Der Bonus wurde bereits mehr als 5000 mal ausgeschüttet. Manche Autokäufer sind unsicher, ob sie die Prämie noch bekommen. Autofahrer-Klubs fordern die Möglichkeit zur Reservierung.
Wien/Berndorf. Eigentlich wollte er sein Auto noch gar nicht weggeben. Fünf, sechs Jahre hätte er es bestimmt noch behalten, sagt Dedic Nadir und öffnet die Motorhaube seines Citroen XM. „Da, alles intakt.“ Wie in einer Kutsche habe er sich in seinem Wagen gefühlt, erzählt Nadir.
Doch dann hörten Nadir und seine Frau von der Verschrottungsprämie. Als das Ehepaar erfuhr, dass es 1500 Euro für den 13Jahre alten Wagen bekommt, fiel der Entschluss, das Gefährt früher als geplant gegen ein neues einzutauschen. Beim Renault-Händler im zehnten Wiener Bezirk bestellten sie einen roten Renault Clio für 15.900 Euro. „Es ist der erste Neuwagen meines Lebens“, sagt Nadir.
Mit seiner Entscheidung, die Prämie in Anspruch zu nehmen, steht er nicht alleine da. „Die Aktion läuft sehr gut“, erzählt Gerhard Floquet, der Neuwagen-Verkaufsleiter des Autohauses an der Laaer Berg Straße. Gut 130 Autos habe er über sein Vertriebssystem dank der Verschrottungsprämie bereits abgesetzt. „70 Prozent davon sind Kleinwagen“, sagt er.
Tag der Anmeldung entscheidet
Österreichweit wurde bis Freitag laut Finanzministerium bereits mehr als 5000 Anträgen auf die Prämie stattgegeben. Insgesamt werden die 1500 Euro an exakt 30.000 Autokäufer ausgeschüttet. Viele Käufer fürchten bereits jetzt, das versprochene Geld nicht mehr zu bekommen. Das Problem: Für die Prämie ist das Datum der Anmeldung relevant. Kauft sich jemand jetzt ein Auto, muss aber einen Monat auf sein neues warten, kann es sein, dass der Geldtopf zum Zeitpunkt der Auslieferung ausgeschöpft ist.
Und das erhitzt nicht nur die Gemüter bei den Autofahrerklubs. Sie sprechen sich bereits seit Wochen für eine Möglichkeit zur Reservierung, wie es sie in Deutschland gibt, aus. Außerdem fordern sowohl ÖAMTC und ARBÖ als auch die Fahrzeughändler eine Ausweitung des Kontingents. „Wir haben den Kampf noch nicht aufgegeben“, sagt Gustav Oberwallner, der Sprecher des Fahrzeughandels. Er verweist darauf, dass es besser für die Umwelt sei, alte Autos von der Straße zu bringen.
Das Wirtschaftsministerium denkt aber nicht daran, die Zahl von 30.000 zu erhöhen. „Wir werden die Aktion so zu Ende bringen wie ursprünglich geplant“, erklärte Waltraud Kaserer vom Wirtschaftsministerium der „Presse“.
Dedìc Nadir muss jedenfalls keine Angst haben, um sein Geld „umzufallen“. Da er den Neuwagen direkt im Geschäft gekauft hat und nur wenige Tage auf die Lieferung warten musste, sollte das Geld in ein paar Tagen auf seinem Konto sein, so es das Finanzamt will. Zumindest bis Mai oder Juni dürfte das Kontingent von 30.000 Auszahlungen noch reichen. Danach wird es knapp. Zwar hat die Industrie bereits angekündigt, eventuell die 1500 Euro für jene, die um die Prämie ansuchen, aber nicht mehr bekommen, zu ersetzten. Fix ist das aber noch nicht.
Bekommt man weniger Rabatt?
Doch nicht nur dieser Punkt sorgt für hitzige Diskussionen. Denn von den 1500 Euro übernimmt der Staat die Hälfte. 500 Euro muss der Importeur zuschießen, 250 Euro der Händler. Die Autofahrerklubs warnen, dass diese Kosten auf versteckte Weise in Form von geringeren Rabatten vom Konsumenten getragen werden müssen.
„Das passiert sicher nicht“, sagt Oberwallner. Zwar würde es ab und an vorkommen, dass bei „sehr niedrigen Preisen einfach kein Puffer mehr da ist“. In diesem Fall müsse man das dem Konsumenten eben sagen und dürfe die 750Euro keinesfalls „versteckt“ auf den Kaufpreis aufschlagen.
Dass gerade das durchaus passiert, zeigt ein „Presse“-Lokalaugenschein im niederösterreichischen Berndorf. „Von irgendwo müssen wir das Geld ja hernehmen“, sagt der Verkaufsleiter eines größeren Autohauses. Deshalb sei es Usus, bei den Verhandlungen über einen Rabatt „die Hosen weniger weit runterzulassen“, sobald man hört, dass der Käufer die Prämie in Anspruch nehmen will.
Das sei zwar verständlich, weil die Gewinnspanne ohnehin schon „extrem klein ist“, erklärt Oberwallner. Allerdings „darf das einfach nicht vorkommen“, meint er. Viel eher müsse man darauf aufmerksam machen, wenn man die 750 Euro aufschlagen müsse. Die Empfehlung der Autofahrerklubs: Zuerst den Preis aushandeln und erst dann erwähnen, dass man die Verschrottungsprämie in Anspruch nehmen will.
AUF EINEN BLICK
■Die Verschrottungsprämie, auch Ökoprämie genannt, gibt es in Österreich seit dem ersten April. Wer sein altes Auto verschrotten lässt und sich dafür ein neues kauft, bekommt 1500 Euro.
■Die Hälfte der Kosten übernimmt der Staat, 500 Euro die Autoimporteure und 250 Euro der Händler. 45 Mio. Euro wurden für die Prämie budgetiert, das reicht für 30.000 Schrottautos. Um Anspruch zu haben, muss das alte Auto mindestens 13 Jahre alt sein.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.04.2009)