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Banken: Vertrauen in Landes-Hypos sinkt

General view of the headquarters of defunct Austrian lender Hypo Alpe Adria in Klagenfurt
(c) REUTERS (HEINZ-PETER BADER)
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Die Refinanzierungskosten für heimische Landesbanken sind nach dem Zahlungsstopp für die Hypo-Abbaubank Heta gestiegen. Banker Willibald Cernko warnt vor Reputationsverlust.

Wien. Das von Österreich verhängte Zahlungsmoratorium für die Hypo-Abbaubank Heta sorgt für Unmut unter internationalen Investoren. Diese fragen sich nämlich, welchen Wert landesgarantierte Bankhaftungen noch haben, wenn der Bund im Ernstfall nicht geradesteht. Der Chef des heimischen Bankenverbandes, Willibald Cernko, mahnte am Freitag, die Reputation des Finanzplatzes nicht zu beschädigen. Ihm gebe es zu denken, dass die öffentliche Hand beginne, Fragezeichen zu produzieren, wo man bisher Rufzeichen sah.

Das Vertrauen in Österreichs Kapitalmarkt scheint bereits zu erodieren: Die Finanzierungskosten einiger Landes-Hypos sind jüngst gestiegen. Die Rendite für eine Anleihe der Hypo-Vorarlberg mit einer Restlaufzeit von 3,5 Jahren belief sich Mitte Februar noch auf 0,5 Prozent. Mittlerweile ist der Wert auf 1,9 Prozent geklettert. Ein Anstieg um das 2,8-Fache. Geldgeber zogen sich demnach aus den Papieren zurück, was die Kurse sinken und die Renditen (Verhältnis von Zinsen zu Kurswert) steigen ließ. Schuldverschreibungen österreichischer Banken zählen heuer zu jenen mit dem schlechtesten Ertrag, wie Daten der Agentur Bloomberg zeigen. Die Verluste der Investoren sind bei Papieren der Hypo Vorarlberg und Niederösterreich am höchsten.

Erst kürzlich hat die britische Barclays ihren Großinvestoren geraten, von österreichischen Regionalbanken emittierte Anleihen mit öffentlichen Garantien abzustoßen.

Haftungen übersteigen Budgets

Das ist freilich noch nicht alles: Vor wenigen Tagen gab die Ratingagentur Moody's bekannt, die Herabstufung von Pfandbriefprogrammen einiger Landeshypos zu prüfen. Sinkt die Bonität eines Emittenten, hat dieser mit höheren Refinanzierungskosten zu rechnen. Die Schulden werden also teurer. Von Bedeutung ist dies deswegen, weil die Heta über die Pfandbriefstelle der heimischen Hypothekenbanken mit 1,2 Mrd. Euro verschuldet ist. Für diese Verbindlichkeiten gibt es eine Solidarhaftung der Landeshypos. Weil noch in diesem Jahr Rückzahlungen in Millionenhöhe fällig werden, sind die Landeshypos (die teils mehrheitlich im Besitz der Bundesländer stehen) in der Pflicht. Zahlen sie nicht, droht der Pfandbriefstelle die Pleite. Pfandbriefe gelten eigentlich als sicheres Anlageinstrument.

Niederösterreichs Landesfinanzreferent, Wolfgang Sobotka, ließ Donnerstagnacht zwar keine Zweifel daran aufkommen, dass die Länder die Verantwortung für diese 1,2 Mrd. Euro tragen werden. Dennoch streben sie eine Beteiligung des Bundes an. Es solle daher „unverzüglich“ zu Verhandlungen darüber kommen, wie die Last gemeinsam zu tragen sei. Grundsätzlich handle es sich ja um Steuergeld. Es komme alles aus dem gleichen Topf, sagte Sobotka.

Die EU hat der öffentlichen Hand ab 2007 verboten, Haftungen für ihre Banken zu übernehmen. Seit 2004 war das bekannt. In diesem Dreijahreszeitraum stiegen die Garantieerklärungen stark. Die Banken zahlten im Gegenzug Provisionen an die Länder.

Bei einem Jahresbudget von 2,2 Mrd. Euro haftet Kärnten für ausstehende Heta-Papiere im Volumen von rund zehn Mrd. Euro. Die Garantien sind also fast fünfmal so hoch. Auch in Vorarlberg beläuft sich die aushaftende Garantiesumme auf fast 4,9 Mrd. Euro (2013). Der Großteil ist auf die Landesyhpo zurückzuführen. In Niederösterreich ist die Lage kaum besser. Das Bundesland haftet für rund zwölf Mrd. Euro, davon entfällt beinahe die Hälfte auf eine Bank.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.03.2015)