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Arbeitslose: Das Kreuz mit der Statistik

THEMENBILD: ARBEITSLOSIGKEIT / ARBEITSMARKT / STELLENMARKT
THEMENBILD: ARBEITSLOSIGKEIT / ARBEITSMARKT / STELLENMARKT(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)
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Die Statistik Austria hat ihre Methode zur Hochrechnung der Arbeitslosigkeit verändert. Damit steigt die Quote auf 5,6 Prozent. Das Arbeitsmarktservice kommt auf schlechtere Zahlen.

Wien. Anfang März verschickte die Europäische Statistikbehörde Eurostat eine Jubelmeldung. Demnach ist die saisonbereinigte Arbeitslosenquote im Jänner 2015 zurückgegangen. Österreich verzeichnete mit einer Quote von 4,8 Prozent die zweitniedrigste Arbeitslosigkeit hinter Deutschland (4,7 Prozent). Eurostat beruft sich bei den Österreich-Zahlen auf die Angaben der Statistik Austria.

Am gestrigen Donnerstag gab die Statistik Austria allerdings bekannt, dass sie ihre Methode zur Hochrechnung der Erwerbs- und Arbeitslosendaten geändert hat. Die Daten wurden rückwirkend für die vergangenen zehn Jahre revidiert. Statt fünf Prozent ergibt sich nach der neuen Gewichtung für das Vorjahr eine Arbeitslosenquote von 5,6 Prozent. Die Zahlen der Statistik Austria gehen auf Befragungen zurück. Die Ergebnisse werden dann hochgerechnet.

Die Statistik Austria hat nach eigenen Angaben jetzt ein verbessertes Hochrechnungsverfahren entwickelt. Demnach sollen im Vorjahr 244.900 Personen arbeitslos gewesen sein. Kritiker bemängeln seit Längerem, dass die von der Statistik Austria berechnete Quote viel zu niedrig angesetzt ist.

Denn das Arbeitsmarktservice (AMS) veröffentlicht wesentlich schlechtere Zahlen. Laut AMS waren im Vorjahr durchschnittlich 319.357 Personen arbeitslos gemeldet, was einer nationalen Arbeitslosenquote von 8,4 Prozent entspricht. Hinzu kommen noch 75.000 Personen, die sich in Schulungen befunden haben.

Im Februar 2015 ist die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen und Schulungsteilnehmer schon auf 466.266 Personen geklettert. Damit liegt die nationale Arbeitslosenquote bei 10,3 Prozent. Das ist ein massiver Unterschied im Vergleich zur Statistik Austria.

 

(C) DiePresse

Welche Zahlen sind korrekt?

Welche Zahlen stimmen nun? Im Gegensatz zur Statistik Austria macht das AMS keine Befragung, sondern verwendet die tatsächlich vorliegenden Daten. Trotzdem sind die Erhebungen der Statistik Austria nicht völlig sinnlos. Denn eines der Hauptprobleme in Europa ist, dass die nationalen Arbeitsämter völlig unterschiedliche Berechnungsmethoden verwenden. Manche Ämter rechnen aus der nationalen Quote beispielsweise die Schulungsteilnehmer oder Menschen mit einer Jobzusage heraus. Um trotzdem einen halbwegs akzeptablen Vergleich zwischen den einzelnen Ländern erstellen zu können, greift die Europäische Statistikbehörde Eurostat auf die Definition der International Labour Organisation (ILO) zurück.

Demnach ist jemand erwerbstätig, auch wenn er nur eine bezahlte Arbeitsstunde pro Woche geleistet hat. In ganz Europa machen die nationalen Statistikbehörden auf Basis der ILO-Definition ihre Umfragen. In Österreich werden pro Quartal rund 20.000 Personen befragt. Die Haushalte werden stichprobenartig ausgesucht. Solche Umfragen haben naturgemäß ihre Tücken. Nun hat die Statistik Austria bei ihrer Hochrechnung die sogenannte Non-Response-Gruppe neu zugeordnet und gewichtet. Dabei handelt es sich um diejenigen Personen, die bei solchen Befragungen nicht mitmachen. Denn in dieser Gruppe sollen sich – wie ein Vergleich mit anderen Daten ergeben hat – überdurchschnittlich viele Arbeitslose befinden.

„Die Presse“ hat die neuen Angaben der Statistik Austria für 2014 mit den jüngsten Eurostat-Zahlen von anderen Ländern verglichen (siehe Grafik). Demnach liegt Österreich noch immer auf Platz zwei. Spannend wird die Entwicklung in den nächsten Monaten sein. Denn in Österreich ist die Arbeitslosenquote zuletzt gestiegen, während sie in anderen Ländern zurückgegangen ist. Es ist möglich, dass Österreich im Eurostat-Ranking um einige Plätze nach hinten fällen könnte. Das wäre eine weitere Niederlage für die Regierung. Schließlich hat sich Österreich bereits in vielen anderen Standort-Rankings verschlechtert.

Die massiven Unterschiede bei den Quoten in Österreich lassen auch für andere Länder Schlimmes befürchten. Griechenland hat laut Eurostat-Umfrage eine Arbeitslosenquote von 25,8 Prozent. Es ist davon auszugehen, dass die tatsächliche Quote viel höher ist.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.03.2015)