Şenol Akkılıç: Polarisierender Grüner

WIENER LANDTAG UND GEMEINDERAT: AKKILIC
(c) APA/HERBERT PFARRHOFER
  • Drucken

Der grüne Gemeinderat, der zur SPÖ überlief, hatte erst vor Kurzem für Aufregung gesorgt.

Wien. Mit Freitagmorgen wechselte der Grün-Mandatar Şenol Akkılıç überraschend zur SPÖ. Damit hatte die Partei von Bürgermeister Michael Häupl plötzlich 50 von 100 Stimmen im Wiener Landtag und konnte die Wahlrechtsreform, die Akkılıçs Ex-Partei durchziehen wollte, doch noch verhindern.

Der gebürtige Türke (49), der normalerweise nicht als unberechenbar oder unbeherrscht gilt, war seit 1994 bei den Grünen und saß seit 2010 für die Partei im Stadtparlament. Allerdings erhielt er von den Grünen für die Wien-Wahl keinen wählbaren Listenplatz mehr – nach dem 11. Oktober hätte er also seinen Sessel räumen müssen. Akkılıç, dessen Hauptaugenmerk auf dem Thema Integration, Jugend und Soziales liegt (er arbeitete auch für den Wiener Integrationsfonds), war anfangs einfacher Arbeiter – er hatte die Hauptschule Märzstraße in Rudolfsheim-Fünfhaus absolviert. In der Folge schaffte er aber den sozialen Aufstieg samt Studienabschluss.

Wenn der meist unauffällige Akkılıç für Aufregung sorgt, macht er das nachdrücklich und polarisierend – nicht nur mit seinem Wechsel zur SPÖ. Erst am Mittwoch sorgte er für Aufregung, als er seine Rede im Gemeinderat auf Türkisch begann. Und das bei dem Thema „Lebenssprache Deutsch, Integration durch Sprache“. Er erklärte dazu: „Ich habe sinngemäß gesagt: ,Ich freue mich, dass ich Sie in Türkisch und Deutsch ansprechen darf.‘“ (red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.03.2015)


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.