Der Run auf Gold

Gold
Gold(c) REUTERS (OSMAN ORSAL)
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Gold ist schon wieder im Sinkflug – und bietet damit Kaufgelegenheiten für Anleger, die sich vor einer drohenden Hyperinflation fürchten. Den Kaufzeitpunkt sollte man sehr genau wählen.

Der Run auf Gold hält unter verunsicherten Anleger unvermindert an. Aber ganz nachvollziehbar ist er nicht: Der Preis für das Edelmetall oszilliert seit einem Jahr zwischen 700 und 1000 Dollar. Im Laufe dieser zwölf Monate ist er beim Versuch, die 1000-Dollar-Marke zu überspringen, zweimal gescheitert. Und es deutet wenig darauf hin, dass er das in absehbarer Zeit schaffen könnte.

Im Gegenteil: Derzeit zeigt die Preiskurve nach unten. Die immer noch anhaltende Bärenmarktrallye an den Aktienmärkten hat den Goldpreis zuletzt auf unter 900 Dollar gedrückt. Nicht wenige „Chartisten“ gehen davon aus, dass er auch die achthundert Dollar „knacken“ könnte.

Wer meint, Gold gegen die nach der Krise drohende Hyperinflation akkumulieren zu müssen, sollte den Kaufzeitpunkt in diesem Schaukelmarkt also sehr genau wählen. Viele Goldanleger, die immer in die Rallyephasen hineingekauft haben, sitzen nämlich bereits auf recht satten Verlusten. Ein Einstiegsszenario wird sich allerdings ergeben, wenn der Preis in den kommenden Tagen in Richtung 800 Dollar wandert. Das könnte durchaus passieren. Und zwar dann, wenn die durch lockerere Bilanzierungsregeln schönfrisierten Quartalsbilanzen der US-Banken so ausfallen, dass die Aktienrallye noch weitergeht.


Nächste Hiobsbotschaft. Doch die Finanzkrise ist noch nicht ausgestanden. Die nächste Hiobsbotschaft kommt bestimmt – und damit der nächste Goldpreisschub. Nur vor den Prognosen allzu optimistischer Analysten, die den Goldpreis bei 1500 Dollar oder noch höher sehen, sollte man sich hüten. Das Edelmetall ist zwar weiterhin eine praktikable „Krisenwährung“, hat aber viel von seinem Glanz eingebüßt.

Der Besitz von physischem Gold – Barren oder Münzen – hat in den vergangenen 30 Jahren nämlich nicht den versprochenen Inflationsschutz, sondern nur Verluste gebracht. Um nur die Inflation seit den Achtzigerjahren abzudecken, müsste Gold jetzt mehr als 2000 Dollar je Feinunze kosten. Die hohen Kosten für die Lagerung (Barren kann man ja nicht unter der Matratze bunkern) und die beträchtlichen Spannen zwischen Ankaufs- und Verkaufspreisen bei Münzen und Barren sind da noch gar nicht mitgerechnet.

Wer physisches Gold zu Anlagezwecken hortet, muss also schon mit sehr schlimmen Szenarien rechnen. Mit solchen, in denen Geld völlig wertlos wird und das Edelmetall zum Krisentauschmittel wird.

Dann hilft nur physisches Gold: Zertifikate, Optionen und andere Finanzinstrumente auf den Goldpreis sind dann für den berühmten Hugo. Denn eine Wette mit einer Bank (Option) beziehungsweise eine Schuldverschreibung einer Bank (Zertifikat) sind nur so lange werthaltig, wie die emittierende Bank existiert und solvent ist.


Spesenfreundlich. Derzeit sind allerdings Zertifikate und Optionen die entschieden spesenfreundlichere Methode, um von den erratischen Schwankungen des Edelmetallpreises zu profitieren. Allerdings nur für Geübte: Besonders Optionsscheine können, wenn der Markt „falsch“ läuft, wegen der klarerweise auch nach unten funktionierenden Hebelwirkung und der zeitlichen Begrenzung zur Falle werden. Da ist speziell bei kurzen Restlaufzeiten das Geld schneller weg, als der Anleger „stop loss“ sagen kann. Mit „Aussitzen“ geht da gar nichts.

Und bei den häufig recht kompliziert konstruierten und mit allerlei spielerischen Elementen angereicherten Zertifikaten sollte man sich nicht nur den Emittenten, sondern auch die Konstruktion etwas genauer anschauen. Der Zertifikateboom hat seine Ursache nämlich auch darin, dass er für die Emittenten sehr lukrativ ist.

Apropos Zertifikate und deren Emittenten: Wer wissen will, wie es dem Emittenten „seines“ Zertifikats wirklich geht, ist oft auf sehr spärliche und unsichere Informationen angewiesen (wozu auch Kreditratings der großen Ratingagenturen zählen, die sich in der Krise ja nicht gerade mit Ruhm bekleckert haben).

Dabei gibt es ein Maß, das relativ viel über die Bonität aussagt: Die Preise für die sogenannten Credit Default Swaps (CDS), das ist eine Art Versicherung gegen Zahlungsausfälle, die am Kapitalmarkt gehandelt werden. Diese Daten sind auch für „Kleine“ zugänglich. Beispielsweise veröffentlicht der Deutsche Internetdienst Börse-Online (www.boerse-online.de) regelmäßig die CDS-Sätze für die wichtigsten Emittenten. Da schneiden derzeit übrigens französische Banken wie BNP Paribas und Société Générale mit Sätzen zwischen 97,5 und 113 besonders gut ab, während US-Institute wie Citigroup oder Merrill Lynch mit Sätzen jenseits von 500 inferior liegen.

An den Aktienmärkten ist weiter Vorsicht angesagt. Zwar ist die Rallye in der Vorwoche weitergegangen, und sie wird, wenn in der anlaufenden Berichtssaison für das erste Quartal nicht noch böse Überraschungen lauern, wohl auch in der kommenden Woche anhalten. Aber die teils saftigen Kurszuwächse sind wohl nicht mehr als Korrekturen überzogener Abstürze.

Ein Beispiel ist der ATX-Vorwochensieger: Die Voestalpine hat fast 20Prozent zugelegt, obwohl es fundamental nicht wirklich aufregende Neuigkeiten gegeben hat. Im Gegenteil: Nach einer Rückstufung durch BNP Paribas (von „Neutral“ auf „Underperform“ liegt der Kurs schon über dem neuen Kursziel von zwölf Euro. Da ist in nächster Zeit wohl nicht allzu viel drin.

josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.04.2009)

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