Das ZDF will einen seiner bildungsbürgerlichen Klassiker wiederbeleben: „Das literarische Quartett“ soll im Herbst nach vierzehn Jahren Pause zurückkehren.
Das ZDF will einen seiner bildungsbürgerlichen Klassiker wiederbeleben: „Das literarische Quartett“ soll im Herbst nach vierzehn Jahren Pause zurückkehren. Das wäre seit der Einstellung der Sendung 2001 der x-te Versuch des öffentlich-rechtlichen Senders, wieder eine quotenstarke Büchersendung zu etablieren. Das Ur-Quartett lebte vom kauzigen Marcel Reich-Ranicki (†2013), der für seine oft willkürlich harten oder milden Kritiken bekannt war. An die Traumquoten von bis zu 1,5 Millionen Seher reichte danach nur noch Elke Heidenreichs „Lesen“ heran.
Die Suche nach Prominenten für das neue vierblättrige Kritikerkleeblatt soll schon im Gang sein. Bisher fiel nur der Name Harald Schmidt. Doch Deutschlands bekanntester Late-Night-Talker wird seit seinem endgültigen Rückzug in die Fernsehpension im Vorjahr für so viele Sendungen und Aufgaben genannt, dass sich selbst unter seinen treuesten Fans Überdruss breitmacht. An das Comeback von Harald Schmidt will keiner mehr so recht glauben – nicht einmal als Nachfolger Reich-Ranickis. Und es zeigt: Ständiges Namedropping kann Showkarrieren zerstören.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.04.2015)