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Gedränge zur nordischen Sonnenfinsternis

NETHERLANDS SOLAR ECLIPSE
(c) APA/EPA/BART MAAT
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Himmelsspektakel. Auf den Färöern und auf Spitzbergen wurde es (fast) ganz dunkel.

Stockholm. Zur Sonnenfinsternis am Freitag erlebten die nördlichsten Posten der europäischen Zivilisation einen ungewöhnlich großen Touristenansturm aus aller Welt. Denn die zum dänischen Königreich gehörenden Färöer-Inseln im Nordatlantik und die nordnorwegische Inselgruppe Spitzbergen lagen in der Zone der totalen Sonnenfinsternis.

Allein auf den Färöer-Inseln wohnten laut Tourismusdirektorin Gudrid Höjgaard zwischen 8000 und 10.000 Touristen dem Spektakel bei. Viele kamen mit Kreuzfahrtschiffen. „Für uns hier, mit nur 500 Gästebetten, sind das ziemlich viele“, sagte Höjgaard. Einige der anwesenden Touristen hatten bereits 1999 eines der wenigen Hotelzimmer für die Sonnenfinsternis gebucht. Auf den Färöer-Inseln war es zunächst bewölkt. „Viele Schaulustige haben sich extra einen Flugzeugplatz gesichert, um über den Wolken zu sein, damit sie die Sonnenfinsternis so klar wie möglich erleben“, so Höjgaard.

 

Von Eisbären attackiert

Die Wolkendecke öffnete sich glücklicherweise pünktlich zur Sonnenfinsternis. Zehn Minuten lang wurde es immer dunkler. Die Färinger tanzten wild mit ihren Nationalflaggen in der Dämmerung, es wurde gesungen und geschrien. „Das war wie ein religiöses Erlebnis, ohne dass es religiös war“, sinnierte ein schwedischer Tourist. „Ganz dunkel wurde es allerdings auch hier nicht. Die Vögel zwitscherten weiter“, räumte er nach dem Spektakel etwas enttäuscht ein. Immerhin aber war die kurze optische Verwandlung der Sonne zu einer Sichel vom Boden aus deutlich zu sehen, als der Mond weiterzog.

Auch im norwegischen Spitzbergen waren tausende Touristen zugegen. Bei allem Trubel um die Sonnenfinsternis vergaßen einige, dass die Inselgruppe auch Heimat von zahlreichen Eisbären ist. Die scheuen Tiere waren anscheinend durch die vielen Menschen und die bevorstehende Sonnenfinsternis aufgestachelt. Ein extra aus Tschechien angereister Tourist wäre fast von einem Eisbären verspeist worden. Er hatte aufgrund der wenigen Hotelbetten gezeltet. Als er morgens aufwachte, war ein Eisbär in seinem Zelt und griff ihn an. Eine bewaffnete Frau aus einem Nachbarzelt erlegte das Tier mit drei Schüssen. Der Mann musste die Sonnenfinsternis mit leichten Verletzungen vom Krankenhausbett aus betrachten. „Die Touristen, die wir hier normalerweise haben, sind besser auf die Tierwelt vorbereitet“, kommentierte Tourismuschef Ronny Brunvoll trocken.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.03.2015)