Industriestaaten tief in der Rezession

Die schwerste Rezession seit Jahrzehnten hält nach Einschätzung von Experten die Industriestaaten bis Jahresende fest im Griff. Die Aussichten für 2009 haben sich zudem weiter eingetrübt, wie aus einer Reuters-Quartalsumfrage unter 250 Analysten hervorgeht. Die Aussichten für die Euro-Zone sind dabei besonders trübe, während die USA schon zur Jahresmitte wieder zum Wachstum zurückkehren könnten.

Weil es noch länger dauern werde, bis die massiven Überkapazitäten abgebaut werden, droht trotz der billionenschweren Konjunkturpakete und der Geldspritzen der Notenbanken nach Einschätzung der meisten Experten kein Anziehen der Inflation. Ungefähr zwei Drittel der befragten Volkswirte schätzten vielmehr die Gefahr einer Deflation, wie in Japan während des "verlorenen Jahrzehnts" als deutlich größer ein. "Der Anstieg der Arbeitslosigkeit dürfte die Nachfrage der Verbraucher dämpfen", sagte Citigroup-Experte Jürgen Michels. Das drücke auf die Inflation und steigere das Risiko einer Deflationsspirale. Setzt sich eine Deflation fest, halten sich viele Verbraucher mit ihren Käufen in der Hoffnung auf noch weiter fallende Preise zurück - das heizt den Abschwung an.

Die Wirtschaftsleistung in den USA dürfte nach Einschätzung der Experten 2009 um 1,3 Prozent schrumpfen. Die weltweit größte Volkswirtschaft dürfte zwar früher als andere wieder aus der Rezession kommen, weil sie auch als erste in das Konjunkturtal gestürzt war. "Der Boden ist aber eindeutig noch nicht erreicht, auch wenn die Schocks nachlassen", sagte Donald Ratajczak von Morgan Keegan. Mit 3,2 Prozent dürfte das Minus in der Euro-Zone deutlich stärker ausfallen, auch wenn die Rezession im Jahresverlauf an Schwung verliere. "In allen Ländern der Euro-Zone sehen wir derzeit einen Mangel an Nachfrage und einen Exporteinbruch", sagte Simon Juncker von der Commerzbank. Für Deutschland erwarten die Experten einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 4,4 Prozent.

(APA)

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