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Causa Zilk: Historiker wollen Fall aufarbeiten

Helmut Zilk
(c) AP (Hans Punz)
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Der Historiker Stefan Karner will auf wissenschaftlicher Basis ein "flächendeckendes Bild" erarbeiten, um die Rolle von Helmut Zilk im tschechischen Geheimdienst genauer definieren zu können.

Der Historiker Stefan Karner will den Fall Zilk aufarbeiten. Karner forschte bereits vielfach in den Archiven des ehemaligen Ostblocks, und will nun die Spitzelakten in den tschechischen Archiven durchforsten. Im Zuge dessen will Karner auch die Zilk-Dokumente überprüfen. Im Ö1-"Mittagsjournal" erklärte er: "Wir haben dazu ein Projekt vor wenigen Wochen eingereicht. Wir hoffen, dass es genehmigt wird. Das heißt, dass wir auf wissenschaftlicher Basis ein flächendeckendes Bild versuchen zu erarbeiten, um dann einzelne Aussagen treffen zu können. In dem Zusammenhang auch die Rolle von Zilk, aber Zilk ist sicher nicht der einzige. Es gibt da viele mehr, die da involviert waren, sei es als Informanten, sei es als Agenten. Aber um das festzustellen, brauchen wir ein flächendeckendes Bild."

Karner ist überzeugt, dass der tschechische Geheimdienst mehrere Österreicher mit Informationsdiensten beauftragt hatte. Dem tschechischen Historiker Prokop Tomek zufolge finden sich in den Geheimdienstakten rund 10.000 Namen von ausländischen Informanten.

Tomek hatte die Akte Zilk bereits studiert, bevor die Wellen in Österreich hochgingen. Im Ö1-"Mittagsjournal" betonte er: "Helmut Zilk war kein Spion. Er ist laut Akte als vertrauensvoller Kontakt geführt worden. Seine Motivation dürfte die Zusammenarbeit mit den Reformpolitikern Ende der 1960er-Jahre gewesen sein."

Offen bleibt dabei jedoch die Frage, warum Zilk vom damals tschechoslowakischen Geheimdienst STB Geld annahm. Dass er es getan hat, ist gesichert: "Laut Akte hat Zilk Geld genommen. Die Dokumente sind auch im Original vorhanden und überprüfbar. Der Geheimdienst war jedenfalls so aufgebaut, dass es für die eigenen Mitarbeiter nicht möglich war, mit dem Geld irgenwdie zu manipulieren", führt Tomek aus.

Allerdings könnten Oliver Rathkolb, Vorstand des Instituts für Zeitgeschichte in Wien, die Akten auch gefälscht sein. Sollten diese doch echt sein, und Zilk das Geld genommen hat "dann war er nichts anderes als ein kleiner Gauner", zitiert Rathkolb einen sachkundigen tschechischen Exilanten.

(Ag.)