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"Allianz der Zivilisationen" konferiert in Istanbul

SPINDELEGGER, BAN KI MOON
(c) APA (Hopi-media/bernhard J. Holzner)
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Auf der internationalen Konferenz versuchen sich Staatschefs von 40 Staaten an der Verständigung zwischen westlicher und islamischer Welt. Außenminister Spindelegger will die Konferenz 2021 nach Wien holen.

Auf der internationalen Konferenz der "Allianz der Zivilisationen" in Istanbul hat der wegen seiner Haltung als dänischer Premier im Konflikt um die Mohammed-Karikaturen umstrittene künftige Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen "Dialog und Zusammenarbeit" mit der islamischen Welt als eine der wichtigsten Zukunftsausgaben des westlichen Bündnisses bezeichnet. Zwei Tage nach seiner von der Türkei zunächst blockierten Nominierung sagte der Däne am Montag: "Als Generalsekretär wird einer meiner Arbeitsschwerpunkte darin bestehen, den Dialog und die Zusammenarbeit mit der muslimischen Welt zu intensivieren. Ich betrachte dies als ganz besonderes persönliche Verantwortung."

Die von der türkischen Öffentlichkeit erwartete Entschuldigung für die Karikaturen-Krise, die 2005 in der islamischen Welt lebhafte Empörung hervorgerufen hatte, sprach Rasmussen allerdings nicht aus. "Die Meinungsfreiheit ist von zentraler Bedeutung. Dasselbe gilt für den Respekt vor religiösen Gefühlen. Wir müssen beides genau miteinander in Balance bringen", so der dänische Ex-Regierungschef. Der Dialog zwischen Kulturen und Religionen müsse auf gegenseitigem Respekt gründen, jede Form von Zensur behindere diesen Prozess. Kopenhagen hatte es abgelehnt, gegen die für die Verunglimpfung des Religionsstifters verantwortlichen Medien vorzugehen. Rasmussen tritt sein Nato-Amt als Nachfolger des Niederländers Jaap de Hoop Scheffer am 1. August an. "Er hat sich nicht entschuldigt", kommentierte die türkische Zeitung "Vatan" in ihrer Internet-Ausgabe die Aussagen Rasmussens. Dieser trug eine Stützmanschette an der Schulter, nachdem er in seinem Istanbuler Hotel gestürzt war und sich dabei das Schultergelenk ausgekugelt hatte.

Spindelegger lädt für 2012 ein

Österreichs Außenminister Michael Spindelegger hat die "Allianz der Zivilisationen" eingeladen, ihr Jahrestreffen im Jahr 2012 in Wien abzuhalten. "Der Dialog über kulturelle und religiöse Grenzen hinweg gehört zu den größten Herausforderungen unserer Zeit", sagte Spindelegger auf der zweiten Jahreskonferenz dieses Forums für die Verständigung zwischen dem Westen und der islamischen Welt. Die Allianz, die 2005 auf Initiative von Spanien und der Türkei unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen gegründet wurde, umfasst derzeit 83 Staaten, darunter auch den Iran, und 17 internationale Organisationen.

Zusätzliche Bedeutung hat das Istanbuler Treffen mit Teilnehmern aus rund 40 Staaten erhalten, weil es zeitgleich mit dem Türkei-Besuch von US-Präsident Barack Obama stattfindet. Am Dienstag wird Obama in Istanbul auch mit dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I., dem ranghöchsten Würdenträger der orthodoxen Christenheit, und mit islamischen Religionsvertretern zusammentreffen. Bartholomaios soll im November die USA besuchen. Obama hatte am Sonntag in Prag die EU-Staats-und Regierungschefs aufgefordert, die Türkei als Mitglied aufzunehmen. Die Europäische Union hat die Türkei wiederholt aufgefordert, die Lage der nicht-muslimischen Bevölkerungsgruppen zu verbessern.

Gemeinsamer Kampf gegen Extremismus

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan rief zum gemeinsamen Kampf gegen Extremismus auf. Für einen Erfolg bei der Bekämpfung des Terrorismus müsse aber auch auf Liebe und Toleranz gesetzt werden, sagte er zum Auftakt der Konferenz der von ihm und dem spanischen Premier José Luis Rodriguez Zapatero ins Leben gerufenen "Allianz der Zivilisationen". Kräfte, die sich auf den Weg der Radikalisierung begeben, müssten allerdings aufgespürt und zerstört werden, betonte Erdogan.

Der aserbaidschanische Präsident Ilham Alijew (Aliyev) bleibt der Konferenz laut Medienberichten aus Protest gegen die Annäherung zwischen der Türkei und Armenien fern. Aserbaidschan fordert vor einer Versöhnung mit Armenien dessen bedingungslosen Rückzug aus dem besetzten Berg-Karabach, das völkerrechtlich zu Aserbaidschan gehört. Die Türkei und die frühere Sowjetrepublik Armenien stehen nach türkischen Berichten kurz vor einer Öffnung ihrer geschlossenen Grenze. Ankara hatte die Grenzen zu Armenien 1993 als Reaktion auf die Besetzung Berg-Karabachs geschlossen und unterhält traditionell gute Beziehungen mit Aserbaidschan. Obama hatte in seinem vorjährigen Wahlkampf versprochen, er werde als erster US-Präsident die türkischen Massaker an den Armeniern im Ersten Weltkrieg unmissverständlich als "Völkermord" bezeichnen. Die Regierung in Ankara hofft nun laut Medienberichten, mit ihrer Armenien-Tauwetterpolitik Obama davon abbringen zu können.

(Ag.)