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Jemens Regierung bittet um ausländische Intervention

Anti-Houthi Demonstranten im Jemenwestern city of Taiz
Anti-Houthi Demonstranten im JemenREUTERS
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Der Außenminister ersucht um Hilfe gegen die schiitischen Houthi-Rebellen. Ein UN-Sondergesandter warnt vor unmittelbar drohendem Bürgerkrieg,

Die Lage im Jemen gerät endgültig außer Kontrolle: Jemens Außenminister Riyadh Yaseen bat am Montag die arabischen Staaten am Golf um eine Miliärintervention, um den Vormarsch der schiitischen Rebellen der "Houthi-Miliz" zu stoppen. "Sie bauen ihren Gebietsbesitz aus, besetzen Flughäfen und Städte, greifen Aden mit Flugzeugen an", sagte der Minister in einem Interview mit dem Sender Al-Jazeera. "Wir haben vor dem Golfkooperationsrat und der UNO auch um die Einrichtung einer Flugverbotszone gebeten, und darum, dass verhindert werde, dass die Houthi von besetzten Flughäfen aus Flugzeuge einsetzen."

Der Jemen droht nach den Worten des UN-Sondergesandten Jamal Benomar in einen Bürgerkrieg abzugleiten. Es drohe ein langwieriger Konflikt wie in Syrien oder Libyen, sagte Benomar am Sonntagabend bei einer Krisensitzung des UN-Sicherheitsrates.

Das Gremium sagte dem vor der schiitischen Houthi-Miliz geflüchteten Präsidenten Abd Rabbo Mansour Hadi seine Unterstützung zu. Die Rebellen verlegten am Montag weitere Kämpfer in den Süden des Landes.

Kämpfer der Houthi in Sana'a
Kämpfer der Houthi in Sana'aREUTERS

Benomar, der aus Katar in die Sitzung zugeschaltet wurde, warnte, der Jemen stehe "am Rande eines Bürgerkriegs". Das Land werde weiter "in Gewalt" und schlimmere Verwerfungen abgleiten, wenn nicht sofort etwas unternommen werde. Der Sondergesandte drängte die Konfliktparteien, "den Ernst der Situation zu erkennen" und die Feindseligkeiten und die Gewalt zu beenden.

Der Sicherheitsrat werde sich weiterhin für die "Einheit, Souveränität, Unabhängigkeit und territoriale Integrität" des Jemen einsetzen und dem jemenitischen Volk beistehen, hieß es in einer Erklärung, die die 15 Mitglieder des Gremiums einstimmig verabschiedeten.

Armee verliert Flugplätze

Im Jemen herrschen seit Jahren politisches Chaos und Gewalt. Die Houthi, die aus dem Norden des Landes stammen, waren seit vorigem Sommer auf Sanaa vorgerückt. Im Jänner übernahmen sie mit der Einnahme des Präsidentenpalastes die Kontrolle über die Hauptstadt. Der Präsident floh Ende Februar in die südliche Küstenstadt Aden. Nach Selbstmordanschlägen auf schiitische Moscheen in Sanaa war die Lage am Freitag weiter eskaliert, die Houthis stoßen weiter nach Süden vor. Bereits am Sonntag schlugen sie nach Angaben aus Sicherheitskreisen auch in der drittgrößten Stadt Taiz (Taes) die Regierungsarmee zurück und übernahmen die Kontrolle über den Flughafen und eine Militärbasis.

T-54 einer regierungstreuen Miliz im Südjemen
T-54 einer regierungstreuen Miliz im SüdjemenREUTERS

Am Montag rückten die Rebellen weiter nach Süden vor. Nach Zusammenstößen mit Stammeskämpfern mussten zwei Konvois der Houthi aber umdrehen, wie aus Sicherheitskreisen verlautete. In der Nachbarprovinz Ibb zogen die Houthi demnach rund 5000 Mann und 80 Panzer zusammen. In der Provinz Lahj nördlich Aden sollen regierungstreue Truppen und paramilitärische Einheiten aufmarschiert sein, die Präsident Hadi unterstützen.

Schiiten gegen Sunniten

Der Befehlshaber der Houthi-Milizen, Abdel Malek al-Houthi, hatte seine Anhänger am Sonntag zu einer Offensive im Süden aufgerufen, die sich gegen die rivalisierenden sunnitischen Extremistengruppen Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (Aqap) und Islamischer Staat (IS) richten solle. Den Präsidenten kritisierte er als "Marionette in den Händen der Kräfte des Bösen, angeführt von den Vereinigten Staaten".

Zahlreiche ausländische Botschaften wurden in den vergangenen Wochen geräumt und Ausländer außer Landes gebracht. Die USA zogen vorige Woche ihre im jemen stationierten Spezialtruppen und Militärberater ab, übers Wochenende verließen auch britische Spezialeinheiten etwa des SAS und SBS das Land.

IS gesteht Groß-Attentat ein

Der IS bekannte sich unterdessen zu einem Angriff auf jemenitische Sicherheitskräfte in Lahj, bei dem am Freitag 29 Menschen getötet worden waren. Die "Löwen" des IS hätten dort 29 "Ungläubige" getötet, hieß es in einer Erklärung auf Twitter. Die POlizei hatte zuerst den al-Kaida-Ableger Ansar al-Sharia für den Angriff verantwortlich gemacht. Der IS hatte sich nach den Anschlägen auf die Moscheen am Freitag, bei denen 142 Menschen getötet worden waren, erstmals zu einem Attentat im Jemen bekannt. (ag.)