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Wie man als Aktionär zum Cannabis-Dealer wird

Marijuana plants for sale are displayed at the medical marijuana farmers market in Los Angeles
CannabispflanzenREUTERS
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Warum man angefallene Gewinne jetzt absichern sollte und wie man als Aktionär legal zum Cannabis-Dealer wird.

„Kaufpanik“: Das ist das Wort, das die Lage an den europäischen Börsen (vor allem an der deutschen) am besten umschreibt: Offenbar versucht jetzt jeder, an der „Draghi-Rallye“ noch mitzunaschen. Insofern ist es logisch, dass der neuerliche Schub mit dem Beginn der EZB-Anleihekäufe zusammenfällt.

Der Anstieg speziell im deutschen Leitindex Dax (aber nicht nur dort, selbst Wien zieht kräftig mit) ist jedenfalls atemberaubend. Vor einer Woche war an dieser Stelle zu lesen, dass wir den charttechnischen Deckel für die laufende Rallye vorerst „irgendwo bei 11.500 Punkten“ einziehen würden. Fünf Tage später war der Deckel schon weggesprengt.

Wie weit läuft es jetzt? Analysten kommen mit dem Kurszielanheben kaum noch nach. Die Commerzbank hat ihr Dax-Ziel am Freitag beispielsweise auf 11.800 Punkte gehoben. Die Commerzbank-Analysten glauben, dieses Niveau sei gerechtfertigt, weil Anleger neuerdings höhere Kurs-Gewinnverhältnisse akzeptieren (bleibt ihnen ja nichts übrig bei dem sonstigen Angebot auf dem Markt). Und weil im Dax selbst die Dividendenrendite schon ganz ohne Kurssteigerungen andere Anlagen bei Weitem aussticht.

Mag sein. Sicherer ist jetzt freilich die alte Traderweisheit, dass man am besten gar keine Prognosen stellt (die meist ohnehin nicht eintreffen), sondern dem Trend nachfährt. Das heißt: Es kann selbst in dieser luftigen Höhe noch fröhlich investiert werden, man sollte Gewinne ruhig laufen lassen. Aber der Blick auf Trendwendesignale ist essenziell. Auf diesem Bewertungsniveau ist das Absichern von Gewinnen extrem wichtig. Denn eine Korrektur kann in einer solchen Situation recht kräftig ausfallen.

Und Gewinne zum Absichern gibt es heuer schon genug. Immerhin stehen beispielsweise mit NXP-Semiconductors (plus 26 Prozent seit Empfehlung), Airbus (plus 25 Prozent), Twitter (plus 24 Prozent) und Daimler (plus 21 Prozent) schon vier der seit Mitte Jänner an dieser Stelle besprochenen Aktien mit mehr als 20 Prozent im Plus. Wäre schade, wenn man das wieder dahinschwinden ließe.

Eine interessante Neuigkeit gibt es von unserer Langzeit-Staraktie Apple (ISIN US0378331005): Die wird ab 19. März im New Yorker Blue Chip Index Dow Jones Industrial Average notieren. Apple ersetzt dort den Telekommunikationskonzern AT&T. Der bevorstehende Aufstieg in die Champions League hat den Apple-Kurs ganz offensichtlich schon beflügelt.

Allerdings ist die Aktie schon sehr weit gelaufen. Schon morgen, Montag, wird es deshalb spannend: Kann Apple-Chef Tim Cook bei der Produktpräsentation („Spring Forward“) keinen Knüller vorlegen, könnte es (wie schon öfter nach enttäuschenden Produktshows) einen vorübergehenden Rücksetzer geben. Das von schwächelnden iPad- und iPhone-Verkäufen geprägte laufende Geschäft scheint den Höhenflug nicht ganz zu rechtfertigen.

Sehr stark unterwegs ist derzeit der Biotech-Sektor. Der bietet Anlegern freilich einige Fußangeln: Viele der börsenotierten Unternehmen sind relativ klein, ihr Erfolg oder Misserfolg ist von wenigen Produkten abhängig, die Kurse entsprechend volatil. Man kann ohne entsprechendes vertieftes Fachwissen mit seinem Engagement leicht auf die Nase fallen. Außer man überlässt das Fachleuten und diversifiziert. Da bietet sich die Schweizer Beteiligungsgesellschaft BB Biotech (ISIN CH0038389992) an. Die ist nach einem Anstieg von 230 auf 300 „Fränkli“ seit Jahresbeginn zwar auch schon recht luftig unterwegs, hat aber immer noch ein sehr starkes Aufwärtsmomentum. Wenn man Biotech riskieren will, dann ist das keine schlechte Wahl. Auf die Aktie umgerechnet liegt der Wert der Beteiligungen jedenfalls deutlich über dem aktuellen Aktienkurs.

Ein Geschäftsfeld, das Aktionären bisher verschlossen blieb, könnte bald der Tabakriese Altria (ISIN US02209S1033) bieten. Nach der Cannabis-Legalisierung in Colorado hofft der Konzern, dass Marihuana bald in den gesamten USA legal wird. Ein 50-Milliarden-Dollar-Markt, von dem sich der Zigarettendreher (Kernmarke: Marlboro) ein Viertel abschneiden will.

Ob man das moralisch gut findet oder nicht, ist eine andere Frage. Altria ist, nüchtern betrachtet, aber auch ganz ohne Kiffer-Geschäft keine schlechte Wahl: Der Kurs zieht seit Jahren konstant nach oben, die Dividendenrendite allein ist mit mehr als vier Prozent schon eine echte Alternative zu Sparbuch und Anleihe.

josef.urschitz@diepresse.com

diepresse.com/money

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.03.2015)