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AUA neu: Ein Sanierer als Zukunftsstratege?

Jaan Albrecht hat die AUA aus der Fast-Pleite geführt – er will auch die Zukunft mitgestalten.(c) APA
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Demnächst steht die Entscheidung über den AUA-Chef an, da der Vertrag von AUA-Chef Jaan Albrecht Ende Oktober ausläuft. Der Sonderaufsichtsrat am 19. März befasst sich auch mit der neuen Airline-Organisation und der Flotte.

Wien. Als Jaan Albrecht vor dreieinhalb Jahren im November 2011 die Führung der AUA übernahm, stand die rot-weiß-rote Fluglinie am Rand der Pleite: Es gab nicht nur tiefrote Zahlen, sondern das Eigenkapital lag weit unter der von der EU für Airlines vorgeschriebenen Marke. Wenn Albrecht nun morgen, Donnerstag, die Zahlen für 2014 präsentiert, wird er nach vielen roten Jahren das zweite Mal in Folge ein positives Betriebsergebnis melden können – auch wenn das Ergebnis wegen der hohen Personalrückstellungen und politischen Krisen nicht so hoch wie gewünscht ausfällt.

Mit dem radikalen Sanierungsprogramm, dessen Früchte nun langsam sichtbar werden, hat der gebürtige Mexikaner nicht nur die AUA wieder auf Expansionskurs getrimmt. Albrecht hat sich selbst im Lufthansa-Konzern gut in Stellung gebracht – genau zum richtigen Zeitpunkt, denn das nächste Match steht unmittelbar bevor und dreht sich um nichts Geringeres als seine Position: Bei der Sonder-Aufsichtsratssitzung am 19. März ist neben der Flottenerneuerung die durch die Fusion von AUA und Tyrolean per 1. April bedingte neue Unternehmensorganisation das Thema. Dabei wird, wie „Die Presse“ erfuhr, nicht nur die künftige Funktion von Noch-Tyrolean-Chef Klaus Froese diskutiert (er könnte dritter Vorstand werden). Da Albrechts Vertrag Ende Oktober ausläuft, sei es höchst an der Zeit, über Kontinuität oder Veränderung an der AUA-Spitze zu sprechen, heißt es.

Noch ist alles offen, und Aufsichtsratspräsident Harry Hohmeister dürfte sich auch noch nicht festgelegt haben. Die Entscheidung dürfte jedenfalls nicht leicht sein. Denn viel spricht für einen Verbleib Albrechts, allerdings gibt es auch Argumente für einen Wechsel im Chefsessel.

Albrecht, der seine Karriere bei der Fluglinie Mexicana begann, hatte sich über viele Jahre als Spitzenfunktionär der Internationalen Pilotenvereinigung Ifalpa und dann als Chef der Star Alliance einen Namen als exzellenter Interessenvertreter der Luftfahrt gemacht. Als er bei der AUA sofort harte Saiten aufzog und den Rotstift zückte, vor allem aber mit lieb gewordenen Traditionen brach, strafte er alle Skeptiker Lügen, die ihn als zu „weich“ einschätzten. Albrecht, selbst Pilot und daher auf Augenhöhe mit seinen härtesten Gegnern, den Piloten, kündigte nicht nur den „heiligen“ alten Bord-Kollektivvertrag, er zog auch den Betriebsübergang auf die kostengünstigere Tyrolean durch. Auch als es Klagen der Arbeitnehmer hagelte und der Ton immer rauer wurde, hielt Albrecht an einer Verhandlungslösung fest. Die kam tatsächlich entgegen allen Unkenrufen Anfang Oktober zustande: der neue Bord-KV für das gesamte fliegende Personal.

 

Embraer statt Fokker

Damit sei der letzte Teil des Kostenpuzzles geschafft, um an die Zukunft herangehen zu können, sagte Albrecht damals. Die Zukunft hat tatsächlich begonnen: Der Aufsichtsrat wird den Tausch der alten Fokker-Flotte gegen Embraer-Regionaljets (von der Lufthansa) beschließen. Das Streckennetz wird erweitert, und mit einem neuen Preismodell im Europaverkehr („Die Presse“ berichtete) will man den Billigairlines Paroli bieten. Albrecht hat schon durchblicken lassen, dass er nach Abbau und Umbau auch beim Aufbau gern dabei wäre. Es gibt allerdings Stimmen, die meinen, man sollte den Sanierer durch einen Strategen und Visionär ersetzen. Langjährige Beobachter der AUA führen dagegen ins Treffen, dass die AUA zwar grundsätzlich besser dasteht, aber noch lange nicht so gut, um heftige Turbulenzen auszuhalten. Mit Vertriebs- und Netzwerk-Vorstand Andreas Otto habe Albrecht zudem einen Partner, der auch in der Belegschaft Rückhalt genießt, heißt es. Warum sollte Lufthansa-Boss Carsten Spohr also ein gutes Team spalten? Zumal gegen Albrecht vorerst nur eine Formalität spricht: Laut einer Lufthansa-Regel werden Verträge der Topmanager nach Erreichen des 60. Lebensjahres nicht mehr verlängert. Albrecht wurde im Jänner 60. Aber auch bei den prinzipientreuen Deutschen soll es Ausnahmen geben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.03.2015)