Aktionär Bank Austria wird sich an der geplanten Kapitalaufstockung der Oberbank nicht beteiligen. Ab 9. April sollen trotzdem bis zu 1,9 Millionen neue Aktien begeben werden.
Wien. Ab 9. April will die Oberbank per Kapitalerhöhung Geld einsammeln. Der Ausgabepreis soll eine Woche zuvor festgelegt werden, die Bandbreite liegt bei 45 bis 55 Euro. „Das ergibt bis zu 1,9 Millionen neue Aktien“, sagte Oberbank-Generaldirektor Franz Gasselsberger am Dienstag in Wien vor Journalisten.
Die Kapitalerhöhung soll demnach 86 bis 105 Mio. Euro bringen. Der Streubesitz (19,3 Prozent) dürfte um zwei bis drei Prozentpunkte steigen. Denn der größte Kernaktionär, die Bank Austria (bzw. ihr Vehikel Cabo), macht bei der Oberbank-Kapitalerhöhung nicht mit. Zumindest sieht Gasselsberger „Indikationen, dass die Bank Austria diesmal nicht mitzieht“. Die Bank Austria hält derzeit 32,5 Prozent der Stammaktien der Oberbank.
Gewinn steigt um elf Prozent
Dass die Schwesterinstitute der Oberbank hingegen schon mitziehen, sollte nicht überraschen. Dabei geht es um die ebenfalls börsennotierten Oberbank-Schwesterbanken BTV (Bank für Tirol und Vorarlberg) und BKS Bank, die je 18,5 Prozent halten und mit Wüstenrot (5,13 Prozent) syndiziert sind. Laut Gasselsberger hat die Bank Austria schon bei der jüngsten Kapitalerhöhung der Klagenfurter BKS im Oktober nicht mitgemacht. Kleine Einschränkung der Oberbank mit Hinblick auf Griechenland: Der Start zur Ausgabe junger Oberbank-Aktien setzt voraus, dass in der Woche vor dem 9. April keine Marktverwerfungen oder Stimmungsänderungen stattfinden.
Laut Gasselsberger ist darüber hinaus geplant, eine 30 Mio. Euro Kernkapitalanleihe (Tier-1) zu begeben. „Wir möchten unseren Kapitalpuffer weiter aufbauen.“ Das harte Kernkapital wird für 2014 mit 10,95 Prozent ausgewiesen, die Kernkapitalquote mit 11,6 Prozent. Heuer sollen es 12,6 Prozent werden und bis zum Jahr 2020 mehr als 13 Prozent. Für 2014 hat die Bank mit 2014 Beschäftigten bei einem Bilanzsummenzuwachs um 1,4 Prozent auf 17,77 Mrd. Euro eine gut elfprozentige Gewinnsteigerung gemeldet. Das Betriebsergebnis lag bei 235,6 Mio. Euro, das Nettoergebnis bei 136,5 Mio. Euro. Die Dividende wird um zehn Prozent auf 55 Cent aufgestockt. Das hat der Aufsichtsrat abgesegnet.
Auch die Kreditrisikovorsorgen wurden im vergangenen Jahr um 10,5 Prozent auf 78 Mio. Euro erhöht, bei einem Kreditwachstum um 4,8 Prozent auf 12,3 Mrd. Euro. Die Wertberichtigungsquote wird mit 0,64 Prozent angegeben. „Bei der Oberbank wird es im ersten Quartal 2015 unterm Strich null Kreditwertberichtigungen geben. Das hat es noch nie gegeben“, sagte Gasselsberger.
Wien wird Kernmarkt
Neudotierungen und Auflösungen hielten sich die Waage. Auf das Jahr gesehen werde das nicht anhalten. Für 2015 ist die Bank zuversichtlicher als die Wirtschaftsforscher. Den Jahresgewinn sieht der Vorstand annähernd bei den Rekordwerten von 2014.
Ende 2014 hatte die Bank 156 Filialen, davon acht neue: je drei in Deutschland und in Tschechien, jeweils eine in Wien und Ungarn. Bis 2020 sollen es in Summe 180 Filialen sein, bei dann rund 2100 Mitarbeitern. In dieser Zeit soll das Kreditvolumen um ein Drittel auf 16,4 Mrd. Euro steigen. In Wien – das jetzt Kernmarkt ist – sollen heuer vier Filialen auf dann 25 dazukommen, auf Sicht sollen es 30 oder 32 sein. „Man braucht auch eine gewisse Sichtbarkeit, man muss wahrgenommen werden.“
Mit dem Schuldenschnitt auf Hypo-Alpe-Adria-Anleihen mittels Sondergesetz vom Sommer 2014 hat die Oberbank zehn Mio. Euro verloren. Die Summe wurde in der letzten Bilanz vollständig abgeschrieben, eine Verfassungsklage der Bank gegen den vorjährigen Haircut läuft. (jil/Ag.)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.03.2015)