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Nach Absturz: Fluglinien setzen auf Vier-Augen-Prinzip im Cockpit

Archivbild: Cockpit eines A320-Airbus
Archivbild: Cockpit eines A320-Airbus(c) APA/EPA/JASON CALSTON / AIRBUS HANDOUT (JASON CALSTON / AIRBUS HANDOUT)
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Immer mehr Fluglinien reagieren auf den Germanwings-Absturz mit einer Änderung ihrer Cockpit-Regeln. Diese gelten ab sofort auch im Cockpit österreichischer Airlines.

Die Umstände des Germanwings-Absturzes vom Dienstag über Südfrankreich haben immer mehr Fluglinien bewogen, ihre Regeln im Cockpit zu ändern. Demnach müssen die Cockpits in Zukunft immer von zwei Personen während eines Fluges besetzt sein. Geht einer der beiden Piloten hinaus, muss jemand von der Crew einstweilen seinen Platz einnehmen. Mittlerweile haben alle deutschen Fluggesellschaften diese Zwei-Personen-Regel eingeführt.

Diese Regel gilt ab sofort auch in Österreich: Die Austro Control hat im Auftrag des Verkehrsministeriums eine Betriebstüchtigkeitsverlautbarung erstellt, die ein Vier-Augen-Prinzip im Cockpit österreichischer Airlines vorsieht. Die Regelung wurde als Folge des Germanwings-Absturzes vereinbart und gilt ab heute, Freitag. Am Nachmittag wird es mit den heimischen Fluglinien Austrian Airlines und flyniki Gespräche geben, wie die Verlautbarung umzusetzen ist, hieß es aus dem Verkehrsministerium. Die Betriebstüchtigkeitsverlautbarung (Safety Directive) ist im Luftfahrtsgesetz verankert.

EU prüft Einführung der "Zwei Personen-Regel"

Auch die EU prüft die Einführung der "Zwei Personen-Regel" in den Cockpits europäischer Airlines. "Wir erwägen im Moment kurzfristige Maßnahmen", hieß es am Freitag aus der EU-Kommission. Zuständig für die Sicherheitsregeln im europäischen Luftraum ist die EU-Flugsicherheitsagentur EASA. Diese kann entweder verbindliche "Flugtüchtigkeitsrichtlinien" oder nicht-bindende Empfehlungen erlassen. Auch die Empfehlungen hätten Gewicht, hieß es in Kommissionskreisen.

Nach den derzeitigen EU-Vorschriften sollen die Piloten im Cockpit bleiben, außer unter außergewöhnlichen Umständen. Es gibt aber keine Verpflichtung, dass ein hinaus gehender Pilot durch eine andere Person ersetzt werden muss.

USA: Zwei Personen im Cockpit Pflicht

In der europäischen Luftfahrt war es nach Angaben eines Sprechers der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) bisher nicht vorgeschrieben, dass ein Pilot, wenn er das Cockpit verlässt, durch ein Besatzungsmitglied ersetzt wird. In den USA sehen die Richtlinien der Luftfahrtbehörde FAA hingegen vor, dass sich grundsätzlich zwei Personen im Cockpit befinden.

"Die ständige Anwesenheit von zwei Personen im Cockpit ist Pflicht", sagte eine FAA-Sprecherin. Sollte sich einer der Piloten entfernen müssen, so müsse er für diese Zeit von einem Besatzungsmitglied ersetzt werden. In Reaktion auf den Germanwings-Absturz in Südfrankreich verschärfte auch Kanada seine Sicherheitsvorschriften für die Luftfahrt. Die Zwei-Personen-Regel gelte ab sofort, erklärte Verkehrsministerin Lisa Raitt in Ottawa.

Australien überprüfte unterdessen die Regeln für die Cockpit-Besetzung. Die Regierung habe von den australischen Fluglinien Information zu ihren Abläufen im Cockpit angefordert, berichtete die Nachrichtenagentur AAP am Freitag. Australien wolle sicherstellen, das Fliegen auch weiterhin die sicherste Transportmethode bleibe, sagte Regierungschef Tony Abbot. Australische Fluglinien sind derzeit nicht verpflichtet, dass sich immer mehr als ein Besatzungsmitglied im Cockpit aufhält.

 

(APA)