Erste Group-Chef Andreas Treichl argumentiert, dass die Steuersenkung mit der EBRD bereits fix vereinbart sei.
Budapest/Wien. Die ungarische Regierung kann ihre Ankündigung, die Bankensteuer spürbar zu senken, nicht mehr zurücknehmen, weil eine entsprechende Vereinbarung zwischen Premier Viktor Orban und der Osteuropabank EBRD bereits fixiert sei - das sagte Erste-Group-Chef Andreas Treichl in einem Interview mit der ungarischen Wochenzeitung "hvg".
Über die Bedingungen für den angekündigten Einstieg des ungarischen Staates und der EBRD (Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung) bei der Erste Bank Hungary mit jeweils bis zu 15 Prozent werde noch immer verhandelt, wird Treichl von der Zeitung zitiert. Er hoffe auf einen Abschluss bis Ende Juni.
Senkung der Bankensteuer verhandelt
Der ungarische Wirtschaftsminister hatte den Preis für eine 15-prozentige Beteiligung an der Ungarn-Tochter der Ersten mit 10 bis 20 Mrd. Forint (bis zu 65,5 Mio. Euro) beziffert. Über die Senkung der Bankensteuer habe die Erste eigenständig mit der Regierung in Budapest verhandelt, so Treichl. Der Ungarische Bankenverband sei nicht involviert gewesen und es habe auch keine vorherigen Absprachen mit anderen Banken gegeben.
Wenn es allerdings zu keiner Vereinbarung kommen sollte, würden weder die Regierung noch die EBRD mit 15 Prozent bei der Ungarn-Tochter der Ersten einsteigen, betonte Treichl und erinnerte daran, dass die jetzige Vereinbarung dem Ziel dienen solle, die Investoren möglichst bald nach Ungarn zurückzuholen. Dazu bedürfe es Stabilität und Berechenbarkeit sowie der Senkung der ungarischen Staatsschulden auf das Niveau von Polen, Tschechien und der Slowakei. Auf die Frage, was wäre, wenn die Regierung nach Erwerb von 15 Prozent an der Erste Bank Hungary die Bankensteuer doch nicht senken sollte, antwortete Treichl, es könne zwischen Geschäftspartnern nie hundertprozentige Garantien gebe.
Laut Treichl will die Erste in Ungarn expandieren, am Erwerb des Ungarn-Geschäfts der russischen Sberbank sei man jedoch nicht interessiert. Der europäische Bankenmarkt sei im Umbruch, in zehn Jahren werde es viel weniger Banken geben als vor Ausbruch der Krise 2008. Die Erste Group ist in Ungarn am Retail-Geschäft der Citibank interessiert. Dabei werde der Preis außerordentlich wichtig sein, so Treichl.
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(APA)