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Alfred Gusenbauer: Aus dem Gemeindebau in die Welt

Alfred Gusenbauer
Alfred GusenbauerBruckberger
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Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer war selbstbewusst, fleißig, neugierig - und hatte Glück.

Alfred Gusenbauer gehört sonst nicht zu jenen, die eigene Erfolge herunterspielen. Sein Weg gilt als exemplarische Erfolgsgeschichte, wie es ein Kind aus einfachen Verhältnissen an die Spitze schafft, in Gusenbauers Fall ins österreichische Bundeskanzleramt. „Nicht alles, was ich geschafft habe, ist Ergebnis meiner eigenen Leistung“, sagt Gusenbauer im Gespräch mit der „Presse“. „Ich habe in meinem Leben einfach viel Glück gehabt.“

Da gab es etwa den Volksschuldirektor, der darauf drängte, dass der gute Schüler auf das Gymnasium gehen müsse. „Ich sollte eigentlich auf die Hauptschule und danach eine Lehre machen.“ Doch die Eltern – der Vater Bauarbeiter, die Mutter später Putzfrau – willigen ein. „Mein Vater hat gesagt, wenn du die Aufnahmsprüfung schaffst, werden wir dich unterstützen.“ Eines habe er aber ebenso deutlich gemacht: „Wenn du die Schule nicht bestehst, bist du am Montag beim Baumeister Scheiblauer, da kannst dich mit Krampen und Schaufel gleich anstellen.“ Die Aufgabenverteilung war klar: „Er verdient Geld, ich bringe eine ordentliche Leistung in der Schule.“

Gusenbauer wuchs in einem Gemeindebau in Ybbs an der Donau auf. Mit drei Jahren kam er in den Kindergarten, „so wie alle anderen auch“, die meisten Eltern in der Siedlung waren beide berufstätig. „Da ist man zu Mittag zum Essen heimgegangen, zur Oma meistens, und danach wieder in den Kindergarten, das war ein Riesenspaß.“

Erst in der ersten Klasse Gymnasium sei ihm aufgefallen, dass die Gesellschaft gar nicht so homogen war, wie es in frühen Kindheitstagen schien. „Jeder musste sich vorstellen und sagen, was der Vater von Beruf ist. Der eine hat ,Molkereidirektor‘ gesagt, der andere ,Lehrer‘, und dann bin ich drangekommen und habe ,Bauarbeiter‘ gesagt. Das war für mich ganz normal. Erst später kam ich drauf, dass ich wohl das einzige Arbeiterkind war.“

Gusenbauer verdient ab seinem 14. Lebensjahr Geld mit Nachhilfestunden und als Ministrant. „Ich habe einen Schilling fünfzig für eine Messe gekriegt, zwei Schilling für eine Hochzeit und drei für ein Begräbnis.“ Er spart mit einem Ziel: zu reisen. Mit 15 Jahren geht es los: „Ich habe meine Mutter davon in Kenntnis gesetzt, dass ich mich für einen Monat verziehe.“ Mit zwei Schulfreunden („Ihre Eltern erlaubten es nur, weil sie mich für so vernünftig hielten“) geht es mit dem Zug quer durch Europa. „Mein Bedürfnis war immer, einmal um die ganze Welt zu fahren und mir alles anzuschauen.“ War es wirklich so einfach, wie es klingt? „Es war auch der Zug der Zeit. Die 1970er-Jahre standen im Zeichen des Aufbrechens der alten Klassengesellschaft, Aufstieg über Bildung, das war nicht nur sozialdemokratische Propaganda von Kreisky und Sinowatz, sondern führte ja wirklich in einer großen Masse der Bevölkerung zu mehr Bildung und mehr Chancen.“

Auch als sich Gusenbauer nach der Matura für ein Studium in Wien entscheidet, steht der Vater hinter ihm. „Er hat sich genau ausgerechnet, was ich im Monat brauche. Ich habe 3000 Schilling bekommen, und er hat gesagt, damit musst du auskommen. Und das war dann auch so.“


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