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250.000 Kinder in Armut: Migranten am meisten betroffen

Symbolbild: Kinderarmut
(c) AP (Joerg Sarbach)
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Das Institut für Soziologie der Uni Wien hat die Gründe für Kinderarmut untersucht. Besonders gefährdet sind Kinder von Migranten und Arbeitslosen. 250.000 Kinder und Jugendliche leben in Armut oder sind akut davon bedroht.

Bereits 2006 hat die Statistik Austria errechnet, dass hierzulande 250.000 Kinder und Jugendliche in Armut leben oder akut davon bedroht sind. Das Institut für Soziologie der Universität Wien hat nun erstmals einen detaillierten Bericht (pdf) zur sozialen Lage von Kindern erstellt, wie das Ö1 Morgenjounal berichtet. Kinder mit Migrationshintergrund sind demnach besonders armutsgefährdet. Außerdem ist das Armutsrisiko für Kinder hoch, wenn nur ein Elternteil berufstätig ist.

Arbeitslosigkeit als Risiko

Kinder von arbeitslosen Eltern können überhaupt nur sehr eingeschränkt am sozialen Leben teilnehmen, sagt eine der beiden Herausgeberinnen des Berichts, Irina Vana, auf Ö1. Ein Drittel der Kindern bekomme bei Bedarf keine neuen Kleider oder könne aus finanziellen Gründen nicht jeden zweiten Tag Fleisch oder Fisch essen. Ein Viertel verfüge im Haushalt über keinen Computer, ein Drittel habe keinen Zugang zum Internet.

Wenn in einem Haushalt ein Einkommen von etwa 900 Euro pro Monat vorliegt, gilt er als armutsgefährdet. Wenn ein Kind dazukommt, liegt der Richtwert bei 1100 Euro.

Risikofaktor Migrationshintergrund

Etwa die Hälfte aller Kinder aus Zuwandererfamilien lebt dem Bericht zufolge in zu kleinen Wohnungen. Deshalb fehle auch der Platz und die Ruhe, um Hausaufgaben zu machen, sagt Ursula Till-Tentschert von der Uni Wien auf Ö1. Auch fehle der Platz, um etwa Freunde einzuladen, was sich wiederum stark auf das soziale Leben der Kinder auswirkt.  

Der Bericht kommt auch zu dem Schluss, dass sich die Situation von Kindern mit Migrationshintergrund auch dann kaum verbessert, wenn sie schon einige Jahre in Österreich leben und die österreichische Staatsbürgerschaft besitzen.

Forderung: Bedarfsorientierte Mindestsicherung

Die Wissenschaftlerinnen fordern eine Reform des Schulsystems, die bedarfsorientierte Mindestsicherung und eine eigene Grundsicherung für Kinder. Und sie fordern, dass derartige Berichte von zuständigen Ministerien erstellt werden.

>> Der Bericht der Uni Wien (pdf)

(Red.)