Zu wenig Wissen über "gute" Geldanlagen

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Die meisten Österreicher fühlen sich bei nachhaltigen Geldanlagen zu wenig informiert. Niedrigere Renditen würden die Anleger für eine bessere Welt in Kauf nehmen.

Wien. Durch Konsumverhalten könne man die Welt verbessern, meinen viele Österreicher. So werden Biolebensmittel und Hybridautos gekauft, in der Hoffnung, weniger COzu produzieren. Auch beim Kleidungskauf achten die Konsumenten mittlerweile auf faire Arbeitsbedingungen für Näherinnen.

Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Doch wenn es um die Geldanlage geht, scheinen die meisten Privatanleger eher konservativ zu sein. Warum dem so ist, wurde an der Universität Graz erforscht, im Rahmen einer Studie, die die Raiffeisenbank und das Ökosoziale Forum in Auftrag gegeben haben. Dazu wurden 334 Privatinvestoren gefragt ob sie in nachhaltige Produkte investieren, beziehungsweise warum sie dies nicht tun.

Die Anleger werden vor allem von der mangelnden Information und der Intransparenz der Produkte abgeschreckt. So wussten beispielsweise 18 Prozent nicht, dass man Geld in nachhaltige Veranlagungsformen investieren kann. 56 Prozent hatten zwar davon gehört, aber noch nie derartige Produkte gekauft. Grund seien eben die mangelnde Information und die Intransparenz bei nachhaltigen Geldanlagen, schrieben die Studienautoren.

Von den 334 Befragten hatten immerhin 26 Prozent bereits in nachhaltige Finanzprodukte investiert. Allerdings würde die Hälfte wegen mangelnder Transparenz beziehungsweise unzureichender Informationen wahrscheinlich nicht noch einmal derartige Produkte kaufen.

Grundsätzlich sind die meisten Privatanleger gegenüber nachhaltigen Investments aufgeschlossen. Sie würden sogar durchschnittlich auf 1,31 Prozent der Rendite pro Jahr verzichten. Jedoch halten viele Anleger nachhaltige Geldanlagen schlicht und einfach für unglaubwürdig. Das liegt wohl auch daran, dass es bisher keine rechtlich verbindlichen Kennzeichnungen für Finanzprodukte gibt. Daher kann theoretisch jede Bank Produkte als nachhaltig bezeichnen.

 

Wachstumsmarkt Nachhaltigkeit

Trotz des Informationsmangels wächst dieser Markt in Österreich deutlich. Im Jahr 2013 lag das Volumen bei 7,1 Milliarden Euro. Das ist ein Wachstum von 27 Prozent gegenüber 2012. Allerdings sind zwei Drittel davon institutionelle Anleger, wie Vorsorgekassen oder Versicherungen. Im Gegensatz dazu ist der Anteil an Privatanlegern in den Jahren 2012 und 2013 sogar zurückgegangen.

Trotzdem erwarten Experten auf dem heimischen Markt ein Wachstum von 44 Prozent für die kommenden zehn Jahre. Vorreiter in Österreich ist die Privatbank Schellhammer & Schattera, die für den früheren Haupteigentümer, die Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften, strenge Ethikrichtlinien einhalten musste. In dem wachsenden Markt haben aber auch schon große Institute wie Erste Bank oder Raiffeisen Fuß gefasst.

Die Fondsmanager der Banken suchen die Unternehmen nach bestimmten Kriterien aus. Schellhammer&Schattera und Raiffeisen lassen sich von Ratingagenturen wie Oekom Research und MSCI ESG Research beraten, die sich auf diesen Bereich spezialisiert haben.

Die Erste Bank arbeitet mit einem externen Umweltbeirat und dem WWF zusammen. Die Unternehmen in den Fonds werden regelmäßig bewertet. Sollte eine der Firmen nicht mehr in das „Ethikuniversum“ passen, wird es herausgenommen, egal wie gut es vom Markt bewertet wird. Beurteilungskriterien gibt es verschiedene, etwa Umweltschutz oder Arbeitsbedingungen. So findet man auch den deutschen BMW-Konzern wieder, da er als Arbeitgeber Topbewertungen hat.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.03.2015)