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Airbus: Warum sich die Cockpit-Tür nicht öffnen ließ

Archivbild: Cockpit einer A320.
Archivbild: Cockpit einer A320.(c) REUTERS (KHAM)
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Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hat der Copilot des A320 den Piloten absichtlich ausgesperrt und den tödlichen Sinkflug eingeleitet - die Crew hatte keine Chance, die Cockpit-Tür zu öffnen.

Die Cockpit-Tür der A320 ist vielleicht die sicherste Barriere im Flugzeug, denn seit dem Terroranschlag in den USA am 11. September 2001, bei denen die Attentäter in die Schaltzentrale der Flugzeuge vorgedrungen waren und das Steuer übernahmen, wurden die Sicherheitsmaßnahmen in Flugzeugen international verschärft. Doch dies könnte beim Absturz von Flug 4U9525 verheerend gewesen sein.

Kurz vor dem Absturz der Germanwings-Maschine mit 150 Toten soll nach Angaben von Ermittlern unter Berufung auf Auswertungen des bereits gefundenen Stimmrekorders einer der beiden Piloten nicht im Cockpit gewesen sein. Mit Klopfen und Treten gegen die Tür soll er jedoch versucht haben, wieder in das Cockpit zu kommen.

Warum er das Cockpit verlassen hat und er anschließend nicht mehr wieder zurück konnte, bleibt unklar. Bei kleinen Flugzeugen, beispielsweise dem verunglückten A320 oder der Boeing 737, müssen die Piloten ihren geschützten Cockpit-Raum verlassen, wenn sie etwa auf die Toilette gehen wollen, berichtet "Die Welt".

Elektronische Verriegelung der Cockpit-Tür

Will ein Crew-Mitglied das Cockpit betreten, muss es den Piloten zuvor über ein Telefon um Erlaubnis bitten. Im Routinefall ertönt für wenige Sekunden ein Summer im Cockpit, sodass der verantwortliche Pilot die Verriegelung elektronisch lösen kann. Im Notfall bleibt der Summer dauerhaft an und die Tür sollte sich nach 15 bis 120 Sekunden öffnen lassen. Ist der Pilot im Cockpit ohnmächtig und sein Kollege draußen hat den fünfstelligen Code vergessen, hat auch der Chef de Cabine einen Code zum Öffnen der Tür.

Wie das System genau funktioniert, erklärt dieses >> Video <<

Dieser ermöglicht das Öffnen der Tür, wenn er nicht binnen 30 Sekunden vom Inneren des Cockpits annulliert wird. Als letzte Möglichkeit steht – etwa beim Ausfall der Elektrik – ein Schlüssel zur Verfügung, der sich in der Obhut des Chef de Cabine befindet. Das alles funktioniert allerdings nicht, wenn sich der Pilot im Cockpit einschließt – er kann mit einem Kippschalter den Notfall-Code von außen für etwa fünf bis 20 Minuten blockieren. Erst nach Ablauf der Zeitspanne wäre der Zutritt erlaubt. Auf diesem Weg könnte der Pilot des Flugs 9525 den Kapitän ausgesperrt haben.

In den USA gilt bereits die Zwei-Personen-Regel im Cockpit: Immer, wenn ein Pilot das Cockpit verlässt, muss ein anderes Crewmitglied seinen Platz einnehmen. Auf die Frage, ob dies künftig auch bei der Lufthansa vorstellbar sei, antwortete Vorstandsvorsitzender Carsten Spohr am Donnerstag mit: „Ich sehe dazu derzeit keinen Anlass.“ Die „Norwegian“ verkündete jedoch nach den jüngsten Ermittlungsergebnissen, dass bei ihrer Fluglinie ab sofort „immer zwei Leute im Cockpit sein müssen“.

Absichtlicher Flugzeugabsturz im Jahr 2013

Bei einem Flugzeugabsturz im Herbst 2013 im Norden Namibias ließ der Pilot aus Mosambik die Maschine mit 34 Menschen an Bord absichtlich abstürzen. Laut Untersuchungsbericht schloss er sich im Cockpit ein, als der Co-Pilot gerade draußen war, ignorierte Warnsignale sowie Rufe des Co-Piloten, der Einlass forderte und gegen die Tür hämmerte.

Bekannt sind auch Fälle, in denen sich die Cockpit-Tür aus technischen Gründen nicht mehr öffnen ließ. Im Mai 2013 musste in Indien ein Flug von Air India notlanden, weil der Pilot nach einem Gang zur Toilette nicht mehr ins Cockpit kam. Die Tür war verschlossen. Daraufhin musste der Co-Pilot alleine landen.

Bei größeren Flugzeugen gibt es Kameras und Monitore, um zu sehen, wer vor der Cockpit-Tür steht. Auch das Anmelden der Rückkehr via Bordtelefon ist üblich. Großraumflugzeuge wie der A380 oder der neue Boeing-Jumbojet 747-8 haben eine eigene Toilette im abgeriegelten Bereich. Laut Luftfahrtbundesamt ist es europaweit generell zulässig, dass der Pilot oder Co-Pilot das Cockpit zeitweise verlässt, ohne dass ein Flugbegleiter oder eine Stewardess vorübergehend als zweite Person ins Cockpit kommt.

 

>> Bericht auf "Die Welt"

(Red.)