International mitmischen

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Musikbusiness. Ein neuer Zertifikatslehrgang für Musikwirtschaft an der FH Kufstein soll die bestehenden Angebote ergänzen. Gemeinsames Ziel: heimischen Musikschaffenden, -managern und -verlegern kompaktes Wissen zu vermitteln.

Erste Erfahrungen im Musikbusiness sind sicher gut, offizielle Zugangsvoraussetzungen haben wir aber nicht“, erläutert Verena Teissl, Vizerektorin der Fachhochschule Kufstein, die Kriterien einer möglichen Teilnahme am neuen Lehrgang Musikwirtschaft. Die Professorin für Kulturmanagement, Kultur- und Kommunikationswissenschaften sieht das Programm als „praxisorientierte Weiterbildung für ein erfolgreiches Agieren im Musikbusiness, als Professionierung klassischer und neuer Tätigkeitsfelder im Musikbusiness“. Neben Label- und Verlagswesen, Künstlermanagement und der Live-Industrie beschäftigt es sich daher auch mit der Bedeutung von Vermarktung und internationaler Vernetzung in der Musikbranche. Zielgruppe sind daher: Musikmanager, A&R Manager (Künstlerbetreuung), Booking Agent, Digital Rights Manager, Licensing/Sync Rights Manager, Aufgabenfelder von Labels, Verlagen oder Verwertungsgesellschaften.

 

Sprung in die Internationalität

Besonders die Internationalität ist eine große Herausforderung. Denn die österreichische Popmusik feiert zwar gegenwärtig beachtliche Erfolge im In- und Ausland „und erlebt einen großen Aufschwung“, so Teissl. „Doch für die Durchdringung anderer Märkte ist die Produktion noch zu klein.“ Wie diese und andere Herausforderungen gemeistert werden können, welche Lösungen es schon gibt und welche erarbeitet werden müssen, ist ebenso Teil der Weiterbildung wie eine fundierte musikwissenschaftliche Basis.

Zu den Lehrenden zählen daher neben international tätigen Persönlichkeiten wie Martin Brem oder Shain Shapiro auch der Urheberrechtsexperte Dietmar Dokalik und Peter Tschmuck von der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (IKM), ein Experte für Musikwirtschaftsforschung. Weiters werden Veranstalter, Agenturbetreiber, A&R- und Verlagsmanager aus Österreich und Deutschland Einblick in ihre Arbeit geben, etwa der Musikmanager Hannes Tschürtz von Ink Music, einer Agentur für Musik und Kulturkommunikation, und Lektor des Studiengangs Sport-, Kultur- und Veranstaltungsmanagement der FH Kufstein. „Zwei Dinge sind für das Vorankommen in der Musikwirtschaft elementar“, meint er, „fundiertes Sachwissen und ein exzellentes Netzwerk.“ Für beides soll der Lehrgang, den er mitinitiiert hat, den Grundstein legen.
Das Programm findet an fünf Wochenenden von Oktober bis Dezember 2015 an der FH Kufstein und in der IKM statt. Die Exkursion führt im Februar 2016 zur Musikbusinesskonferenz nach Ljubljana. Die Kosten belaufen sich auf rund 1500 Euro, nach Stipendienträgern wird laut Teissl noch gesucht.

Auch die Akademie Deutsche Pop setzt vermehrt auf Internationalität: Sie arbeitet mit der University of West London zusammen und kann daher für den Bachelor Music Management, der auf dem Diplom Musikmanager aufbaut und auch berufsbegleitend absolviert werden kann, einen international gültigen akademische Abschluss vergeben. Zum Portfolio der Akademie mit einer Niederlassung in Wien gehören traditionell vor allem Workshops und halbjährige, miteinander ergänzbare Kurse, auch in anderen Sparten wie Tanz oder Komposition. Die Dozenten und Kursleiter stammen aus dem In- und Ausland, die Kurse werden in Deutsch und Englisch abgehalten.

 

Neues Berufsbild

Wesentlich umfangreicher ist die Weiterbildung beim Master of Art Musikmanagement der Donau-Universität Krems, die heuer bereits zum zehnten Mal angeboten wird. In vier Semestern wird Musiktheorie, -wirtschaft, -management, Recht und Medien vermittelt, ein Semester ist für die Masterthese vorgesehen. „Zielgruppe sind Musiker, die neben der künstlerischen auch die wirtschaftliche Seite ihres Berufs beherrschen lernen wollen“, so Eva Maria Stöckler, die wissenschaftliche Leiterin des Studiengangs, „aber auch Leute aus der Musikwirtschaft und Absolventen der Musikwissenschaft, die den Master als Berufsausbildung sehen.“ Schwerpunkte sind „alle Veränderungen, auf die wir im Curriculum auch sehr frei eingehen können“, so Stöckler. Etwa die Digitalisierung von Musik und die Globalisierung der Musikwirtschaft, die die künstlerischen Produktionsbedingungen für Musikschaffende und die Strukturen des Markts sehr verändert haben. „Musikfähige Handys etwa waren zu Beginn des Studiums ja noch unvorstellbar“, so Stöckler.

Das Studium wird per Blended Learning abgehalten und setzt noch mehr als bisher auf Inputs und Dozenten aus Großbritannien. Neben der Internationalität soll somit auch der traditionellen Unterscheidung zwischen Musikschaffenden, -produzenten, -vermittlern und Musikmanagern ein neues Berufsbild entgegensetzt werden, das künstlerische, wissenschaftliche und Managementaspekte vereint.

INFORMATION

Einige Möglichkeiten, sich in Österreich Know-how zu Musik und Wirtschaft zu holen:

•FH Kufstein/IKM Wien: Zertifikatslehrgang Musikwirtschaft, fünfmal zwei Tage, Beginn Herbst 2015, Informationstag am 9. April in Wien (Mica),

www.fh-kufstein.ac.at/musik

•Deutsche Pop: Bachelor Music Management, (Vollzeit und berufsbegleitend, in englischer Sprache), zahlreiche Kurse und Workshops, www.deutsche-pop.com

•Donau-Universität Krems: Masterstudium Musikmanagement, berufsbegleitend, Start im Herbst 2015, www.donau-uni.ac.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.03.2015)