Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl

Rechnungshof: 96 Prozent der Eisenbahner gehen in Frühpension

EISENBAHNER
EISENBAHNER(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)
  • Drucken

Zwischen 2008 und 2013 erreichte gerade einmal einer von 20 ÖBBlern das gesetzliche Antrittsalter. Seit 2004 kostete die Frühpensionierungswelle den Bund 843 Millionen Euro. Laut ÖBB hat sich die Lage gebessert.

Wien. Wann gehen Eisenbahner in Pension? Auf diese einfache Frage gibt es eine ganze Reihe von Antworten, wie der am Mittwoch veröffentlichte Rechnungshofbericht und die darauf folgende Reaktion der ÖBB zeigen. Laut Bericht belief sich „das faktische durchschnittliche Pensionsantrittsalter der Bundesbahnbeamten im Zeitraum 2002 bis 2013 auf nur 52,49 Jahren.“ Dadurch habe sich seit dem Jahr 2004 für den Bund „eine zusätzliche Pensionslast zwischen der tatsächlichen vorzeitigen Ruhestandsversetzung und der frühestmöglichen altersbedingten Ruhestandsversetzung von insgesamt 843 Mio.“ ergeben. Grund für dieses niedrige Antrittsalter seien aber nicht die gesetzlichen Rahmenbedingungen. Denn das gesetzliche Antrittsalter ist auch bei den Bundesbahnen Reformen unterworfen und steigt daher von knapp 55 Jahren im Jahr 2004 bis 2019 auf 61,5 Jahre. Grund ist vielmehr, dass kaum ein Eisenbahner bis zu diesem gesetzlichen Pensionsantrittsalter aktiv bleibt. So gingen von 7186 zwischen 2008 und 2013 pensionierten Eisenbahnern mit 273 nur 3,8 Prozent in die altersbedingte Rente (mit einem Durchschnittsalter von 58,6 Jahren). Der Rest entfiel auf organisatorische oder krankheitsbedingte Frühpensionierungen. „Gerade in Anbetracht des – im Vergleich mit anderen Pensionssystemen – geringeren gesetzlichen (altersbedingten) Pensionsantrittsalters der Bundesbahnbeamten war dieser hohe Anteil besonders zu kritisieren.“

Bis zum Jahr 2011 waren es vor allem sogenannte organisatorisch bedingte Frühpensionierungen, die im Schnitt mit knapp 54 Jahren erfolgten. Seit 2012 werden diese zwar nicht mehr durchgeführt. Geblieben sind jedoch die krankheitsbedingten Frühpensionierungen (Durchschnittsalter 51,1 Jahre), die zwischen 300 und 600 pro Jahr schwanken. Weitgehend konstant blieb die Zahl jener Eisenbahner, die bis zum gesetzlich gültigen Antrittsalter blieben – mit rund 50 pro Jahr. Ihr Anteil stieg relativ seit 2008 zwar von 2,3 auf 7,2 Prozent im Jahr 2013 an, blieb aber immer noch deutlich in der Unterzahl.

Der Rechnungshof zieht daraus den Schluss, dass die Pensionsreformen der vergangenen Jahre bei den ÖBB weitgehend wirkungslos waren. So sei das „durchschnittliche Pensionsantrittsalter der Bundesbahnbeamten weitgehend gleich niedrig“ geblieben. „Auch wurde die Differenz zwischen gesetzlichem und faktischem Pensionsantrittsalter der Bundesbahnbeamten immer größer.“

 

ÖBB: Zahl der Pensionierungen gesenkt

Anders sieht man die Situation naturgemäß bei den ÖBB. Dort wird der nach wie vor geringe Anteil an altersbedingten Pensionierungen mit den organisatorischen Frühpensionierungswellen vor zehn Jahren erklärt: Bei einigen Jahrgängen gebe es einfach keine Mitarbeiter für die altersbedingte Pension mehr. Dies zeige auch die in Summe deutlich geschrumpfte Zahl der Pensionierungen. Wurden im „Rekordjahr“ 2006 noch 2971 Pensionierungen durchgeführt, waren es im Jahr 2014 gerade noch 509. Im Vorjahr habe es zudem weitere Verbesserungen gegeben. Wie berichtet, seien mit 99 Pensionierungen bereits knapp 20 Prozent aller Abgänge altersbedingt erfolgt. Der Rest entfiel auf krankheitsbedingte Pensionierungen. Außerdem hielten die ÖBB fest, dass die unkündbaren Eisenbahner seit 2000 über eine Milliarde Euro an Arbeitslosenversicherungsbeiträgen gezahlt haben, denen keine Gegenleistung entgegenstehe.

Der Rechnungshof kritisiert aber nicht nur das niedrige Antrittsalter der Eisenbahner, sondern auch die Höhe der Pensionen. Dafür stellte er Vergleichsrechnungen mit Bundesbeamten an. „Bei den Berechnungen zeigte sich, dass die nach dem Pensionsrecht der ÖBB ermittelten Pensionen bei jeweils gleichem Pensionsantrittsalter deutlich höher waren als jene nach dem Pensionsrecht der Bundesbeamten. Dies galt auch für die gesamthaft bis zum Ableben zu erwartende Pensionsleistung und dokumentiert damit den Handlungsbedarf weiterer ÖBB-Pensionsreformen“, so die Prüfer des Rechnungshofs in ihrem Bericht. (jaz)

Siehe auch „Urschitz meint“: Seite 18

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.03.2015)