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Energie: Wer überlebt den Ölpreisschock?

Oil-Bust Veterans Brace For Storm Unseen By Shale-Boom Neophytes
(c) Bloomberg (Brittany Sowacke)
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Der amerikanische Schieferöl-Boom wird heuer enden, prophezeit die Opec. Tatsächlich verdient die junge US-Branche beim heutigen Ölpreis kein Geld. Aber das dürfte sich ändern.

Wien. Die Revolution in den USA ist vorbei. Spätestens Ende des Jahres wird die Produktion der noch jungen Schieferöl-Branche wieder sinken, prognostiziert die Opec. Nun stammt diese „Expertise“ zwar aus der Feder der größten Rivalen der USA und hat daher wohl eine gewisse Schlagseite. Aber eines ist auch klar: Die Halbierung des Ölpreises seit vergangenem Sommer hat keine andere Region so hart getroffen wie die USA. Die Zahl der aktiven Bohrtürme ist dort im Jahresvergleich um 38 Prozent auf 1125 gesunken, zählt das Ölserviceunternehmen Baker Hughes. Im Rest der Welt mussten indessen nur fünf Prozent der Bohrungen geschlossen werden. Mit relativ hohen durchschnittlichen Förderkosten von 62 US-Dollar je Fass sind die amerikanischen Schieferölfelder bei einem Preis von rund 54 Dollar einfach kein Geschäft.

Aber steht deswegen gleich das Ende des Schieferöl-Booms vor der Türe, der die USA quasi aus dem Stand zum größten Ölproduzenten der Welt gemacht hat? Dem alten Opec-Kartell wäre das nur recht. Schließlich haben die Amerikaner den Ölscheichs zuletzt vermehrt Marktanteile abgenommen. Doch so schnell, wie es die Opec wünscht, wird der Niedergang auf keinen Fall vonstatten gehen. Noch im Vorjahr steuerten die USA beinahe den gesamten Anstieg der Ölförderung im Alleingang bei. Heuer und kommendes Jahr wird sich daran wenig ändern, erwartet die Internationale Energieagentur, eine Organisation der westlichen Industrienationen. Erst in der Vorwoche pumpte Amerika mit 9,4 Millionen Fass am Tag so viel Öl aus der Erde wie noch nie zuvor.

 

Kostendruck trifft auch SBO

„Der Schieferöl-Boom in den USA wird bestehen bleiben“, ist auch Tobias Lewe vom Beratungsunternehmen A.T.Kearney überzeugt. Die Unternehmen würden massiv Kosten einsparen und Arbeitsplätze streichen. „Der Glanz wird abnehmen, aber die USA werden einen Weg finden, aus dieser Krise herauszukommen“, sagt er zur „Presse“.

Betroffen von diesen Kostenkürzungen ist auch der österreichische Ölfeldausrüster Schoeller Bleckmann (SBO), dessen spezielles Bohrwerkzeug auch bei den amerikanischen Fracking-Bohrungen stark gefragt ist. Im Vorjahr konnte das Unternehmen den Umsatz zwar noch auf 488,6 Millionen Euro steigern. Der Nettogewinn sank jedoch – auch wegen einer Wertberichtigung der US-Tochter – um zwölf Prozent auf 54 Millionen Euro. Die Ölfirmen hätten die Ausgaben für die Suche nach neuen Förderquellen um 20 bis 30Prozent zurückgeschraubt, sagte Firmenchef Gerald Grohmann bei der Präsentation der Bilanzzahlen am Donnerstag. 2015 werde daher – trotz Auftragsrekords – ein besonders schwieriges Jahr. Stellenkürzungen seien bei SBO „in keinem Land ausgeschlossen“.

 

USA werden billiger werden

An ein baldiges Ende des amerikanischen Öltraums glaubt er nicht. Erstens seien die Durchschnittskosten von 62 Dollar je Fass ein simpler Mittelwert und damit „so falsch wie jede andere Zahl“. Es gebe Bohrungen, die mit 40 Dollar profitabel seien und andere, die mehr als 80 Dollar bräuchten. Zudem ist Grohmann „optimistisch“, dass es gelingen wird, die Fördertechnik so zu verbessern, dass auch ein Ölpreis unter 60 Dollar keine Gefahr für die USA darstelle.

Glaubt man dem Branchenexperten, dürfte die Bereinigung auf dem Markt ohnedies in absehbarer Zeit ausgestanden sein. Noch heuer werde sich das Wachstum von Angebot und Nachfrage nach Erdöl wieder ausgleichen und so Platz für neue Bohrprojekte und höhere Preise schaffen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.03.2015)