Bangkok: Demonstranten ziehen sich zurück

THAILAND BANGKOK PROTESTS
THAILAND BANGKOK PROTESTS(c) EPA (Barbara Walton)
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Bei Straßenschlachten wurden zwei Menschen getötet und 113 verletzt. Die Demonstranten wollen nun "eine Zeit lang" ihre Proteste beenden. Zuvor war die Armee gegen die Demonstranten vorgerückt.

Anführer der Regierungsgegner in der thailändischen Hauptstadt Bangkok haben am Dienstag die Demonstranten, die den Regierungssitz besetzt halten, dazu aufgerufen ihren Protest zu beenden. Die Anführer der Proteste hätten sich in der Nacht beraten und entschieden, die Demonstration gegen Regierungschef Abhisit Vejjajiva "eine Zeit lang" aufzulösen, sagte die Anführerin Prateep Ungsongtham Hata.

Mit der Entscheidung wollten die Regierungsgegner den Verlust weiterer Menschenleben verhindern, sagte sie. Dies bedeute jedoch nicht, dass sie sich geschlagen gäben. Zuvor waren Soldaten mit gepanzerten Fahrzeugen auf den Regierungssitz vorgerückt, wo in der Früh noch immer mehr als 2000 meist in rot gekleidete Demonstranten ausharrten.

Gespräche mit dem Militär

Ein anderer Protestführer, Jatuporn Pronpan, sagte der Nachrichtenagentur Reuters: "Wir müssen aufhören, weil wir uns um das Leben unserer Unterstützer umschauen müssen." Ein weiterer sagte, man sei in Gesprächen mit dem Militär, wie die Regierungsgegner das Areal sicher verlassen könnten.

Die Führer stellten sich den Behörden, die sie zu Hintergründen der militanten Aktionen befragen wollten. Die thailändische Polizei kündigte an, die Köpfe der Proteste vor Gericht zu bringen. Polizeichef Patcharawat Wongsuwan sagte: "Alle wichtigen Anführer der Demonstrationen werden strafrechtlich verfolgt." Schon in den kommenden Stunden sollen erste Haftbefehle erteilt werden.

Die "Rothemden" genannten Anhänger des 2006 abgesetzten Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra verbrachten die ganze Nacht vor Abhisits Amtssitz, nachdem Soldaten am Abend das Viertel abgeriegelt und die Demonstranten eingekesselt hatten. Am Montag waren bei Straßenkämpfen zwei Männer ums Leben gekommen, mehr als hundert Menschen wurden verletzt. Am Wochenende hatten die Demonstranten in Pattaya den geplanten Asean-Gipfel der ostasiatischen Staatengemeinschaft zu Fall gebracht.

Armeesprecher Sunsern Kaewkumnerd sagte, Demonstranten, die nicht in gewaltsame Proteste verwickelt waren, dürften nach Hause zurückkehren. Die Behörden stellten 60 Busse zur Verfügung, um tausende Menschen zu den Busbahnhöfen zu fahren, berichtete die Zeitung "Nation". Die meisten kommen aus der Provinz. Augenzeugen zufolge machten die meisten Demonstranten nach dem von ihren Anführern verkündeten Ende der Protestaktion einen niedergeschlagenen Eindruck.

Premier lehnt Neuwahlen ab

Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva lehnt eine Auflösung des Parlaments und vorgezogene Neuwahlen immer noch ab. Der massiv unter Druck stehende Premier erkärte, er schließe einen solchen Schritt zwar nicht aus, aber die Entscheidung "steht jetzt nicht an": "Bei einer Auflösung des Parlaments gilt meine größte Sorge der Verhinderung von Gewalt, die wir bei wahlkämpfenden Parteien erlebt haben."

Thailand durchlebe derzeit seine "Feuerprobe als Rechtsstaat", erklärte Abhisit. Einen Kompromiss mit Thaksin schloss er aus.

(APA/Red.)

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