Die karitativen Stiftungen der Reichen planen langfristig und geben auch in schlechten Zeiten.
WIEN/BRÜSSEL. Wenn das kein böses Omen ist: Seit 29. März ist www.philanthropyineurope.comwieder zu haben. „THE news source on leading philanthropists in Europe“, so die Selbstbeschreibung, ist nicht mehr. Kommt der wohltätige Einsatz persönlichen Vermögens in Europa unter die Räder der Rezession?
Nein, meint Gerry Salole, Chef des European Foundation Centre in Brüssel, das dafür lobbyiert, dass es EU-weit klare Regeln darüber gibt, was eine wirklich gemeinnützige Stiftung ist und was bloß der „Steuerschonung“ dient. „Die Krise wird die Spreu vom Weizen trennen und die Ethik der Stiftungen verbessern“, sagt er zur „Presse“. „Die besten Institutionen lassen sich in ihren Programmen nicht beirren.“
Jede zweite Stiftung betroffen
Eine der führenden philanthropischen Organisationen ist die Robert Bosch Stiftung in Stuttgart. Sie schüttete 2008 rund 60,1 Mio. Euro an akademische und soziale Einrichtungen aus. „Wir rechnen für 2009 nicht mit einem Rückgang der Dividende“, sagte die Pressesprecherin Susanne Staerk zur „Presse“. Allerdings bereite man sich auf Einsparungen vor, weil andere Stiftungen, mit denen die Robert Bosch Stiftung zusammenarbeitet, in Geldnöte kommen. Darauf deutet auch eine Umfrage des European Foundation Centre vom Oktober 2008 hin. Nur etwas mehr als die Hälfte der befragten europäischen Stiftungen gab an, nicht von der Krise betroffen zu sein.
Zwar mag man vermuten, dass die Menschen in miesen Zeiten weniger spenden. Die Statistik, zumindest jene für die USA, widerlegt dies. Während der Depression der 30er-Jahre stiegen die Spenden. Nur 1987, nach dem „Black Monday“ an der Wall Street, verging den Amerikanern die Spendierlaune.
Denn wer ernsthaft wohltätig ist, denkt in längeren Zeiträumen. „Ich habe das Glück, es mir leisten zu können“, sagt Gerd Klaus Gregor, einst Vorstand der Schoeller-Bleckmann Oilfield Equipment AG in Ternitz und seit 19 Jahren Rotarier. Er fördert „Start“, ein Stipendienprogramm für begabte Zuwanderer, die Matura machen wollen. „Wir brauchen Migration, und es ist nötig, den jungen Leuten zu helfen“, sagt Gregor und verweist auf seine persönliche Erfahrung als Flüchtlingskind aus dem Sudetenland. „Ich hatte eine glückliche, aber arme Kindheit. Ich weiß, wie es ist, nichts zu haben.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.04.2009)