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Wohnungsaffäre: Kein Platz für Schwesternschülerin

Sonja Wehsely
Sonja Wehsely(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Bisher wurde in der Causa Janßen und Gierlinger damit argumentiert, es werde keiner Schwesternschülerin ein Platz weggenommen. Ob das stimmt, ist mehr als fraglich.

Wien. „Einer Klassenkollegin aus den Bundesländern wurde ein Platz in unserem Schwesternwohnheim verwehrt. Ihr wurde gesagt: ,Sie bekommen keinen – Sie müssen sich vorher um einen (normalen, Anm.) Wohnheimplatz bemühen.‘“ Diese Aussage von Krankenschwesternschülerin Petra Maier (der Name wurde geändert, der echte ist der Redaktion bekannt) lässt aufhorchen. Gegenüber der „Presse“ bestätigt sie: Es gebe Fälle, in denen Schwesternschülerinnen ein Platz in einem Schwesternheim des Krankenanstaltenverbundes (KAV) verweigert wird: „Einige aus meiner Klasse kommen aus den Bundesländern, sie warten noch immer auf eine Rückmeldung. Aber es kommt nichts.“

Für den KAV ist diese Aussage heikel. Vor allem, da der KAV in der Wohnungsaffäre („Die Presse“ berichtete) auch argumentiert hatte: Dass Udo Janßen als damaliger KAV-Vize (Gehalt ca. 150.000 Euro) in dem Schwesternturm in Ottakring zwei sozial geförderte Wohnungen bewohnt hatte, sei optisch zwar nicht schön, aber Janßen habe keiner Krankenschwesternschülerin einen Platz weggenommen. Dazu wurde auf hohe Leerstände in Heimen verwiesen. Ähnliches gilt für AKH-Technikdirektor Siegfried Gierlinger – er soll zwischen 150.000 und 200.000 Euro jährlich verdienen, zahlt aber nur 96 Euro Miete für eine 30-m2-Garconnière im selben Schwesternheim wie damals Janßen. Nun berichten aber gleichzeitig Schwesternschülerinnen wie Petra Maier von Problemen, einen Heimplatz zu bekommen.

 

Heimplätze werden abgebaut

Wie ist dieses Paradoxon zu erklären? Die Antwort liefert ein Bericht des Stadtrechnungshofs (StRH): „Durch das Konzentrationsprojekt wurden bzw. werden sukzessive Wohnheime für Schülerinnen reduziert bzw. aufgelassen, weshalb [...] immer weniger günstiger Wohnraum als soziale Unterstützung während ihrer Ausbildung zur Verfügung steht.“ Das heißt: Aus den Bundesländern kommen zwar weniger Schwesternschülerinnen, sprich man braucht weniger Plätze. Nur: Der KAV hat innerhalb von drei Jahren auch seine Heimplätze um 40Prozent reduziert. Laut StRH, ohne den wirklichen Bedarf zu kennen.

Das führt dazu, dass in mehreren Heimen keine neuen Plätze vergeben wurden, bis das Haus leer ist – womit bis zum Auslaufen des Heims (statistisch) eine sehr hohe Leerstandsquote entsteht. Dem Vernehmen nach sollen diese Häuser entsprechend verwertet werden, um die finanzielle Situation des KAV zu verbessern. Faktum ist: Janßen oder Gierlinger hatten keine Hürden zu überwinden, um eine Wohnung in einem modernen Schwesternwohnturm zu bekommen. Die Klassenkollegin von Petra Maier dagegen scheiterte. Dem Vernehmen nach, war sie nicht die Einzige. Der KAV betont, man könne zu diesem Fall nicht Stellung nehmen, ohne Akt und Namen der betreffenden Schwesternschülerin zu kennen – was Petra Maier aus Angst vor Konsequenzen verweigert. Bei Gierlinger kündigte AKH-Direktor Herwig Wetzlinger nun ein Rechtsgutachten an, das prüfen soll, ob Gierlingers Wohnung zum Sozialtarif rechtens ist.

 

Opposition fordert Rücktritt

Nach dem „Presse“-Bericht über die 96-Euro-Miete von AKH-Manager Gierlinger schlägt die Affäre politisch immer größere Wellen: „Es kommen beim KAV jeden Tag neue Unregelmäßigkeiten ans Tageslicht. Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely hat ihr Ressort völlig unzureichend im Griff“, kritisierte ÖVP-Chef Manfred Juraczka. FP-Klubchef Johann Gudenus fordert sogar den Rücktritt der Gesundheitsstadträtin: „Wehsely trägt die politische Verantwortung. Es ist nun so viel vorgefallen, dass sie zurücktreten muss.“

DIE VORGESCHICHTE

Sozialwohnung. Udo Janßen, Chef des Krankenanstaltenverbunds (KAV), bewohnte als Vizechef zwei Wohnungen in einem KAV-Heim, die eigentlich für sozial schwache Schwesternschülerinnen gedacht sind. Nachdem er zunächst nur einen Sozialtarif gezahlt hatte, gab es von ihm erst eine Nachzahlung auf eine ortsübliche Miete, als der Stadtrechnungshof einschritt. Siegfried Gierlinger, Technischer Direktor des AKHs, wohnt sogar bis heute in diesem Heim.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.03.2015)