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„Das ist eine Schwarzzone“

FILE IRAN NUCLEAR DEVELOPMENTS
(c) EPA
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Die UN-Beauftragte Angela Kane über atomare Abrüstung, die Zukunft des Atomwaffensperrvertrags und die Schrecken von Japan.

Die Presse: Ab Ende April findet in New York die Überprüfungskonferenz zum Atomwaffensperrvertrag (NPT) statt. Sehen Sie Chancen, dass es bei der atomaren Abrüstung Fortschritte geben könnte?

Angela Kane: In der nuklearen Abrüstung weniger. Die Erwartungshaltung der Nichtnuklearstaaten ist sicherlich hoch. Eines der Ziele des NPT war ja Abrüstung. Da hat man in den vergangenen Jahren keinen Fortschritt gesehen. Und auch die Nato hat die Doktrin der nuklearen Abschreckung bestätigt.

Vier Atomstaaten gehören dem NPT nicht an: Pakistan, Indien, Nordkorea und Israel. Ist der NPT noch das richtige Format, um Atomabrüstung zu verhandeln?

Das ist eine große Lücke, denn sie sind nicht an Inspektionen gebunden und man weiß nicht, wie deren Programme aussehen. Das ist eine Grau-, ja eigentlich Schwarzzone. Aber man sollte den Vertrag nicht aus dem Fenster werfen, sondern versuchen, die vier Staaten mithineinzubringen. Das ist schwierig bei Nordkorea, aber könnte bei Indien, Pakistan und auch Israel möglich sein.

Chemiewaffen sind verboten. Als sie in Syrien eingesetzt wurden, war der Aufschrei groß. Bei Nuklearwaffen ist das nicht so.

Die Verurteilung, die es bei Chemiewaffen gibt, findet bei Nuklearwaffen nicht statt. Das hat mich immer gewundert. Doch hat man bei den chemischen Waffen die Auswirkungen wirklich gesehen – bei Atombomben hat man nur die Beispiele von Hiroshima und Nagasaki von vor 70 Jahren. Die wenigen Aufnahmen und Filmauszüge, die es davon gibt, werden fast nicht mehr gezeigt, weil sie so erschreckend sind. Vielleicht wäre es gut, wenn man sie öfter zeigen würde, damit die Menschen sehen, welch schreckliche Folgen Atomwaffen haben. Das lässt einen nicht kalt. (raa)

ZUR PERSON

Angela Kane, Jahrgang 1948, ist seit 2012 Abrüstungsbeauftragte der Vereinten Nationen. Die deutsche UN-Karrierediplomatin setzte nach dem Einsatz von Chemiewaffen in Syrien 2013 eine Untersuchung des Angriffs durch die UNO durch, was dann zur Zerstörung der Waffen führte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.03.2015)