Trotz Steuererhöhung und Budgetkürzung durch den Bund bleibt das gewohnte Spitzenniveau garantiert.
Ja, der Bund wird der Gesellschaft der Musikfreunde in den kommenden Jahren bedeutend weniger Geldmittel zur Verfügung stellen als zuletzt. Die Zuwendungen werden in den kommenden drei Jahren um insgesamt 825.000 Euro verringert. Überdies wird die Mehrwertsteuererhöhung um drei Prozent zu einer finanziellen Mehrbelastung um mehr als 300.000 Euro führen – hier appelliert Musikvereins-Intendant Thomas Angyan (wie schon der Finanzchef der städtischen Wiener Theater) an die Gesetzgeber, die Anhebung erst mit Juli 2016 wirksam werden zu lassen. Jedenfalls muss die Steigerung eingepreist, das heißt, an die Kartenkäufer weitergegeben werden.
Den unerfreulichen Rahmenbedingungen zum Trotz signalisiert Angyan, dass der gewohnt hochkarätige Spielplan seines Hauses keine Einbußen erleiden wird. Auch 2015/16 stehen so viele internationale Orchestergastspiele auf dem Musikvereins-Spielplan wie vermutlich bei keinem Mitbewerber auf dem internationalen Klassikparkett. Neben den Wiener Symphonikern (14 verschiedene Programme an 33 Abenden), und den Philharmonikern (neun Programme in zehn Konzerten) gastieren unter anderem die Berliner und Münchner Philharmoniker, die großen Orchester aus Cleveland, Pittsburgh und – nach langer Abstinenz – Boston mit ihren Chefdirigenten, aus Deutschland kommen die Staatskapellen aus Berlin und Dresden, das Gewandhausorchester Leipzig und das Bayerische Rundfunkorchester, aus Frankreich unter anderem das Orchestre National de Paris und jenes aus Toulouse.
Eine Jubiläumssaison für den Chor
Die Saison wird (mit Beethovens Konzert op. 19) eröffnet durch Martha Argerich und Daniel Barenboim, die später im Jahr auch das spektakuläre Arrangement von Strawinskys „Sacre du printemps“ musizieren werden. Beethoven sind gleich drei Zyklen gewidmet: Rudolf Buchbinder absolviert seinen 50. (für Wien dritten) Sonaten-Zyklus zur Vorfeier seines Siebzigers, Simon Rattle dirigiert alle neun Symphonien (mit seinen Berlinern) und Nikolaus Harnoncourt vollendet den Symphonien-Zyklus mit dem Concentus musicus.
Der Singverein feiert das 25-Jahr-Jubiläum seines Leiters Johannes Prinz mit einem Zyklus, in dessen Rahmen unter anderem wieder einmal Schmidts „Buch mit sieben Siegeln“ (unter Manfred Honeck) erklingen wird. Eine Carte blanche erhält diesmal die Pianistin Khatia Bunyatishvilvi, besondere Ehrungen erfahren die Komponisten Friedrich Cerha, Ivan Eröd und Kurt Schwertsik zu ihren runden Geburtstagen. Insgesamt finden zehn Uraufführungen im kommenden Jahr statt. Auch die Rising Stars sind hinfort angehalten, jeweils mindestens eine Novität aufzuführen – und sich auch edukativ in Zusammenarbeit mit Wiener Schulen zu engagieren.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.03.2015)