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Aktionäre zur Kasse gebeten

Kapitalertragsteuer. Dividenden und realisierte Kursgewinne werden mit 27,5 Prozent besteuert. Altbestände (Erwerb vor 2011) können weiter steuerfrei verkauft werden.

Wien. Der Anteil der Aktionäre an der österreichischen Bevölkerung bewegt sich im einstelligen Bereich. Sie zahlen bereits jetzt 25 Prozent Steuer auf Gewinnausschüttungen (Dividenden) sowie auf realisierte Kursgewinne (also beim Verkauf). Künftig sollen sie noch stärker zur Kasse gebeten werden. Die Kapitalertragsteuer (KESt) auf Dividenden soll von derzeit 25 Prozent auf 27,5 Prozent steigen. Auch die Kursgewinnsteuer soll auf diesen Satz angehoben werden. Gleiches gilt für andere Wertpapiere wie Anleihen und wohl auch für Anleihezinsen. Lediglich Sparbuchzinsen sollen weiterhin mit 25 Prozent besteuert werden.

Ob diese Unterscheidung vor dem Verfassungsgerichtshof hält, ist umstritten. Eine Verfassungsbestimmung sieht einen einheitlichen Satz für Zinsen und Dividenden vor. Ein anderes verfassungsrechtliches Problem hat man bereits gelöst: Die KESt ist per Verfassungsbestimmung mit dem halben Spitzensteuersatz begrenzt. Hintergrund ist, dass es sich bei Dividenden um bereits versteuerte Gewinne des Unternehmens handelt, die auf Aktionärsebene noch einmal besteuert werden. Das verfassungsrechtliche Problem löste man kurzerhand damit, dass man auch den Spitzensteuersatz von 50 auf 55 Prozent (allerdings erst ab einer Million Euro pro Jahr) anheben will.

Altbestände bleiben steuerfrei

Die Kursgewinnsteuer gibt es erst seit 2011. Davor waren Gewinne aus Wertpapierverkäufen steuerfrei, sofern man die Papiere länger als ein Jahr im Depot hatte. Damals wurde zwischen Alt- und Neubeständen unterschieden. Altbestände (also Wertpapiere, die man vor 2011 erworben hat) sollen dem Vernehmen nach weiterhin steuerfrei verkauft werden können. Für Neubestände (alle Käufe ab 2011) sieht die neue Regelung eine Steuer von 27,5 Prozent vor. Zwischen Mittel- und Neubeständen (Verkäufe vor und nach 2016) wird wohl nicht differenziert werden. Eine so komplizierte Umstellung wäre für die Banken technisch nicht in so kurzer Zeit möglich, glaubt der Steuerberater Roland Rief von EY Österreich.

Das bedeutet: Wer eine Aktie vor dem Stichtag (derzeit ist vom 1. Jänner 2016 die Rede) verkauft, muss den Gewinn mit 25 Prozent versteuern. Verkauft er das Papier erst im Jänner, sind 27,5 Prozent fällig. Dass das eine Verkaufswelle gegen Jahresende zur Folge haben wird, glaubt Rief eher nicht. Für Kleinanleger zahle sich diese Vorgangsweise kaum aus, da sie ja Spesen beim Kauf und beim Verkauf haben. Für Institutionelle (etwa Versicherungen) gelten ohnehin andere Bestimmungen: Kapitalerträge von Lebensversicherungen, Pensionskassen oder der Zukunftsvorsorge sind KESt-frei. Sollten auch Stiftungszuwendungen von der Steuererhöhung betroffen sein, würden diese Stiftungen ihre Ausschüttungen wohl vorziehen, schätzt Rief.

Auch Anleger, die nicht selbst mit Aktien handeln, sondern Fondsanteile halten, werden künftig wohl mehr Steuern zahlen müssen als jetzt. „Die Besteuerung von Fonds wird mitziehen müssen“, meint Rief.

Wie bisher können Privatanleger Gewinne mit Verlusten ausgleichen, um ihre Steuerlast zu mindern. Dabei kann man Gewinne aus Dividenden oder Anleihezinsen (nicht jedoch Sparbuchzinsen) mit Kursverlusten ausgleichen. Allerdings muss beides im selben Jahr anfallen. Ein Verlustvortrag auf spätere Wirtschaftsjahre ist nicht möglich, ebenso wenig wie eine Verrechnung mit anderen Einkunftsarten (etwa der Lohnsteuer).

An der geplanten Erhöhung hagelte es indes Kritik: Das Aktienforum, eine Interessenvertretung von börsenotierten Unternehmen und Finanzwirtschaft, protestiert „vehement gegen jede weitere Belastung des Kapitalmarkts und seiner Privatanleger“. Eine Anhebung der KESt hätte eine äußerst negative Signalwirkung auf Unternehmen und den heimischen Kapitalmarkt, klagte Präsident Robert Ottel in einer Aussendung. Wiener-Börse-Vorstand Michael Buhl forderte eine Ausnahme von der Kursgewinnsteuer für über fünfjährige Investments.


[KNUJL]

(''Die Presse'', Print-Ausgabe, 14.03.2015)