Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Irak: IS-Milizen verwüsten antike Stadt Nimrud

Männer zerstören Statuen in MossulREUTERS
  • Drucken

Die Jihadisten planieren einzigartige Kulturgüter in der über 3000 Jahre alten assyrischen Ruinenstadt mit Militärfahrzeugen.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) setzt ihre Zerstörung einzigartiger altorientalischer Kulturgüter im Nordirak fort. IS-Kämpfer hätten die Jahrtausende alte Stadt Nimrud südlich von Mossul am Donnerstag überrannt, berichtete das irakische Altertumsministerium auf seiner Facebook-Seite. Demnach begannen sie damit, die antiken Stätten von Nimrud "mit schweren Militärfahrzeugen" zu zerstören.

Nimrud ist eine bedeutende assyrische Ruinenstätte knapp 40 Kilometer südlich der vom IS besetzten Stadt Mossul. Nimrud wurde um 1270 vor Christus gegründet und war zeitweilig die Hauptstadt Assyriens. Der Name der Stadt leitet sich vom biblischen König Nimrod ab. Ausgrabungen brachten im 19. und 20. Jahrhundert Festungsruinen, Tempelanlagen, Obelisken und reich verzierte Reliefs hervor. Das irakische Altertumsministeriums befürchtet nun, die bedeutenden Ruinen für immer zu verlieren.

Die Hauptsadt der Assyrer

Nimrud wurde im 13. Jahrhundert vor Christus gegründet und liegt am Ufer des Tigris knapp 40 Kilometer südöstlich von Mossul im Norden des Iraks. Die Assyrer hatten ihre zeitweilige Hauptstadt ursprünglich Kalach genannt; der neuere Name geht auf den altorientalischen König Nimrod zurück. Der Legende nach gründete er das Herrschergeschlecht, aus dem die Assyrer hervorgingen.

Beim Untergang des Reiches wurde Nimrud 612 vor Christus zerstört. Im 19. Jahrhundert wurde es von britischen Archäologen wiederentdeckt. Im Juli 2003 präsentierte das Nationalmuseum in Bagdad der Weltöffentlichkeit erstmals den Goldschatz von Nimrud, eine Prachtsammlung von 3.000 Jahre alten assyrischen Goldgegenständen. Die von einem irakischen Archäologen zwischen 1988 und 1992 ausgegrabenen Goldarbeiten waren zuvor in einem Banksafe gelagert. Der einzigartige Schatz blieb von den Plünderungen verschont, denen im Gefolge der US-Invasion Tausende Kunstgegenstände im Irak zum Opfer fielen.

Erst Ende Februar hatten die IS-Jihadisten ein Video veröffentlicht, das die Zerstörung assyrischer Kulturgüter aus der Provinz Ninive zeigt, darunter eine mehr als 2600 Jahre alte Figur. Der etwa fünf Minuten lange Film zeigt, wie Islamisten im Museum in der IS-Hochburg Mossul mit großen Hämmern auf die Stücke einschlagen oder sie umstürzen, sodass sie zu Bruch gehen. Auch mit einem Presslufthammer gehen die Dschihadisten auf Statuen los.

In dem Video erklärt ein IS-Anhänger, die Statuen hätten Assyrern und anderen Völkern der Vielgötterei gedient. Auch der Prophet Mohammed habe alle Götzenfiguren zerstört, als er nach Mekka gekommen sei. Der IS beruft sich dabei auf eine Interpretation des Islams, die die bildliche Darstellung von Menschen und Gott verbietet.

Weiterverkauf von antiken Schätzen?

Ein Beamter der Antikenverwaltung bestätigte die Angaben des Tourismusministeriums. Bisher sei noch unklar, wie weit die Zerstörungen reichten. Es seien auch Lastwagen gesehen worden, die womöglich zum Abtransport von Kunstgegenständen verwendet wurden. Die Extremisten stehen im Verdacht, sich teilweise durch den Verkauf von archäologischen Fundstücken aus Grabungen und Museen zu finanzieren. Gemäß der extremen Interpretation des Islam der Dschihadisten sind Götterbilder und Heiligengräber verboten, da nichts außer Gott angebetet werden dürfe.

Nimrud wurde im 13. Jahrhundert vor Christus gegründet und liegt am Ufer des Tigris rund 30 Kilometer südöstlich von Mossul. Archäologen hatten nach den Zerstörungen in Mossul bereits die Sorge geäußert, dass die Extremisten weitere archäologische Stätten wie Nimrud oder Hatra angreifen. Der Fall erinnert an die Buddha-Statuen von Bamian, die den Taliban in Afghanistan zum Opfer fielen. Vor 14 Jahren begann das damals in Kabul herrschende radikalislamische Regime damit, die beiden 38 und 55 Meter hohen Statuen aus dem 6. Jahrhundert zerstören zu lassen.

(APA/dpa)