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Gold kommt weiter nicht in die Gänge

Gold bars from the vault of a bank are seen in this illustration picture taken in Zurich
Goldbarren(c) REUTERS (ARND WIEGMANN)
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In der Vorwoche verschaffte sich das Edelmetall etwas Luft, die Trendwende ist das aber noch lang nicht.

Nach der Sitzung der US-Notenbank Fed machte die Goldnotierung am vergangenen Mittwoch einen schnellen Freudensprung. Die von den Gold-Aficionados so herbeigesehnte Trendwende war das aber nicht. Denn schon wenige Stunden nach US-Börsenschluss traten in Asien wieder die Verkäufer in Aktion. Seither dümpelt das Edelmetall vor sich hin – und verharrt weiter in seinem ziemlich stabilen Abwärtstrendkanal.

Es sieht also ganz danach aus, als würden die düsteren Prognosen für das Edelmetall, die mittelfristig von einem Absacken der Notierung in die Gegend von 1000 Dollar je Feinunze ausgehen, weiterhin Gültigkeit besitzen. Zumindest in Dollar, der Währung, in der das Edelmetall weltweit gehandelt wird. Da hat sich seit Jahresbeginn so gut wie nichts getan, während beispielsweise wichtige Börsenindizes zweistellig im Plus liegen. Goldanleger aus dem Euroraum können wegen des insgesamt gesunkenen Eurokurses wenigstens Währungsgewinne verbuchen.

Fundamental spricht derzeit wenig für das Edelmetall. Zwar brennen von der Ukraine bis zum Nahen Osten einige weltpolitische Lunten, das an sich kurstreibende politische Risiko ist aber offenbar zu schwach, um das frühere Krisenmetall in die Gänge zu bringen. Zumal zwei andere wichtige preisbestimmende Faktoren in die falsche Richtung deuten: Der Dollar steigt (trotz einer kleinen Gegenbewegung des Euro in den vergangenen Tagen) weiter, was Goldanleger nicht sonderlich schätzen. Und die Inflationserwartungen sind weiterhin gering. Hohe Inflationsraten sind ja ein wesentliches Motiv dafür, in Gold zu investieren. Allerdings: Die gerade in Gang gekommene Geldschwemme aus dem QE-Programm der EZB wird ganz offensichtlich in den Aktienmarkt umgeleitet und findet nicht den Weg dorthin, wo sie Preisinflation auslösen könnte. Solange trotz massiver Anleihekäufe der EZB eher die Sorge vor dem Abrutschen in die Deflation regiert, wird Gold von dieser Seite keine Unterstützung bekommen. Und das kann noch länger dauern.

Charttechnisch sieht die Sache auch nicht gerade rosig aus. Erst wenn die Notierung auf rund 1270 Dollar steigt, würde sich dieses Bild aufzuhellen beginnen. Davon sind wir aber rund 100 Dollar entfernt. Am unteren Ende würde ein Abrutschen unter 1150 den Abwärtsdruck wahrscheinlich erhöhen. Als Sicherheitsanker für ein Depot ist Gold (in Maßen) also schon geeignet, als Renditebringer vorerst nicht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.03.2015)