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Staatsoper: Olga Neuwirth vertont „Orlando“

Komponisten seien eine „vom Aussterben bedrohte Spezies“, fürchtet Olga Neuwirth.(c) APA
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Die neue Oper nach dem Roman von Virginia Woo1f kommt im Dezember 2019 zur Uraufführung. Die zweite Hälfte der Ära Dominique Meyers wird von Novitäten geprägt.

Olga Neuwirth komponiert für die Wiener Staatsoper. Im Dezember 2019 kommt das Auftragswerk „Orlando“ nach Virginia Woolf zur Uraufführung. Es wird eine von fünf Uraufführungen sein, die Staatsopern-Direktor Dominique Meyer für die zweite Hälfte seiner Amtszeit (sein Vertrag läuft bis 2020) vorgesehen hat.

Im Vorjahr war noch davon die Rede, dass auch Jörg Widmann einen Auftrag erhalten könnte, doch hat er signalisiert, er würde es in der fraglichen Zeitspanne voraussichtlich nicht schaffen, ein abendfüllendes Musiktheaterwerk zu komponieren.

Auf jeden Fall würden aber bis zum Jahr 2020, so Meyer, im Haus am Ring drei große neue Opern und zwei neue Kinderopern gezeigt. Dem Vernehmen nach arbeitet auch Krzysztof Penderecki an einem Auftragswerk für Wien. Die erste offizielle Vorankündigung gilt freilich der österreichischen Komponistin Olga Neuwirth. Dass die Premiere ihres Stücks erst 2019 stattfindet, erklärt Meyer mit der „enormen Vorlaufzeit für ein solches Projekt. Es handelt sich bei dem Auftragsstück um ein Werk mit Chor, also müssen wir das Material frühzeitig vorliegen haben, um mit der Einstudierung beginnen zu können.“

 

Oper soll nicht im Jahr 1928 enden

Zumal Olga Neuwirth vorhat, die üblichen Ausdrucksmittel um ungewohnte orchestrale Spielweisen zu vermehren, wie sie bei der Projektpräsentation am Montag ankündigte. Sie hätte sich dazu in zahlreichen Räumen der Staatsoper die nötige Inspiration geholt.

Von der Musik zur neuen Oper gibt es allerdings noch keinen Ton. Neuwirth will erst zu komponieren beginnen, wenn das Libretto vollständig vorliegt. Derzeit gibt es einen Rohentwurf, an dem die Komponistin mit der auch librettoerfahrenen frankoamerikanischen Autorin Catherine Filloux seit dem Vorjahr gearbeitet hat.

„Jetzt wird es ein paar Mal hin- und hergehen zwischen Europa und den USA“, wo Filloux lebt, „bis es eine endgültige Fassung gibt“, meint Neuwirth. Das Problem bei der Adaption einer literarischen Vorlage wie dieser sei ja „das Weglassen; natürlich möchte man alles behalten, aber das ist illusorisch.“ Sicher sei nur, dass die neue Oper pausenlos ablaufen werde und nicht länger als 100 Minuten dauern soll.

Virginia Woolfs „Orlando“ hinterfrage, so Neuwirth, „die Stellung der Frau in der Gesellschaft“ und spiegle „die Entwicklung durch die Jahrhunderte“. Wobei sie betont, dass in Zeiten der Krise bereits errungene Positionen leicht wieder verloren gehen können. In diesem Sinne würde sie ihre Oper, so viel verrät die Komponistin bereits im Vorfeld, „nicht wie Virginia Woolf ihren Roman im Jahr 1928 enden lassen“.

Die Oper „Orlando“ wird also mit Sicherheit einen zeitgemäßen Aspekt aufweisen, der in der literarischen Vorlage nicht enthalten ist. Wie die Komponistin sich überhaupt angesichts des Scheiterns eines gemeinsamen Opernprojekts mit Elfriede Jelinek im Jahr 2000 – von Staatsoper und Salzburger Festspielen sei man „entsorgt“ worden, kommentiert Neuwirth – erfreut gab, dass Oper nicht nur ein „Museumsobjekt“ sei, sondern dass an der Staatsoper künftig auch Uraufführungen stattfinden würden: Komponisten seien nämlich eine „vom Aussterben bedrohte Spezies, wie Bauchläden“.

Besetzung und Leading Team für „Orlando“ stehen noch nicht fest. Dominique Meyer: „Wir müssen ja erst einmal abwarten, wie die Rollen sein werden, bevor wir die richtigen Sänger suchen können.“ Für die Regie möchte man gern eine Frau gewinnen, ein berühmter Dirigent hätte sich aber schon interessiert gezeigt . . .

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.03.2015)