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Matura: Haupt- und Neue Mittelschule sind (k)eine Sackgasse

(c) Clemens Fabry
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Die Neue Mittelschule sollte die Bildungswegentscheidung nach hinten verschieben. Das tut sie aber nicht. Inwieweit entscheidet die Schulwahl eigentlich darüber, wer später maturiert und wer nicht?

Wien. Das schlechte Zeugnis für die Neue Mittelschule (NMS) ist nun amtlich. Verantwortlich will dafür aber niemand sein. Schon gar nicht die Landespolitik. Wiens Bildungsstadtrat Christian Oxonitsch (SPÖ) glaubt – trotz fehlender Bundesländerauswertung –, dass das Wiener NMS-Modell sowieso zu den besseren zählt. Burgenlands Landeschef, Hans Niessl (SPÖ), ist sogar davon überzeugt, dass in seinem Bundesland „deutlich bessere Ergebnisse“ erzielt wurden, und will das mit der Auswertung der einzelnen Länderergebnisse beweisen. Geben wird es diese (mitunter aus statistischen Gründen) vermutlich nie.

Die Bundesregierung ist sich in einem Punkt einig: Gerüttelt soll an der Neuen Mittelschule nicht werden. Verbesserungen soll es geben. Einzig ÖVP-Klubobmann Reinhold Lopatka, der schon früher mit NMS-kritischen Bemerkungen aufgefallen ist, weicht von Partei- und Regierungslinie ab: „Warum soll man krampfhaft etwas weiterführen, wenn die Ziele nicht erreicht werden?“, sagte Lopatka in der „Kronen-Zeitung“.

 

Schlechte Chancen in Wien

Apropos Ziele: Ein Wunsch bei der Einführung der NMS war, dass damit eine attraktive Alternative zum Gymnasium geschaffen wird und es so zu einer späteren Bildungswegentscheidung kommt. Das hat – zumindest bislang – nicht funktioniert. Stellt sich die Frage, inwieweit Schüler tatsächlich schon bei der Schulwahl mit nicht einmal zehn Jahren über ihre Bildungslaufbahn entscheiden?

Sackgasse ist der Besuch einer Haupt- oder Neuen Mittelschule definitiv nicht. Von 41.789 Maturanten im Jahr 2012 haben 22.231 im Alter von zehn bis 14 Jahren laut Statistik Austria eine AHS-Unterstufe besucht (53,2 Prozent). 17.638 Maturanten gingen in diesem Alter in eine Hauptschule (damals gab es die Neue Mittelschule noch nicht). Damit liegt der Anteil der ehemaligen Hauptschüler unter jenem der Maturanten bei 42,2 Prozent.

Während in manchen Bundesländern – wie in Tirol, Oberösterreich und Salzburg – mehr als die Hälfte der Maturanten ursprünglich eine Hauptschule besucht hat, ist das in Wien völlig anders (siehe Grafik). Nur 19,9 Prozent der Wiener Maturanten haben im Alter von zehn bis 14 Jahren eine Hauptschule besucht. Selbst unter den Maturanten an Wiener berufsbildenden höheren Schulen (BHS) finden sich nur 37,2 Prozent ehemalige Hauptschüler. Inwieweit mit zehn Jahren eine Entscheidung über den Bildungsweg getroffen wird, hängt also deutlich von der Region ab. (j.n.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.03.2015)