Entspannung an der Kreditfront?

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Das Risiko für Banken, ihr Geld von Privaten oder Unternehmen nicht zurückzubekommen, ist gesunken. Eine Ursache könnte jedoch auch sein, dass jene Firmen, die es nötig hätten, gar keine Kredite bekommen.

Wien. 2014 sind die Risken für Banken im Kreditgeschäft mit Privatkunden im Schnitt gesunken. Das ergab eine Umfrage, die die Wirtschaftsauskunftei CRIF bei heimischen Banken rund um den Jahreswechsel durchführte. Nur rund sieben Prozent der befragten Banker orteten im Vorjahr einen Anstieg des Risikos bei Konsumkrediten.

Für heuer wird erwartet, dass die Ausfallwahrscheinlichkeit weiter abnimmt oder zumindest nicht größer wird. Grundsätzlich ist das erfreulich: Denn es heißt, dass immer weniger Kreditnehmer mit ihren Rückzahlungen in Schwierigkeiten kommen.

Bei Geschäftskrediten ist das Bild uneinheitlicher. Aber auch da geben sich die befragten Bankfachleute im Schnitt recht entspannt: In diesem Bereich stellten 45 Prozent im Vorjahr sinkende Risken fest. Nur 19Prozent meinten, das Geschäft mit Firmenkunden sei riskanter geworden.

Für heuer sind die Prognosen vorsichtiger, aber auch nicht schlecht: Ein Drittel erwartet, dass alles bleibt, wie es ist, knapp ein Viertel rechnet mit steigenden und ein gutes Fünftel mit sinkenden Ausfallwahrscheinlichkeiten. CRIF hat dieses Marktbarometer heuer zum ersten Mal errechnet. Künftig soll die Befragung jährlich wiederholt werden. Die tendenziell sinkenden Kreditrisken seien ein Zeichen dafür, „dass die Banken bei ihrem Kundenbestand einen gesunden Status erreicht haben“, sagt Jürgen Krenn, Leiter Financial Sales bei CRIF. In der Vergangenheit seien – auch im Hinblick auf Basel III – Risken reduziert worden, was sich jetzt offenbar auswirkt.

Daten sind wichtig

In eigener Sache fragte CRIF bei den Banken auch ab, welche Bedeutung Daten, die über Personen oder Unternehmen gesammelt wurden, für die Risikobewertung haben. Wenig überraschend legen die Banken auf solche Daten erheblichen Wert (wenn auch die Gewichtung bei der Risikoeinschätzung unterschiedlich ist).

Zum Teil verwenden sie neben internen auch externe Datenquellen– zum Beispiel Daten, die sie von Auskunfteien bekommen. Auf diese Weise können etwa unbezahlte Strom- oder Handyrechnungen durchaus eine Rolle bei einer Kreditentscheidung spielen. Wie man bei CRIF betont, bedeutet aber nicht schon jede Mahnung, die man bekommt, weil man eine Rechnung übersehen hat, bereits einen Minuspunkt. Erst wenn man die Zahlungsaufforderung durch einen Inkassodienst immer noch ignoriert, bekomme man einen Eintrag.

Aber zurück zur Risikosituation: Wenn das Risiko sinkt, ist das zwar an sich positiv. Bei Unternehmen kann das aber auch heißen, dass diese von sich aus weniger investieren und weniger Risiko eingehen, weil die Wirtschaft stagniert. Zudem kann man sinkendes Risiko auch als Zeichen der berüchtigten Kreditklemme interpretieren – also des Dilemmas, dass Banken gerade jenen Unternehmen, die Geld brauchen würden, keines borgen (dürfen), eben weil das aus Sicht der immer strengeren Regulierungsvorschriften zu riskant ist.

Kreditvolumen gestiegen

Das betrifft zum Beispiel Expansionsfinanzierungen, aber noch viel mehr Neugründungen. „Banken tun sich mit Neukunden schwer, denn diese sind ein unbeschriebenes Blatt“, bestätigt auch Krenn.

Insgesamt zeigt er sich aber vorsichtig optimistisch: Die Anzahl der Kreditanträge – die in den vergangenen Jahren rückläufig war – steige in letzter Zeit wieder. Letzteres bestätigten auch Zahlen der OeNB: Seit Juni vergangenen Jahres habe sich das Wachstum des an heimische Unternehmen vergebenen Kreditvolumens kontinuierlich erholt, heißt es in deren Kreditbericht von vergangenem Dezember.

Bei Privatkrediten ist sogar schon seit Mai des Vorjahres wieder ein Anstieg zu verzeichnen. Auch die niedrigen Zinsen könnten das Interesse an Krediten in letzter Zeit wieder beflügelt haben. [ iStockphoto ]

Was Sie beachten sollten bei ... Krediten

Tipp 1

Fix versus variabel. Grundsätzlich werden in Österreich Darlehen mit fixer oder variabler Verzinsung vergeben. Letztere haben traditionellerweise die Überhand. Fixe Kreditvereinbarungen sind aus heutiger Sicht teurer als variable. Allerdings kann sich das ändern, wenn die Zinsen eines Tages dramatisch ansteigen. Ob und wann das passiert, weiß allerdings niemand.

Tipp 2

Eigenmittel. Experten empfehlen Kreditnehmern, Immobilien nicht vollständig fremdzufinanzieren. Daher ist es im Vorfeld sinnvoll, Eigenmittel anzusparen. Immer wieder wird hier von 20 bis 30 Prozent des Darlehensvolumens gesprochen. Je besser die Bonität eines Kunden, desto günstiger ist seine Ausgangslage. Die Aufschläge sind dann nämlich geringer.

Tipp 3

Budget. Durch die niedrigen Zinsen verringert sich zwar die Gesamtkreditbelastung. Einen Kredit muss man sich trotzdem leisten können. Eine Haushaltsrechnung ist daher jedem potenziellen Kreditnehmer zu empfehlen. Der finanzielle Spielraum sollte nicht zu knapp bemessen sein, denn bei steigenden Zinsen ziehen auch die monatlichen Raten an.

Tipp 4

Vergleichen. Es mag banal klingen, doch nicht jeder nimmt sich die Zeit, mehrere Angebote einzuholen. Die Hausbank als erste Adresse hat nicht zwingend das günstigste Offert. Verbraucher sollten vor allem den Effektivzinssatz und die Gesamtbelastungen im Blick haben. Mittlerweile gibt es auch Online-Plattformen, die Kredite vergleichen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.03.2015)


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