Es zeigt sich einmal mehr, dass Reformen scheitern, wenn sie nur von oben herab verordnet werden", so Hummer. Man müsse die Lehrer vor Ort einbinden: "Reformen, die am Papier funktionieren, müssen in der Praxis noch lange nicht richtig sein. Reformen kann man nur mit den Menschen und nicht über sie machen."

Salzburg: NMS besser als es die Evaluierung

In der Salzburger Schulbehörde hält man die Neue Mittelschule dagegen für deutlich besser als es die aktuelle Evaluierung vermuten lässt. Der zuständige Landesschulinspektor Josef Thurner sagte: "Man darf jetzt die Nerven nicht wegschmeißen, sondern muss im Detail nachbessern. Von Scheitern der Neuen Mittelschule kann keine Rede sein. Derartige Schlüsse sind voreilig und überzogen. Und außerdem sind die positiven Aspekte wie 'weniger Gewalt' und 'besseres Lernklima' als Resultat zwar nicht ausreichend, aber sehr wertvoll. Ich sage nach wie vor, das Geld ist gut investiert."

Kritischer ist der auch für Bildung zuständige Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP): "Nach diesem ernüchternden Ergebnis kann man nicht zur Tagesordnung übergehen. Eine der Schlussfolgerungen muss sein, dass die Schulen endlich mehr Autonomie bekommen, denn das ist der Schlüssel zu einem besseren Unterricht. Die Schulen sollen die Möglichkeit bekommen, ihre Mitarbeiter selbst auszusuchen", so Haslauer.

Niederösterreich: Kein Zurück zur Hauptschule

Niederösterreichs Bildungslandesrätin Barbara Schwarz (ÖVP) hält es angesichts des Evaluierungsberichts für einen großen Fehler, dass das NMS-System "viel zu schnell" implementiert worden sei, statt das Modell im Schulversuch langsam auszurollen und dabei aus Fehlern zu lernen. Den Lehrern sei nicht ausreichend Möglichkeit zu Schulungen bzw. Zeit zur Umstellung gegeben worden. Am Engagement fehle es sicher nicht - Schulen der ersten Generation hätten aber noch mehr Ressourcen und Begleitung bekommen als die folgenden.

Ein Zurück zur Hauptschule ist für Schwarz aber nicht zielführend. Wichtig sei vielmehr, eines der Ziele im Bildungspapier anzugehen: "Wir müssen mehr Autonomie in die Schulen geben", forderte sie. Schuldirektoren sollten die Werteinheiten nach dem jeweiligen Bedarf einteilen dürfen, verwies die Landesrätin auf regionale Unterschiede etwa bezüglich des Migrantenanteils in den Klassen.

(APA)