Die Verschrottungsprämie macht Kleinwagen sexy. Aber gibt es denn keine Alternativen? von Walter Gröbchen
Neulich, bei einem dieser in Mode gekommenen Creative-Industries-Symposien, wurde mir wieder mal die Zukunft präsentiert. Ich musste ja leise lachen, als auf der Projektionsleinwand ausgerechnet ein Segway-Roller aufleuchtete, als Sinnbild dafür, wie wir in absehbarer Zeit alle drauf und dran wären. Von wegen urbane Mobilität, neue Arbeit/Freizeit-Modelle, frische Ideen und so weiter und so fort. Sagt Ihnen der Name Segway etwas? Es ist ein paar Jährchen her, da geisterte die Mär von der Quasi-Neuerfindung des Rades durch die Medien. Was letztlich das Licht der Öffentlichkeit erblickte, war gewiss innovativ, nicht unoriginell, aber auch nicht die Revolution per se: ein zweirädriger Karren mit Elektroantrieb und gyroskopischer Steuerung. Auf diesem Gefährt stehend sah man alsbald behelmte Touristen die Ringstraße in Wien entlangsurren, auch ein Stadtrat kontrollierte so motorisiert „sein“ Donauinselfest. Wacklig, aber wacker.
Aber ist der Segway eine probate Zukunftshoffnung für den Individualverkehr? Eher nicht. Was Massen bewegt, muss keine Massenbewegung sein. Bislang wurden in Österreich etwa 2500 Stück abgesetzt. Die Dinger sind teuer: Unter 8000 Euro läuft nichts. Eventuell könnte eine Verschrottungsprämie helfen. Aber was verschrotten? Opas Elektrorollstuhl? Skateboards, alte Vespas, seltene Kabinenroller, schnuckelige Mopedautos? Ich würde ja kurzerhand jene Automobile einziehen, die plötzlich aussehen wie übrig gebliebene Saurier aus der güldenen Ära vor dem Paradigmenwechsel: ein Audi Q7 etwa, ein Porsche Cayenne oder VW Touareg (von einem Volkswagen zu sprechen erschiene mir als Hohn). Von Jeep Cherokees und Hummer-Privatpanzern ganz zu schweigen. Ab in die Schrottpresse mit diesen Sinnbildern einer opulenten, dekadenten Vergangenheit!
Bleibt die Gegenwart. Solange uns nicht die Chinesen oder Inder, tatütata!, mit fahrenden Mikro- und Nano-Blechskulpturen beglücken, halten wir uns an Minis, Smarts und IQs mit vertrauten Markennamen. Oder darf's doch ein Segway sein? Den Personal Transporter gibt's bald auch – entwickelt in Kooperation mit General Motors (!) – als überdachte Variante („Puma“). Ähnelt einem sowjetischen Marsmobil. Bei aller neu entdeckten Erotik moderner Goggomobile: Der ausgeklügeltste und sympathischste mobile Untersatz bleibt auf absehbare Zeit – das Fahrrad.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.04.2009)