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Andreas L.: Lufthansa informierte Behörde nicht über Depression

Germanwings aircraft takes off from Cologne-Bonn airport in front of dark clouds
REUTERS
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Airbus-Absturz. Das zuständige Luftbundesamt hatte "keinerlei Informationen über die medizinischen Hintergründe" des Copiloten Andreas L.

Der Absturz der Germanwings-Maschine auf dem Flug 4U9525 wirft weiter Fragen auf. Das deutsche Luftfahrtbundesamt (LBA) wusste nach eigener Darstellung vor der Katastrophe mit 150 Toten nichts über die medizinische Vorgeschichte des Copiloten Andreas L. Man sei vom Flugmedizinischen Zentrum der Lufthansa nicht "über die abgeklungene schwere Depressionsphase" bei Andreas L. informiert worden, teilte die Aufsichtsbehörde der "Welt am Sonntag" mit. Ein Sprecher der Germanwings-Mutter Lufthansa betonte, das Unternehmen komme seinen Informationspflichten gegenüber dem LBA nach.

Unterdessen konzentrieren sich die Bergungsarbeiten an der Absturzstelle in den französischen Alpen auf die Habseligkeiten der Opfer. Andere Arbeiten wurden weitgehend eingestellt.

Das Luftfahrtbundesamt hatte nach eigenen Angaben bis zur Akteneinsicht beim Flugmedizinischen Zentrum der Lufthansa nach dem Absturz "keinerlei Informationen" über die medizinischen Hintergründe. Wie die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf eine EU-Verordnung berichtete, müssen Flugmediziner in Fällen schwerer Krankheiten wie Depressionen das LBA als Aufsichtsbehörde einschalten - allerdings gelte dies erst seit April 2013.

Verkehrsfliegerschule informiert

Andreas L. hatte 2009 als Flugschüler seine Lufthansa-Verkehrsfliegerschule über eine "abgeklungene schwere depressive Episode" informiert, wie die Germanwings-Mutter am Dienstag (31. März) einräumte. Seit Inkrafttreten der neuen Verordnung unterzog sich der Copilot nach Informationen der "Welt am Sonntag" noch zwei Tauglichkeitsprüfungen - im Sommer 2013 und im Jahr 2014.

Die Lufthansa wollte sich nicht näher zu diesen Prüfungen und dem Zeitungsbericht äußern. "Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir derzeit keine weiteren Erklärungen zu dem konkreten Fall abgeben können, weil wir den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Düsseldorf nicht vorgreifen wollen", teilte ein Sprecher am Sonntag mit.

Wie das Bundesamt mitteilte, wurde das Flugtauglichkeitszeugnis 2009 vom Flugmedizinischen Zentrum der Lufthansa (Aeromedical Center, AMC) in Frankfurt ausgestellt und dem LBA übermittelt. Dieses Vorgehen habe der Rechtslage entsprochen, erklärte das LBA. Bei der Katastrophe vom 24. März besaß Andreas L. nach früheren Lufthansa-Angaben "ein voll gültiges Tauglichkeitszeugnis der Klasse 1"

Ermittler durchsuchten Arztpraxen

Nach "Spiegel"-Informationen durchsuchten Ermittler in der vergangenen Woche mehrere Arztpraxen, die der Copilot konsultiert haben soll. "Weiterhin wurden heute 5 Arztpraxen, die von dem Kopiloten aufgesucht wurden, durchsucht und die Krankenakten des Kopiloten sichergestellt", zitiert das Magazin aus einer Zusammenfassung der Ergebnisse. L. suchte demnach sowohl Fachärzte für Neurologie als auch Fachärzte für Psychiatrie auf.

Der 27-Jährige wird verdächtigt, den Kapitän des Fluges 4U9525 ausgesperrt und die Maschine auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf absichtlich zum Absturz gebracht zu haben. Am Wochenende waren erneut Angehörige der Opfer in der Unglücksregion eingetroffen. Die meisten der 150 Getöteten stammten aus Deutschland und Spanien.

Die Unfallstelle in den französischen Alpen werde weiter gesichert, teilte die Präfektur am Sonntag mit. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Marseille wurden zahlreiche Handys gefunden. In der kommenden Woche soll damit begonnen werden, große Wrackteile von der Unglücksstelle abzutransportieren. Für schweres Bergungsgerät hatten die französischen Verantwortlichen eigens einen improvisierten Weg für Geländefahrzeuge zu dem sonst nur zu Fuß oder per Hubschrauber erreichbaren Ort präparieren lassen.

>>> Bericht in der "Welt"

(APA/dpa)