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Die saure Milch der Planwirtschaft

Die Milchquoten-Abschaffung ist eine Riesenchance.

Dass planwirtschaftliche Kartelle nicht funktionieren (beziehungsweise nur dann, wenn man sie wegen Nachfrageüberschusses ohnehin nicht braucht, wovon etwa die Opec ein Lied singen kann), ist eine alte Binsenweisheit. Eine, die jetzt auch die europäische Agrarbürokratie begriffen hat. Die Milchquote ist also seit heute Geschichte.

Sie hat nicht funktioniert, weil sich niemand daran gehalten hat. Auch in Österreich ist sie ja dramatisch „übererfüllt“ worden. Eine unternehmerisch durchaus nachvollziehbare Handlungsweise, kam es doch darauf an, vor dem Aus für die Quote noch schnell Märkte zu besetzen. Nur: Wenn sich jemand wundert, dass bei krasser Überproduktion keine vernünftigen Produktpreise erzielbar sind, dann lässt das doch auf gewisse Bildungsdefizite in Sachen Wirtschaft schließen.

Jetzt wird gejammert, dass das Auslaufen der Quote „die Produktionskosten erhöhen“ wird. Ähem . . . wird es natürlich nicht. Dass der Marktdruck (wenn man ihn überhaupt zulässt, von echtem Markt sind die Agrarier ja noch Lichtjahre entfernt) zu Effizienzsteigerungen zwingt und die Produktionskosten deshalb nicht erhöht, sondern senkt, ist unterdessen ja wirklich zur Genüge bewiesen worden.

Die österreichische Landwirtschaft gehört mit ihren hohen Produktionskosten übrigens zu den ineffizientesten in Europa. Dass das mit der Betriebsstruktur zusammenhängt und durchaus gewollt ist, interessiert auf außereuropäischen Exportmärkten leider niemanden. Dort zählt einzig die Preis-Leistungs-Relation.

Gerade der Export soll aber die gewaltige heimische Überproduktion (der „Selbstversorgungsgrad“ liegt bei 167 Prozent) auffangen. Zum Beispiel der nach China. Dort fürchten sich die Österreicher übrigens vor neuseeländischer Konkurrenz. Seltsam: Neuseeland hat Agrarsubventionen vor langer Zeit völlig abgeschafft, müsste also der doppelt (bei Bauern und Molkereien) subventionierten EU-Milch krass unterlegen sein. Kann es sein, dass unverfälschter Markt doch die Sinne belebt? Dann ist die Abschaffung der Milchquote eine Riesenchance für die Bauern. Zumindest für die Unternehmer unter ihnen.

josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.04.2015)