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Währung: Das Comeback des russischen Rubels

(c) Reuters
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Im Vorjahr zeigte er die weltweit schlechteste Entwicklung. Heuer zieht er an wie keine zweite Währung. Der Rubel sorgt für Staunen. Und lässt Österreichs Exporteure wieder hoffen.

Wien. Inmitten einer Fülle von Negativnachrichten aus Russland vollzieht sich plötzlich ein Positivtrend auf einer Seite, von der man einen solchen am wenigsten erwartet hätte: Der Rubel gewinnt seit Wochen an Stärke und hat gestern ein Jahreshoch markiert. Konkret verbilligte sich der Euro allein gestern um drei Prozent auf 56,017 Rubel, der Dollar fiel zum Rubel um 3,2 Prozent auf 51,937 Rubel. Damit hat die russische Währung seit Februar zum Euro fast ein Drittel an Wert gewonnen, zum Dollar immerhin ein gutes Viertel. Keine zweite Währung steigt derzeit in solchem Tempo. Freilich: Auch keine zweite Währung – außer der ukrainischen Hrywnja – war 2014 so tief abgestürzt und hatte mehr als die Hälfte verloren.

 

Weniger dick als befürchtet

Die jetzige positive Gegenbewegung sticht vor allem deshalb ins Auge, weil sich die Entwicklung der Währung seit März von der Dynamik des Ölpreises entkoppelt hat. Bis dahin hat der Rubel die Bewegung des Ölpreises weitgehend abgebildet. Nun zieht der Rubel seit Wochen an, obwohl der Preis der für Russland maßgeblichen Ölsorte Brent nach einem Erholungsschub Ende Jänner unspektakulär in einem Korridor zwischen 55 und 60 Dollar je Barrel pendelt.

Analysten meinen, der Rubel habe im Vorjahr übermäßig verloren, sodass eine Gegenbewegung erwartbar gewesen sei. In der Tat haben mehrere Negativemotionen bis Ende Jänner gewirkt. So hat man befürchtet, der Ölpreis würde gar bis zu 30 bis 40 Dollar absacken. Dazu kam die Unberechenbarkeit der russischen Außenpolitik. Und die Angst, wie die Firmen die Rückzahlung der Auslandsschulden stemmen würden.

Am Ende freilich kam alles nicht so dick wie befürchtet. Durch Repo-Geschäfte mit der Zentralbank konnten die Firmen ihre über 60 Mrd. Dollar Auslandsschulden im ersten Quartal bedienen, ohne den Devisenmarkt zu belasten. Auch die politische Situation in der Ostukraine hat sich etwas beruhigt. Der sanktionsbedingte Einbruch des Imports (im Jänner 40,7 Prozent) hat die Nachfrage nach Devisen gebremst. Zuletzt begannen die Russen Fremdwährungen wieder zu verkaufen, Ausländer investieren vermehrt in russische Papiere, die im Leitindex RTS seit Ende Jänner um 34 Prozent gestiegen sind. Und schließlich werden die makroökonomischen Prognosen immerhin eine Spur besser. Der Rubel kehre zu seinem fundamentalen Wert zurück, so Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew. Analysten sehen die Gegenbewegung freilich schon dem Ende zugehen, zumal Exportfirmen in Erwartung eines wieder sinkenden Rubels zuletzt aufgehört haben, ihre Devisenerlöse in Rubel zu wechseln.

Was die Prognose zum BIP-Wachstum betrifft, so hat Uljukajew nun erklärt, dass die Rezession maximal drei Prozent ausmachen werde. Die Weltbank ist pessimistischer und erwartet eine zweijährigen Rezession, wobei das BIP 2015 zwischen 2,9 und 4,6 Prozent falle.

 

Hoffnung für Österreich

Ist mit einem BIP-Wachstum also frühestens 2016 zu rechnen, so erwarten sich westliche Exporteure durch die Stärkung des Rubels schon heuer zumindest ein leichtes Exportplus. So die Zentralbank auf Druck einzelner Parlamentarier den Rubel nicht billig halte und er zumindest noch um zehn Prozent steige, wäre dies für österreichische Firmen wieder ein Niveau, bei dem man wettbewerbsfähig wäre, so Dietmar Fellner, Österreichs Handelsdelegierter in Moskau, zur „Presse“. 2014 waren Österreichs Exporte nach Russland – auch wegen des russischen Importstopps für Agrarprodukte – um acht Prozent auf 3,2 Mrd. Euro gefallen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.04.2015)