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Wenn die Disco zur „Innviertler Hasenjagd“ einlädt

(c) imago stock&people
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SubtextSchlichte Dummheit macht noch keine Nazis. Und doch steht eine Party namens „Innviertler Hasenjagd“ für Unsensibilität.

Eierlikör um 1,50 Euro, eine Überraschung für „Haserln“ und Oster-Gogo-Tänzerinnen. Aus der Schlichtheit der Veranstaltung machen die Betreiber der Disco am Rande Rieds kein Geheimnis, wenn sie zur „Innviertler Hasenjagd“ laden. Im Internet (dort wurde der Name auf Hasenjagd reduziert) und auf Plakaten werben sie damit, nebst junger Frau – lasziver Blick, nackte Schulter, Plüschohren und Pistole, die noch raucht.

Hasenjagd. Da denken nicht wenige an die Mühlviertler Hasenjagd im Februar 1945, an hunderte Häftlinge, die aus dem Konzentrationslager Mauthausen fliehen und die mithilfe der Bevölkerung gejagt und ermordet werden. Der zynische SS-Begriff dafür als Party-Slogan sorgt für Protest.

Pflegt da ein „ewig braunes“ Oberösterreich seinen Ruf? Auch wenn es bei der Party im „Sugarfree“ – die Disco hat keinen einschlägigen Ruf, aber Ausländer lasse man dort nicht so gern hinein, wie man hört – wohl nicht darum ging, Opfer dieser Menschenhatz zu verhöhnen. Der Disco-Betreiber jedenfalls nannte das Plakat später „unglücklich gewählt“. Man habe keine Vergleiche ziehen wollen.

„Vor allem ist das Plakat dumm und frauenverachtend“, sagt Robert Eiter, Vorstand des Mauthausen-Komitees und Sprecher des Netzwerkes gegen Rassismus und Rechtsextremismus, ein konsequenter Mahner, wenn es ums Anstreifen an NS-Diktion geht. Denn im Fall des Plakats sind nicht etwaige explizite NS-Sympathiebekundungen das Problem. Eine vielleicht völlig ahnungslose Gestaltung einer Werbung macht längst keinen Nazi.

Aber es geht ums Anstreifen, um Unsensibilität, um Herumlavieren um ein Gedankengut in einer Gegend, in der man an Stammtischen vor 20 Jahren ganz selbstverständlich noch über Juden- und KZ-Witze gelacht hat. Und in der das mitunter noch geschieht – während man, auch das mancherorts noch selbstverständlich – Bier-Mix „Neger“ trinkt. In der, wie Eiter sagt, sich in der Tätergesellschaft eine Sensibilität für die Opfer erst seit der Causa Waldheim durchgesetzt hat. Und speziell in einem Bundesland, in dem – Stichwort Objekt21 – ein bekanntes Netzwerk Rechtsradikaler lange ignoriert und erst ausgehoben wurde, als kleinkriminelle Machenschaften aufflogen. In dem immer wieder Veranstaltungen Rechtsradikaler erst nach Protest abgesagt werden. Oder in dem die Zahl rechtsextremer Straftaten zuletzt markant gestiegen ist. Und da, so Eiter, gehe es nicht um Postings im Internet, sondern um Schüsse auf ein islamisches Kulturzentrum oder das Schänden von Mahnmalen.

Die Straftaten der harten Rechten stehen freilich auf einem anderen Blatt als eine dumme Party-Werbung. Ignoranz und Unsensibilität aber sind nicht allein Probleme des „braunen“ Oberösterreich: Warb man doch in der Steiermark erst 2013 für eine Schlager-Party namens „Kristallnacht“.

E-Mails an: christine.imlinger@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.04.2015)