Man kann Verluste durch wegschauen nicht zum Verschwinden bringen.
Viel ist unseren Lenkern zur Bewältigung der Wirtschaftskrise (außer den jetzt sicher überlebensnotwendigen Billionentransfusionen, die uns noch saftige Inflation bescheren werden) noch nicht eingefallen. Aber jetzt wird alles besser: Die Banken werden weltweit schon für das erste Quartal viel freundlichere Bilanzen legen, als bisher abzusehen war.
Nicht, weil es ihnen tatsächlich besser geht, sondern weil EU und USA beschlossen haben, eine Lockerung der Bilanzierungsregeln als Krisenbekämpfungsinstrument einzusetzen. „Schrottpapiere“ müssen dann nicht mehr zum Marktwert bewertet, sondern können per „Daumenpeilung“ wesentlich bilanzfreundlicher angesetzt werden. Die österreichischen Banken praktizieren das ganz legal ohnehin schon: Sparkassen und RZB haben ihre Erste- und RI-Aktien (die allerdings selbst bösartigste Menschen nicht als „Schrottpapiere“ bezeichnen würden) zum fast doppelten Marktwert in den Büchern.
Nicht, dass die „Mark to Market-Bewertung“ der IFRS-Bilanzierung ein Geniestreich wäre. Die hat unter anderem dazu geführt, dass die Gewinne der Immobilien AGs von Gutachtern virtuell in völlig absurde Dimensionen aufgeblasen wurden. Und dazu, dass die Unternehmen diese virtuellen Gewinne dann ganz real verbraten haben (was auch den derzeitigen Zustand der Immo-AGs erklärt).
Aber zu glauben, dass man eine Vertrauenskrise – und eine solche ist die Finanzkrise wohl in wesentlichen Teilen – damit beseitigt, dass man Bankbilanzen völlig irreal und nicht mehr vergleichbar macht – das spricht wohl auch nicht für ein Übermaß an wirtschaftspolitischem Hausverstand. Die Strategie „wenn ich die Krise nicht sehe, sieht sie mich auch nicht“ hätte man eher Kleinkindern zugetraut, als Wirtschaftspolitikern und Bankern.
Weil wir gerade bei Banken sind: Denen haben wir vor ein paar Tagen in einer Glosse über die Geschwindigkeit, mit der Meinls 100 Kautionsmillonen am Gerichtskonto waren, bitter Unrecht getan. Natürlich gibt es auch für uns kleine Leute gegen höhere Gebühr die Möglichkeit, „Eilüberweisungen“ mit taggleicher Gutschrift durchzuführen.
Was im übrigen den Tenor der Glosse („Geht ja doch“) unterstreicht. Eine Überweisung dauert heutzutage eben nur Sekundenbruchteile. Um so ärgerlicher die „Zinsschinderei“ durch tagelanges Liegenlassen. Das gehört einfach abgestellt!
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.04.2009)