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Luftfahrt: Ohne Koffer billiger fliegen

(c) APA
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Die AUA geht im September mit einem neuen Buchungssystem an den Start: eine Kampfansage gegen die Billig-Airlines.

Wien. „Wir sind das Testlabor im Lufthansa-Konzern“, sagte der inzwischen zur Mutter Lufthansa gewechselte Ex-AUA-Vorstand Karsten Benz im vorigen Sommer, als er Pläne für ein neues Preismodell für die Europastrecken bekannt gab. Jetzt ist das Konzept fertig und wird ab September im gesamten Airline-Konzern (Lufthansa, AUA, Swiss, Brussels) umgesetzt. Der Kern: Das alte Zweiklassenmodell mit Business und Economy wird zugunsten eines Bausteinsystems aufgegeben, bei dem der Passagier zum Basisangebot das gewünschte zusätzliche Service – Gepäck, Wunschsitz, Menü, Lounge, Stornomöglichkeit – dazubucht.

„Wir haben auf der Kostenseite viel getan“, verwies AUA-Vorstand Andreas Otto unter anderem auf den neuen Kollektivvertrag (KV) für das Bordpersonal, mit dem die AUA „die beste Kostenbasis im Konzern“ hat. Jetzt gelte es, auf der Erlösseite etwas zu tun, denn „Schlachten werden auf der Umsatzseite gewonnen“.

Das neue vierstufige Preismodell geht genau in diese Richtung: Es ist eine Kampfansage gegen die Billig-Airlines, die in Wien in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich zugelegt haben. Der Marktanteil der AUA in Wien ist indes auf 49 Prozent gesunken.

 

Billiger als das Red Ticket

Der billigste Tarif Light, der rund zehn Prozent unter dem bisher günstigsten Red-Ticket liegen wird, zielt daher auch auf Reisende, die auf Extras verzichten und vor allem billig fliegen wollen. Er inkludiert (außer dem Flug) nur ein Handgepäck, einen Snack und Getränke. Für einen Koffer muss bezahlt werden – wie viel, steht laut Otto noch nicht fest. Zum Vergleich: Air Berlin und Niki, die ab Mai ein neues Buchungssystem (ebenfalls mit vier Stufen) lancieren, kostet ein Koffer in der günstigsten Klasse JustFly 15 Euro. „Ein Drittel unserer Passagiere fliegt nur mit Handgepäck, sie zahlen für eine Leistung, die sie gar nicht brauchen“, begründete Otto die Überlegung.

Bei den anderen Buchungsklassen Classic, Flex, Business erhöht sich das inkludierte Service. Meilen sammeln kann man in allen Tarifklassen.

Dass das neue Preismodell, das auch andere Fluglinien planen oder schon anbieten, die Ticketpreise ähnlich undurchsichtig macht wie Handytarife, glaubt man bei der AUA nicht.

„Kunden sind es inzwischen gewohnt, im Internet nach günstigen Angeboten zu suchen und sich im Bausteinsystem ihr gewünschtes Produkt zusammenzustellen“, sagte AUA-Sprecher Peter Thier. Das sei beim Kauf von Elektronik oder sogar bei Autos so. „Warum soll das bei Flugreisen nicht so sein?“ Otto schloss daher nicht aus, dass das Modell auf der Langstrecke Anwendung findet.

Vom Konzept der Qualitäts-Airline rückt die AUA dennoch nicht ab. Daran ändere auch die Stationierung von zwei Maschinen der Lufthansa-Billigtochter Eurowings in Wien nichts, wie Otto betonte. Die Airbus A320 werden wie berichtet ab dem nächsten Winterflugplan vom kostengünstigen AUA-Personal geflogen und betreut.

 

Miami ab Oktober

Dafür – und für die neue Langstreckendestination Miami – nimmt die AUA rund 100 neue Mitarbeiter auf. Mit Miami erweitert die AUA ihr Langstreckennetz in den USA und federt gleichzeitig die Ausfälle durch die Krisen in der Ukraine und Russland sowie im Nahen Osten ab. Mit Partner-Airlines der Star Alliance werden ab Miami auch Umsteigemöglichkeiten in die Karibik angeboten.

Für das zweite neue Langstreckenziel ab Herbst, Mauritius, liefen die Buchungen schon auf Hochtouren, wie Otto betonte. Fünf, sechs weitere Langstreckenziele würden geprüft. Die hängen allerdings auch von der derzeit laufenden Neuaufstellung der gesamten Lufthansa-Konzernflotte ab. (eid)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.03.2015)