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Anpfiff für türkischen Mobilfunker Fenercell

Turkey super league derby match between Fenerbahce and Besiktas at Sukru Saracoglu Stadium in Istanb
(c) imago/Seskim Photo
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Ins Netz von A1 hat sich der türkische Mobilfunk-Anbieter Fenercell eingemietet. Dahinter steht der Fußballklub Fenerbahçe Istanbul. Er will künftig Fans in Österreich auch beim Telefonieren an sich binden.

Wien. Österreich ist um einen Mobilfunkanbieter reicher. Der vor allem für seinen Fußballklub bekannte Verein Fenerbahçe Istanbul wird künftig unter dem Namen Fenercell eigene Fan-Tarife anbieten. Mit allem was dazugehört. Das Gründungsjahr 1907 findet sich in der Vorwahl (0688/1907) sowie auch im Preis wieder. Für die technischen Ressourcen zeichnet A1 verantwortlich. Dazu zählen neben der Bereitstellung des Netzes auch die Abrechnung und Rechnungslegung.

Doch der anvisierte Markt ist nicht allzu groß. Selbst im Heimatland Türkei hat der Anbieter lediglich eine Million aktive Nutzer. Und das, obwohl man mit einem ähnlichen Angebot bereits vor fünf Jahren gestartet ist. Hierzulande ist die Fenerbahçe-Community mit Sicherheit kleiner als im Heimatland Türkei. Auf Facebook gibt es 50.000 in Österreich lebende Fenerbahçe-Fans. Bei der Telekom Austria geht man allerdings davon aus, dass es hierzulande 250.000 potenzielle Fenercell-Kunden gibt.

Daher geht auch A1 selbst nicht davon aus, dass man dadurch eigene Kunden verlieren wird. Die Zielgruppen unterscheiden sich voneinander, und es ist auch nicht das Mobilfunk-Angebot selbst, das im Vordergrund steht, sondern vielmehr die emotionale Komponente. Das den Klubfarben entsprechende blau-gelbe Design des Fenerbahçe-Istanbul-Vereins findet sich nicht nur in der SIM-Karte wieder. Vor allem spezielle Aktionen wie Fußballtickets und Rabatte sollen die Anhänger anlocken. Normalerweise erhält man bei der Neuanmeldung vom Anbieter ein Smartphone. Hier gibt es hingegen Fan-Artikel wie Trikots oder Schlüsselanhänger.

Es ist nicht der erste Versuch Fenercells, im Ausland durchzustarten. Bereits 2010 versuchte sich das Unternehmen in Deutschland. Damals im Netz von E-Plus. Doch das erste Auswärtsspiel endete mit einer Niederlage. 2013 wurden die Aktivitäten in Deutschland eingestellt. Auch der deutsche Spitzenklub Borussia Dortmund war mit dem Versuch, seine Fans mit einem Handytarif zu begeistern, wenig erfolgreich.

Nun versuchen es die Türken in Österreich. „Begonnen hat alles per Zufall“, gesteht der für das Projekt zuständige A1-Manager, Stefan Amon, im Gespräch mit der „Presse“. Vor einem Jahr habe er auf einem internationalen Kongress für virtuelle Mobilfunkanbieter die Leute von Fenercell kennengelernt. Danach habe man wenig Zeit verloren. Am Freitag wurde das Projekt also in Istanbul präsentiert.

 

Handytarife für Red Bull, Hofer und Co.

Für A1 ist es nicht die erste Kooperation in diesem Bereich. Seit einem halben Jahr gibt es Red Bull Mobile, das ebenfalls von A1 technisch gestemmt wird. Auch die Konkurrenz schläft nicht. Mit der Übernahme von Orange durch „3“ (Hutchison) wurde der Markt für alternative Anbieter geöffnet. In diesem Jahr ging bereits der Lebensmittelhändler Hofer mit HOT an den Start. Auch das Telekabel-Unternehmen UPC ist seit Jahresbeginn als Mobilfunkanbieter tätig. Seit geraumer Zeit gibt es auch Pläne von Ventocom-Chef und Rapid-Präsident, Michael Krammer, den Wiener Traditionsverein mit einem eigenen Handytarif zu beglücken. Vorerst blieb es aber nur bei Ankündigungen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.03.2015)