Die Österreichische Volksbank AG verliert 2008 netto 152 Millionen Euro. Grund waren hohe Abschreibungen und die Kommunalkredit. Eine Milliarde Euro Staatshilfe wurden bereits überwiesen.
Das Debakel um die Ende 2008 notverstaatlichte Kommunalkredit sowie teuere Abschreibungen auf Wertpapiere (Lehman, Island etc.) und auf die Immobilienaktivitäten (Europolis) haben die Volksbank AG (ÖVAG) im abgelaufenen Jahr tief in die roten Zahlen gebracht.
Der Vorsteuerverlust belief sich 2008 auf 402 Mio. Euro, der Nettoverlust auf 152 Mio. Euro.
Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:
ÖVAGin Mio. €
Veränderung
20082007*in Mio. €in %Zinsüberschuss1.235,31830,73404,5848,70Kreditvorsorgen154,9589,9265,0472Provisionsüberschuss202,70191,6011,105,79Handelsergebnis41,3657,49-16,13-28,06Ergebnis vor Steuer-401,85388,12-789,97
Jahresergebnis-210,87345,91-556,78
Konzernergebnis-152,01219,68-371,69
Fremdanteile-58,86126,23-185,08
*Die für 2007 veröffentlichten, nicht die adaptierten Werte.
584 Millionen Euro aus Kommunalkredit
Mit der Kommunalkredit - die Bank musste um einen Euro an die Republik übertragen werden - erwuchsen für die ÖVAG-Ergebnisrechnung 2008 Belastungen von 584 Mio. Euro. 2007 brachte die Position "Veräußerungsgruppe" sie noch 19 Millionen Euro.
Wie die ÖVAG im Geschäftsbericht weiter anführt, wurde das Engagement bei den Lehman Brothers zu 90 Prozent (83 Mio.) abgeschrieben. Zusammen mit Verlusten bei isländischen Banken (63 Mio. Euro) ergab sich ein Verlust aus Finanzinvestitionen von gesamt 141 Millionen Euro. Gesamt brachten die Finanzinvestitionen 2008 einen Verlust von 294 Millionen Euro.
Auch die ÖVAG musste ein impairment vornehmen: Der Firmenwert der 2005 gekauften Europolis wurde vollständig abgeschrieben, was weitere 176 Millionen Aufwand bedeutete.
Staatshilfe bereits erhalten
Die ÖVAG nimmt eine Mrd. Euro staatliches Partizipationskapital auf, das bereits überwiesen wurde. "Partizipationskapital" bedeutet, dass der Staat keinerlei Mitspracherecht beim Unternehmen bekommt. Dafür muss die ÖVAG 9,3 Prozent Zinsen pro Jahr an den Staat zahlen und das gesamte Kapital am Ende der Laufzeit zurückzahlen. Der Staat Österreich erhält somit 93 Millionen Euro Zinsen jedes Jahr. Für den Steuerzahler entstehen nur dann Kosten, wenn die Bank das Geld nicht mehr zurückzahlen kann.
Staat kann Stammaktionär werden
Für den Fall, dass aus welchem Grund immer die PS nicht bedient bzw. rückgezahlt würden, könnte der Staat über Wandlung ins Stammaktienkapital eintreten.
Nach dem Beschluss reichte ÖVAG-Chef Franz Pinkl vorzeitig seinen Abschied ein: Er legt seine Funktion per 30. April zurück, zwei Jahre vor Ablauf seines Vertrags. Bei der Hauptversammlung am 20. März 2009 stellte er noch die Vertrauensfrage - und bekam es ausgesprochen. Er wird Chef der Kärnter Hypo Alpe Adria.
(Ag./ebl)