Vom Run auf die Verschrottungs-prämie profitiert der größte Autobauer in der Slowakei bisher nicht.
Bratislava. Seit Montag steht die Produktion in den slowakischen Volkswagen-Werken am Stadtrand von Bratislava und in der mittelslowakischen Stadt Martin wieder still. Schon zum dritten Mal innerhalb weniger Monate zwingen Absatzprobleme zu einem vorübergehenden Produktionsstopp. Zwei Wochen soll er diesmal dauern. Der unerwartet große Ansturm der Slowaken auf die Verschrottungsprämie nützt ausgerechnet dem größten Automobilproduzenten im Land überhaupt nichts.
Die Prämie wird nämlich nur für den Kauf von Kleinwagen bis zu einem Maximalpreis von 25.000 Euro ausbezahlt. In Krisenzeiten den Ankauf von Luxusautos zu fördern, wäre nicht im Sinne der sozial-nationalen Regierungskoalition. Doch gerade die noblen Modelle der höheren Preisklasse sind es, von denen VW Slovakia lebt. Vor Ausbruch der Finanzkrise war man bei der slowakischen VW-Tochter noch stolz darauf gewesen, dass der Konzern die Produktion der Vorzeigemarken VW Touareg, Porsche Cayenne und Audi Q7 hierher verlegt hatte, zu denen später auch ?koda Octavia als etwas weniger abgehobenes Modell hinzukam. Inzwischen sehnt man sich in Bratislava aber wieder nach den Zeiten zurück, als man mit Golf und Polo Jahr für Jahr riesige Umsatzzuwächse verzeichnen konnte.
Entsprechend hämisch kommentiert das der oppositionelle Ex-Finanzminister, Ivan Miklos: „Tschechien hat keine Verschrottungsprämie eingeführt. Trotzdem kommt dort ?koda in Mladá Boleslav gar nicht mehr mit der Produktion für die große Nachfrage nach und muss Sonderschichten am Samstag einlegen. Bei uns wird Steuergeld für eine Verschrottungsprämie vergeudet, und trotzdem steht die Produktion bei Volkswagen still.“ Die lokale Gewerkschaft macht sich trotzdem vorerst keine großen Sorgen: „Am 20.April werden unsere Angestellten ihre Arbeit wieder aufnehmen“, kündigte Zoroslav Smolinský gegenüber den örtlichen Medien an.
Kleinwagen in Bratislava
Der Gewerkschaftsvorsitzende von VW Slovakia ließ gegenüber slowakischen Journalisten auch mit dem derzeit wichtigsten Hoffnungsschimmer für VW Slovakia aufhorchen: Als Produktionsstandort für die beiden Kleinwagentypen „Up!“ und „Space Up!“, mit denen der Volkswagen-Konzern auf die weltweite Nachfrageveränderung reagieren will, soll bereits fix Bratislava ausgewählt worden sein, plauderte er den Medien aus. Die Firmenleitung war offensichtlich gar nicht so begeistert über so viel Auskunftsfreude: „Die Entscheidung über den Produktionsstandort der neuen Modelle ist noch nicht endgültig gefallen!“, wurde klargestellt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.04.2009)