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Einen Liter Herzblut, bitte

Warum Leidenschaftslosigkeit tief blicken lässt.

Da gibt ein Mitarbeiter sein ganzes Herzblut (Achtung: Sprechblase! Es existiert also Blut, das nur im Herzen blubbert?) für ein Thema hin. Er versucht alles, verausgabt sich, tüftelt leidenschaftlich.

Wie auch immer: Da gibt also jemand sein Herzblut für ein Thema hin, präsentiert es seiner Führungskraft, bietet sogar noch liebevoll erarbeitete Alternativen an, und als Antwort kommt die nächste Sprechblase: „Da bin ich jetzt ganz leidenschaftslos.“ Danke. Was bitte soll das heißen? Gängige Interpretationsmodelle sagen:

a) Ich habe keine Ahnung. Daher tue ich so, also stünde ich über den Dingen, um mein Gesicht zu wahren.

b) Ich kann sehr wohl unterscheiden, was wichtig ist. Dieses Thema ist unwichtig. Lasst mich in Ruhe und sekkiert, wollt ihr Feedback, jemanden anderen.

c) Das Thema ist mir egal. Oder auf gut Englisch: „It is all the same to me.“

Immerhin: Die Leidenschaftslosigkeit lässt einen (wenig erfreulichen) Spielraum offen. Der mit leiser Ironie ausgesprochene Satz „Da bin ich total tiefenentspannt“ hingegen nicht. Er bedeutet: Hier funktioniert nichts, ich bringe nichts zustande. Ist aber auch egal.“